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Produktion

Der Standort Mexiko verliert an Reiz

| Autor/ Redakteur: Andrea Hoffmann-Topp / Christian Otto

Die BMW Group hat schon im Juni im mexikanischen San Luis Potosi ihr innovativstes Werk unter den weltweiten Produktionsstandorten eröffnet. Doch der Hub Mexiko leidet unter der US-Politik und ist nicht mehr so attraktiv wie früher – das merken vor allem die Zulieferer.

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Zur Eröffnung des neuen BMW-Werks in Mexiko waren unter anderem die Vorstände für Produktion, Oliver Zipse (7. v. li.), sowie Einkauf und Lieferantennetzwerk, Andreas Wendt (9. v. li.), vor Ort.
Zur Eröffnung des neuen BMW-Werks in Mexiko waren unter anderem die Vorstände für Produktion, Oliver Zipse (7. v. li.), sowie Einkauf und Lieferantennetzwerk, Andreas Wendt (9. v. li.), vor Ort.
(Bild: BMW)

Beim Aufbau des neuen BMW-Werks in San Luis Potosi (Mexiko) war die Umsetzung von Industrie 4.0 ein wichtiges Leitprinzip. Kooperierende Roboter, die papierlose Fertigung, der Einsatz von Augmented Reality in der Montage sind nur einige Beispiele für die modernste Automobilproduktion bei BMW: „Das Produktionssystem, das wir in San Luis Potosi aufgebaut haben, wird aufgrund des Einsatzes neuer Technologien führend in Sachen Produktivität und Nachhaltigkeit sein“, verkündete BMW-Produktionsvorstand Oliver Zipse anlässlich des Grand Openings Anfang Juni. Im Unterschied zum Planungsbeginn vor fünf Jahren haben sich aber die Rahmenbedingungen für die Produktion der siebten Generation der 3er-Modelle in Mexiko dramatisch verändert: Der US-Präsident versalzte BMW die Eröffnungsfeier durch seinen nicht enden wollenden Handelsstreit mit der Welt und die Androhung von Importzöllen auf Waren aus Mexiko. Noch zeigte sich Oliver Zipse gelassen: „Wir sehen keine Veranlassung, unsere Strategie für die Produktion in Nordamerika zu ändern.“ Man habe das neue und äußerst flexible Werk bewusst in die Nafta-Region platziert und damit bereits 2014 in der Planungsphase eine langfristige strategische Entscheidung getroffen. „Mexiko verfügt über eine Schlüssellage zwischen Nord- und Südamerika, Atlantik und Pazifik“, sagte Zipse.

Kreativität gefragt

Für den Fall, dass doch US-Importzölle greifen, werde BMW zur rechten Zeit die richtigen Antworten haben, konterte Zipse. Vorstellbar sei, dass BMW in einer solchen Situation damit beginnt, den in San Luis Potosi gefertigten 3er über den Atlantik zu verschiffen und die Modelle aus München wiederum annähernd zollfrei direkt in die USA einzuführen – statt teuer auf dem kurzen Weg von Mexiko. Macht Trump seine Drohung wahr, Zölle gegen Europa zu verhängen, müsste das jüngste Werk von BMW in Mexiko schnell und flexibel reagieren und auch andere Modelle für den wichtigen US-Markt fertigen.