Kommentar Diess muss liefern – und weitere Box-Runden meiden

Herbert Diess darf bei VW zwar weitermachen und bekommt sogar neue Aufgaben – doch noch einmal wird er dir Nerven der Entscheider in Wolfsburg wohl kaum derart strapazieren dürfen. Ein Kommentar.

Firma zum Thema

Christoph Seyerlein ist Fachredakteur »Next Mobility« und berichtet für »Automobil Industrie« regelmäßig über Volkswagen.
Christoph Seyerlein ist Fachredakteur »Next Mobility« und berichtet für »Automobil Industrie« regelmäßig über Volkswagen.
(Bilder: J. Untch, Vogel Communications Group)

Herbert Diess darf Chef bleiben, Wolfsburg bekommt Teile der ID-3-Fertigung. Der Volkswagen-Aufsichtsrat verabreichte dem zuletzt wieder einmal aufgescheuchten Konzern-Umfeld am Donnerstag (9. Dezember) mehrere Beruhigungspillen – sowohl für den internen Bedarf, als auch die Börse. Entsprechend zahm präsentierte sich beispielsweise Betriebsratschefin Daniela Cavallo im Anschluss an die mit Spannung erwartete Sitzung, nachdem sie in den letzten Wochen doch manches Mal heftig gegen Diess ausgeteilt hatte.

Der Druck auf dem Kessel am Mittellandkanal bleibt dennoch hoch. Noch-VW-Markenchef Ralf Brandstätter soll ab August 2022 anstelle von Diess das China-Geschäft des Konzerns unter seine Fittiche nehmen. Das kann man als Reaktion auf die bislang darbenden Verkäufe der eigenen E-Autos im Reich der Mitte verstehen. Um die Kernmarke soll sich dann Thomas Schäfer kümmern. Der Skoda-Chef gilt als bei der Belegschaft beliebt. Dieses Kapital wird er auch brauchen, stehen mit Trinity und Co. doch massive Umwälzungen bei VW an.

Diess‘ Kredit ist aufgebraucht

Ein Topmanager, der in den letzten Posten-Verteilungsrunden eigentlich immer ganz vorne mit dabei war, ging diesmal leer aus. Audi-Chef Markus Duesmann muss sogar Macht abgeben. Um die Software-Einheit Cariad kümmert sich im Konzernvorstand Herbert Diess höchstselbst. Auch dort läuft es bislang nicht so, wie man sich das bei Volkswagen wünscht. Nun muss Diess mehr denn je beweisen, dass er die von ihm selbst vielbemühte Aussage, Volkswagen werde vom Autobauer zum Softwaregiganten, auch mit Leben und vor allem Erfolg füllen kann.

Der 63-Jährige wird von Vielen als Antreiber für Veränderungen geschätzt. Doch an seinem Kommunikationsstil reiben sich dabei eben auch einige. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sah sich am Donnerstag sogar dazu gezwungen, die VW-Anleger aufgrund der internen Giftpfeile zuletzt um Entschuldigung zu bitten. Diess hat jetzt mehrere Kampf-Runden mit dem Betriebsrat überstanden, mal mit mehr, mal mit weniger Schrammen. Dass der Aufsichtsrat bei einem weiteren Mal als eher diplomatischer Ringrichter agieren würde, scheint nahezu ausgeschlossen.

(ID:47885856)