Durchstarten 2021 „Die Autoindustrie darf nicht in die Rolle des alleinigen Heilsbringers gedrückt werden“

Autor: Sven Prawitz

Jörg Grotendorst, Automotive-Chef der Rheinmetall AG, über die ambitionierten EU-Klimaziele, die Lehren aus dem Krisenjahr 2020 und die neuen Chancen in der Mikromobilität und Brennstoffzellentechnik.

Jörg Grotendorst, Mitglied des Vorstands der Rheinmetall AG und Leiter der Sparte Automotive.
Jörg Grotendorst, Mitglied des Vorstands der Rheinmetall AG und Leiter der Sparte Automotive.
(Bild: Rheinmetall)

Herr Grotendorst, die EU will zur Musterregion in Sachen Klimaschutz avancieren – insbesondere die Automobilindustrie soll dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Schießt Brüssel mit seinem Regulierungsehrgeiz und seinen neuen CO2-Zielen über das Ziel hinaus?

Dass wir für einen nachhaltigen Klimaschutz entsprechende Rahmenbedingungen benötigen, steht außer Frage. Ohne diese wird es keine Veränderung der Situation geben. Die Automobilindustrie darf jedoch nicht in die Rolle des alleinigen Heilsbringers gedrückt werden, sondern die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen muss mit den anderen Sektoren gewissermaßen im Gleichtakt erfolgen und Hand in Hand gehen.

Leider haben wir in Deutschland einige Beispiele aus der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik, wo man die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt hat

Wie lassen sich die EU-Ziele realistisch erreichen, ohne Kollateralschäden in der Branche zu verursachen?

In dem wir uns Ziele vornehmen, die den anthropogenen Klimawandel ganzheitlich adressieren. E-Autos auf der Straße bringen keinen CO2-Beitrag, wenn wir zur Stromerzeugung Wälder roden und Braunkohle verbrennen. Kollateralschäden vermeiden wir, wenn wir den Wandel aktiv gestalten und akzeptieren, dass sich unsere Industrie ändern und ausgetretene Pfade verlassen muss. Leider haben wir in Deutschland einige Beispiele aus der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik, wo man die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt hat und Geschäft und Arbeitsplätze verloren gingen.

Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility