Fahrbericht

Der neue Aston Martin Vantage: Zorniger Angreifer

| Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Nayomi Polcar

Gerade einmal 3,6 Sekunden vergehen, bis das Coupé bei Tempo 100 ist.
Gerade einmal 3,6 Sekunden vergehen, bis das Coupé bei Tempo 100 ist. (Bild: Aston Martin)

Der DB11 ist der nahezu perfekte Gran Turismo. Doch sein kleiner Bruder Vantage gibt nicht viel auf den aristokratischen Auftritt. Er lässt die vornehmen Sitten des Benzin-Adels sausen und wird stattdessen zu einem wütenden Angreifer.

Engländer sind schon rätselhafte Gesellen. Mal sind Sie piekfein, höflich und rücksichtsvoll und mal einfach nur laut und ungehobelt. Und das gilt nicht nur für die Menschen, sondern auch für ihre Autos. Nirgendwo sieht man das besser als bei Aston-Martin. Denn während der vor Jahresfrist eingeführte DB11 so etwas ist wie der Aristokrat unter den Supersportwagen und den perfekten Gentleman auf Räder gibt, hat sich sein kleiner Bruder Vantage zum genauen Gegenteil entwickelt. Wenn das Coupé im Juni zu Preisen ab 154.000 Euro in den Handel kommt, pfeift es deshalb auf die bei Aston Martin sind übliche Attitude des automobilen Hochadels und gibt den wütenden Angreifer, dessen Attacke vor allem ein Ziel hat: Den Porsche 911.

Aston Martin Vantage: Raubtier-Design

Dabei setzt der Vantage nicht nur auf ein bitterböses Design mit eng zusammen gekniffenen Leuchten, einem Kühlerschlund, der den Vordermann zu verschlingen droht und mit der Unterlippe fast am Asphalt schleift, eine Silhouette, die eine Spannung hat wie ein Raubtier vor dem Sprung, und einem Heck, dessen Spoiler sich erhebt wie ein wütend gereckter Mittelfinger.

V8-Turbo mit 510 PS

Vor allem setzt er auf einen Motor, der über jeden Zweifel erhaben ist: Den vier Liter großen V8-Turbo des Kooperationspartners AMG aus Affalterbach. Zwar kommt der auch schon im DB11 zum Einsatz und hat genau wie dort 510 PS und 685 Nm. Doch die Wirkung ist eine ganz andere. Nicht umsonst ist der Vantage bei identischer Plattform 30 Zentimeter kürzer, hat zehn Zentimeter weniger Radstand und wiegt vor allem fünf Zentner weniger. Dazu gibt es im Heck ein anderes übersetztes Getriebe mit schnellerer Folge für die acht automatischen Gänge, die drei Fahrprogramme sind schärfer programmiert, die Lenkung ist sehr viel direkter und das Blasorchester im Diffusor unter dem Heck schlägt andere Töne an.

Bei Vollgas ist er wegen der geänderten Übersetzung zwar etwas langsamer als der DB11 und schafft nur 314 statt 322 km/h. Doch dafür ist er wie es sich für einen Rennwagen mit Straßenzulassung gehört der bessere Sprinter und nimmt seinen großen Bruder drei Zehntel ab: Gerade einmal 3,6 Sekunden vergehen, bis das Coupé bei Tempo 100 ist. So wird aus dem Gleiter ein Fighter und ehe man sichs versieht, hat man am Steuer das Messer zwischen den Zähnen.

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Schnell und verführerisch

Während man sich im DB11 ganz entspannt zurücklehnt und schon damit zufrieden ist, dass man um die schiere Kraft des Sportwagens weiß, will man sie im Vantage nicht nur ausprobieren, sondern auch ausreizen. Schneller und immer schneller will man mit dem Wagen fahren und mit jeder Kurve steigt der Mut und irgendwann fühlt sich die Landstraße gefährlich nach Rennstrecke an. Der DB11 mag der Gran Turismo sein, aber im Vantage fühlt man sich wie bei Gran Turismo – nur dass das hier das echte Leben ist und keine Simulation auf der Playstation.

Das Innendesign des Aston Martin Vantage

Die Raserei genießt man in einer dunklen Höhle, die sich ebenfalls deutlich vom DB11 unterscheidet. Nicht nur, weil im Fond die ohnehin unbrauchbaren Rücksitze fehlen und man noch etwas näher am Asphalt sitzt. Sondern weil alles etwas gedrungener ist, sich etwas stärker auf den Fahrer fokussiert und alles etwas funktionaler ist. Bis auf die Kommandozentrale auf dem Mitteltunnel zumindest. Denn die ist hoffnungslos überladen. Dass man da bisweilen mal daneben langt, ist zwar ein bisschen ungeschickt, erst recht bei einem Sportwagen, in dem man sich aufs Fahren konzentrieren sollte. Aber wenigstens landen die Finger dann auf feinstem Leder und Alcantara.

Denn Plastik ist im Cockpit fast Nirgends zu fühlen, es obliegt die nötige Noblesse bis ins letzte Detail. Ganz können die Engländer eben doch nicht aus ihrer Haut und ein bisschen Aristokratie muss selbst beim Angriff sein.

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