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Kommentar „Der Diesel ist tot, es lebe der Diesel!“

| Autor: Claus-Peter Köth

Der Diesel schien abgeschrieben, doch mittlerweile sehen wieder immer mehr OEMs Zukunftspotenzial im umstrittenen Antrieb – auch in den USA. Ein Kommentar von »Automobil Industrie«-Chefredakteur Claus-Peter Köth.

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Claus-Peter Köth ist Chefredakteur der Fachzeitschrift »Automobil Industrie«.
Claus-Peter Köth ist Chefredakteur der Fachzeitschrift »Automobil Industrie«.
(Bild: Stefan Bausewein )

Ausgerechnet in den USA zeichnet sich ein Comeback des Selbstzünders ab: Kurz nachdem VDA-Präsident Matthias Wissmann den Markt für Dieselfahrzeuge in den USA abgeschrieben hatte, erklärte Ford auf der Detroit-Autoshow, seinem Pick-up-Truck F-150 – dem VW Golf der USA – einen Dieselmotor spendieren zu wollen. Auch Ingenieure von GM und Fiat-Chrysler äußerten sich voll des Lobes ob der Kraft und dem niedrigen Verbrauch des Dieselantriebs, den sie als geradezu prädestiniert für ihre riesigen Pick-ups und SUVs erachten – schließlich wird die Effizienz der Fahrzeuge und der damit zusammenhängende CO2-Ausstoß auch in den USA zunehmend ein Thema für die OEMs.

Und weil das Light-Truck-Segment nahezu zwei Drittel des gesamten US-Light-Vehicle-Marktes ausmacht, tun die US-Autohersteller alles dafür, dass sie ihre Bestseller noch lange verkaufen können. Beim F-150 war es im ersten Schritt die sehr viel leichtere Aluminiumkarosserie, jetzt folgen der Dieselmotor und die Elektrifizierung der Modelle.

Auch hierzulande müssen die SUVs und Verbrenner das Geld bringen für die gewaltigen Investitionen in Elektromobilität, Konnektivität und autonomes Fahren. Insofern sind die deutschen OEMs gut beraten, ihre Marktführerschaft beim Diesel mit allen Kräften zu verteidigen. Denn der moderne Dieselmotor wird für weite Strecken und für Vielfahrer noch lange Zeit der effizienteste Antrieb sein – gegebenenfalls kombiniert mit einem Elektromotor (Plug-in-Hybrid) für Fahrten in die Innenstadt.

In jüngster Zeit stößt diese Erkenntnis glücklicherweise wieder häufiger auf Zustimmung. Längst wird das rein batterieelektrische Fahrzeug nicht mehr als Heilsbringer für alle Fahrprofile gesehen. Realistisch erscheint für das Elektroauto (BEV und PHEV) ein Marktanteil von 20 bis 25 Prozent im Jahr 2025 oder 30 bis 35 Prozent im Jahr 2030. Und das heißt im Umkehrschluss: Auch in zwölf Jahren werden mindestens noch 65 bis 70 Prozent aller Neuwagen einen Otto- oder Dieselmotor an Bord haben.

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