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Im Interview: Stefan Suchow
Stefan Suckow, Managing Director bei Johnson Controls für das Lithium-Ionen-Batteriegeschäft, zur Zusammenarbeit und Auflösung des Joint Venture Johnson Controls-Saft (JCS) mit dem französischen Batteriehersteller Saft und zur Neupositionierung von Johnson Controls.
Sie haben sich nach sechs Jahren Partnerschaft im letzten Oktober von Saft getrennt. Welche Grundlage und Arbeitsteilung hatten Sie?

Als wir das Joint Venture 2006 gegründet haben, waren die zwei Partner sehr ungleich. Johnson Controls war weltweit aktiv, hatte Erfahrungen in der Automobilindustrie, konnte Wissen und Geld einbringen. Dagegen war Saft vergleichsweise klein und hatte wenig Erfahrung mit Anwendungen in der Automobilindustrie. Saft hatte zu diesem Zeitpunkt die reifeste Elektrochemie mit Eigenschaften für vielversprechende Anwendungen. Zudem hatten wir mit Varta hier in Hannover schon Erfahrungen in der Lithium-Ionen-Forschung. So konnten wir nicht nur Batteriezellen, sondern mit unserem Wissen ganze Batteriesysteme herstellen.
Warum sind Sie die Zusammenarbeit mit dem reinen Batteriespezialisten eingegangen?
Wir sind der Meinung, dass wir als Systemhersteller den ganzheitlichen Ansatz beherrschen müssen. Wenn man nicht versteht, wie Elektrochemie funktioniert, kann man nicht in die Grenzbereiche gehen, ohne die Sicherheit und Lebensdauer zu gefährden. Elektronik baut auf Elektrochemie auf.
Und warum haben Sie sich von Saft getrennt?
Wir waren mit der Ausrichtung und den Grenzen des Joint Ventures nicht mehr einverstanden, denn der Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wir brauchen schnellen Zugriff auf neue Technologien und wollen auch schneller investieren. Wir möchten nicht nur in reine Automobil-Antriebstechnologie expandieren, sondern auch in andere Felder.
In welche?
Da wären untere Segmente wie batteriebetriebene Kleinstfahrzeuge und Elektrofahrräder, ebenso stationäre Energiespeicher, Marine-Anwendungen oder auch der Bau- und Agrarsektor.
Haben Sie die Patente von Saft übernommen?
Ein Teil des Auflösungsvertrages beinhaltet, dass JC die Elektrochemie alleine weiter herstellen und in alle Märkte verkaufen darf.
Werden sie künftig alleine im Feld der Lithium-Ionen-Batterien entwickeln?
Wir sind zwar von Saft getrennt, aber als Rechtsnachfolger des aufgelösten Joint Ventures Vertreter der gemeinsam entwickelten Technologie. Wir übernehmen auch die Lieferverpflichtung für gemeinsame Entwicklungen, die 2013 oder später in die Serienproduktion übergehen sollen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Egon Morawietz.
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