Johnson Controls Der Weg zum Systemhersteller für Akkus

Autor / Redakteur: Egon Morawietz / Michael Ziegler

Die Abkühlung des E-Mobilitätsmarkts bietet Batterieherstellern die Chance, abseits des Hypes die Entwicklung leistungsfähigerer Akkus voran zu treiben. Johnson Controls hat sich dazu von seinem Partner Saft getrennt und will zum Systemhersteller expandieren.

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Stefan Suckow (l.), Managing Director für das Batteriegeschäft bei Johnson Controls, bei einem Rundgang durch die Lithium-Ionen-Produktion.
Stefan Suckow (l.), Managing Director für das Batteriegeschäft bei Johnson Controls, bei einem Rundgang durch die Lithium-Ionen-Produktion.
(Johnson Controls)

Um den Entwicklungsaufwand für leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterien bewältigen zu können, gründeten sich in den letzten Jahren zahlreiche Unternehmen und strategische Verbindungen zwischen Batterieproduzenten und Automobilherstellern, großen und kleinen Zulieferern. Mehr als 100 Unternehmen weltweit produzieren nach Angaben des Beratungsunternehmens Roland Berger mittlerweile diese Batterien für Autos. In reinen Elektro-, Plug-in- und Range-Extender-Fahrzeugen lässt sich eine große Speicherkapazität – für möglichst viel Reichweite – nur mit deren Technologie umsetzen.

Die Experten von Roland Berger warnen vor Überkapazitäten in der Produktion, da eine Marktkonsolidierung zu erwarten sei. Übrig bleiben demnach nur fünf bedeutende Hersteller, die sich bis 2015 mehr als zwei Drittel des Weltmarktes teilen werden. Neupositionierungen sind deshalb vonnöten. Bosch beabsichtigt die Trennung vom Partner Samsung, das Gemeinschaftsunternehmen „Johnson Controls-Saft“ ist gar schon Vergangenheit (siehe Interview).

Systemanbieter im Batteriemarkt

Johnson Controls (JC), Weltmarktführer für Autobatterien, hat im Jahr 2002 Varta Autobatterien übernommen und im Jahr 2006 eine Partnerschaft mit dem französischen Konzern Saft besiegelt. Nach der Trennung von Saft will JC künftig mehr Kernkompetenz zeigen und Systemanbieter im Batteriemarkt werden, auch außerhalb des Automotive-Bereichs. Dafür hat der Zulieferer eine strategische Aufteilung vollzogen: Systemintegration betreibt JC in Hannover und in Milwaukee (US-Bundesstaat Michigan), Zellchemie-Entwicklung nur in den USA. Dort fertigt das Unternehmen seit dem Jahr 2011 zylindrische und ab 2013 auch prismatische Zellen.

In Nersac, Frankreich produziert es noch bis Ende des Jahres – als Verpflichtung des Joint Ventures mit Saft – Rundzellen. Künftig will JC den Entwicklungsstandort Hannover mit einer neuen Montagelinie für Module mit prismatischen Zellen stärken.

Reichlich Erfahrung mit Lithium-Ionen-Rundzellen

Reichlich Erfahrung hat Johnson Controls mit Lithium-Ionen-Rundzellen durch die Entwicklung am Mercedes S 400 Hybrid. Ihr Vorteil ist die relativ leichte und gut kontrollierbare Herstellung. „Sie werden auch weiterhin in Serienfertigungen eingesetzt“, sagt Stefan Suckow, Managing Director für das Lithium-Ionen-Batteriegeschäft bei Johnson Controls.

Ergänzend dazu eignet sich die prismatische Zelle besonders für den Einsatz in einer Karosserie mit höhenbegrenztem Bauraum. Zudem kann hierbei das Oberteil der Batterie zum Teil des Fahrzeugunterbodens werden. Kosten und Package lassen sich damit reduzieren – ideal für kleinere und leichtere E-Autos. Von dem neuen Pouch-Zellentyp hält Suckow wenig: Solche Pouch-Zellen, auch „Coffee-bag-Zellen“ genannt, würden sich zwar durch eine geringe spezifische Masse und niedrige Herstellkosten auszeichnen. „Sie haben aber noch nicht bewiesen, dass sie über zehn Jahre haltbar sind. Sie haben kritische Stellen gegenüber Feuchtigkeit und die Zellchemie kann versagen.“

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