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Nachhaltige Produktion Das Vorbild-Projekt „i“

| Autor / Redakteur: Tina Rumpelt / Claus-Peter Köth

BMWs Elektro-Citycar i3 bietet weit mehr an Innovationen als „nur“ eine CFK-Karosserie: zum Beispiel mit Olivenblättern gegerbtes Leder und Bezüge aus PET-Flaschen-Recyclat. Nachhaltigkeit wurde bereits in der Entwicklung gleichwertig zu Gewicht und Kosten als Zielvorgabe definiert und stringent verfolgt, auch bei den Lieferanten. Das ist nun bei allen BMW-Projekten Pflicht.

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Für den BMW i3 und i8 wurden zum Projektstart erstmals fixe Nachhaltigkeitsziele über die gesamte Wertschöpfungskette definiert. So wird zum Beispiel das offenporige Holz im Interieur nur mit einer dünnen Schutzschicht gegen Sonneneinwirkung geschützt. diese beträgt gerade mal ein Zehntel der sonst üblichen Lackschichten für Holz-Interieurteile.
Für den BMW i3 und i8 wurden zum Projektstart erstmals fixe Nachhaltigkeitsziele über die gesamte Wertschöpfungskette definiert. So wird zum Beispiel das offenporige Holz im Interieur nur mit einer dünnen Schutzschicht gegen Sonneneinwirkung geschützt. diese beträgt gerade mal ein Zehntel der sonst üblichen Lackschichten für Holz-Interieurteile.
(Foto: BMW)

Dr. Simone Lempa-Kindler hat eine große Tasche mitgebracht. Sie packt Materialproben aus. Zu jeder hat sie eine Geschichte. So erzählt sie von ihrem Besuch in der Gerberei, in der das Sitzleder mit einem Olivenblättersud behandelt wird. „Es roch dort so wunderbar frisch. Wie nach Zitronen.“ „Die Kunden, die sich für Elektrofahrzeuge wie den BMW i3 oder i8 interessieren, wollen Nachhaltigkeit sehen, fühlen, erleben“, sagt Lempa-Kindler. Die promovierte Betriebswirtin verantwortet im Project i, dem „Think Tank“ für die Entwicklung der Submarke „BMW i“, das Thema Nachhaltigkeit. Also soll das Leder der Sitze nach Leder riechen, aufgefrischt mit natürlichen Olivenblattaromen, und es darf später auch Gebrauchsspuren zeigen. Die feinen Fasern der Kenafpflanze in der Türverkleidung sind sicht- und fühlbar. Das weitgehend naturbelassene Eukalyptusholz im Interieur wird im Laufe des Autolebens ein wenig nachdunkeln. „Das gehört dazu. Die Natürlichkeit der Materialien soll erlebbar sein“, so die BMW-Expertin.

BMW i3 Fahrbericht
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Die Geschichte der Nachhaltigkeit

Lempa-Kindler holt ein kleines Buch aus ihrer Tasche und schlägt es auf: die Bedienungsanleitung für den i3. Auf den ersten vier Seiten wird dem Leser die Geschichte der Nachhaltigkeit des Autos erzählt. Von der Fertigung der Carbonfasern ausschließlich mit Energie aus Wasserkraftwerken bis hin zur Produktion in Leipzig, die mit Windkraft arbeitet und gegenüber herkömmlichen BMW-Produktionsprozessen 50 weniger Energie und 70 Prozent weniger Wasser verbraucht. Es wird die modulare Life-Drive-Bauweise vorgestellt: die Fahrgastzelle aus Carbon, verklebt und verschraubt mit dem Aluminiumrahmen des Chassis, das Antrieb und Lithium-Ionen-Akkus trägt, und beplankt mit Kunststoffaußenhautteilen. Diese Materialien sind korrosionsresistent. Auch dies ist ein Nachhaltigkeitsaspekt.

Völliges Neuland

„Wir haben mit dem strengen Fokus auf Nachhaltigkeit in einem Fahrzeugprojekt völliges Neuland betreten“, erläutert Lempa-Kindler. Die Prämisse von Anfang an: Vorgaben und Zielvereinbarungen müssen für alle Beteiligten nachvollziehbar und zu jedem Zeitpunkt messbar sein. Das Ziel: Über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs mindestens ein Drittel weniger Treibhauspotenzial im Vergleich zum effizientesten konventionellen Fahrzeug im gleichen Segment. Maßstab war damals der BMW 118d, „Green Car of the Year 2008“.

Die CO2-Rechnung

Gerechnet wird so: Das CO2-Aufkommen bei der Herstellung des i3 liegt höher als bei einem konventionellen Auto à la BMW 1er. Dies wird bedingt unter anderem durch die Herstellung der Batterie sowie durch den höheren Energieverbrauch für die Fertigung der Aluminium-Leichtbauteile und der CFK-Fahrgastzelle. Wie Lempa-Kindler aufzeigt, wird dieses CO2-Mehraufkommen jedoch über die Gesamtlebensdauer durch die lokal emissionsfreie Fortbewegung im i3 mehr als kompensiert. Wird das Fahrzeug sein Leben lang nur mit regenerativer Energie „betankt“, sieht die Rechnung noch eindrucksvoller aus: Dann halbiert sich der CO2-Footprint gegenüber einem effizienten Auto mit Verbrennungsmotor. Lempa-Kindler schlägt einen Aktenordner auf. Auf DIN-A4-Format präsentiert sie den „Masterplan“, der Anfang des Jahres 2011 verabschiedet wurde. In diesem fixierte das Project-i-Team die Nachhaltigkeitsziele, präzise heruntergebrochen auf konkrete Kenn- und Zielwerte für die Entwicklungsbereiche Fahrwerk, Antrieb, Karosserie, Interieur sowie für Produktion und Vertrieb. Seitdem berichten die Prozess- und Bereichsverantwortlichen regelmäßig auch zum Thema Nachhaltigkeit.

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