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Karriere Digitale Transformation: Handlungsbedarf an den Hochschulen

| Autor/ Redakteur: Julia Schmidt / Jens Scheiner

Berufseinsteiger und Studierende fühlen sich hierzulande nicht auf die digitale Transformation vorbereitet, will eine Studie des VDI aufgedeckt haben. Angesichts immer schnellerer Innovationszyklen bei der digitalisierten Arbeitswelt fordert der Fachverband VDI deshalb eine grundlegende Reform der Ingenieurstudiengänge.

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Laut einer Studie des VDI fühlt sich die große Mehrheit der Studierenden nicht genügend auf die Digitale Transfomation vorbereitet.
Laut einer Studie des VDI fühlt sich die große Mehrheit der Studierenden nicht genügend auf die Digitale Transfomation vorbereitet.
(Bild: SAP)

„Die digitale Transformation muss sich in den Curricula im Pflichtbereich niederschlagen, wenn wir weiterhin führender Technikstandort sein wollen“, sagt VDI-Direktor Ralph Appel. Ingenieurleistungen durch den Einsatz von KI nehmen immens an Bedeutung zu. Die aktuelle VDI-Studie „Ingenieurausbildung für die Digitale Transformation“ zeigt allerdings: Studierende und Berufseinsteiger fühlen sich nicht ausreichend durch digitale Fachinhalte auf die Arbeitswelt vorbereitet.

Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung und dem HIS-Institut für Hochschulentwicklung hat der VDI Professorinnen und Professoren an Hochschulen, Studierende und Berufseinsteiger zu digitalen Lehrinhalten befragt. Die Ergebnisse präsentierte der größte deutsche Ingenieurverein auf der Hannover Messe. Die Ergebnisse zeigen Handlungsbedarf.

Im Bereich Informatik geben nur 11 Prozent der befragten Studierenden an, dass sie sich gut vorbereitet fühlen. 56 Prozent sagen das Gegenteil. Bei den Berufseinsteigern fühlen sich nur 9 Prozent adäquat vorbereitet und 61 Prozent eher nicht bis gar nicht. Ein prekäres Ergebnis vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels und der zunehmenden Bedeutung von Schnittstellenkompetenzen im Bereich IT und Technik auf dem Arbeitsmarkt.

Die Professoren sind das Hemmnis an den Hochschulen

Noch unbefriedigend sei laut Appel außerdem die Bereitschaft der Professoren, sich an die Anforderungen der digitalen Transformation anzupassen. Auf die Aussage „Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen unterstützen die Digitale Transformation in unserem Studiengang“ antwortete keiner der befragten Professoren mit „stimme vollkommen zu“. 41 Prozent schätzen ihre Kollegen als weniger unterstützend ein und nur rund 10 Prozent der Befragten stimmten voll zu, dass ihre Kollegen bereit seien ihre Lehrveranstaltungen anzupassen.

Daher fordert der VDI mehr Personal, das die digitale Transformation mitträgt. Zudem muss die Digitalkompetenz der Lehrenden gestärkt werden. Hierfür ist es nach Angaben des VDI notwendig Anreizsysteme zu schaffen und Mittel bereitzustellen, die die notwendigen strukturellen Innovationen in der Lehre ausreichend befördern.

56 Prozent der Studierenden sagen, dass ihre Professoren das Hemmnis an den Hochschulen sind. Als positive Treiber sehen sie die Unternehmen und die Anforderungen des Arbeitsmarkts. „Hochschulen müssen noch stärker mit modern agierenden Unternehmen bei Fragen zur digitalen Transformation kooperieren. Hier ist erhöhter Austausch und mehr Verzahnung notwendig, um die Bedürfnisse der zukünftigen Berufseinsteiger in den Lehrplänen stärker einzubinden“, so Appel.

„Hochschulen und Industrie müssen näher zusammenrücken“

Das sieht auch Prof. Klaus Kreulich so. Er ist Vizepräsident der Hochschule München und Mitglied im VDI-Fachbeirat Ingenieurausbildung: „Die Rolle der Industrie an den Hochschulen ist extrem wichtig. Für die wissenschaftliche Ausbildung in den Ingenieurwissenschaften war der Praxisbezug zu den Forschung-und-Entwicklung-Abteilungen und auch allen anderen Geschäftsbereichen schon immer von sehr hoher Bedeutung.“ Das Tempo der digitalen Veränderungen erlaube es den Hochschulen kaum noch, die jeweils aktuellen Technologien und Konzepte für Forschungs- und Lehrzwecke bereitzustellen. „Auch vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens müssen Hochschulen und Unternehmen näher zusammenrücken. Die Dynamik der Digitalisierung erfordert ebenfalls für hochqualifizierte Ingenieure einen lebenslangen Bedarf an Weiterbildung“, so Kreulich weiter.

Er appelliert aber auch an Bund und Länder und sagt: „In der aktuellen Diskussion um die Fortführung des Qualitätspakts Lehre besteht die Chance, eine Grundfinanzierung für Zwecke der permanenten inhaltlichen Weiterentwicklung zu verankern. Das wäre genau das, was Hochschulen brauchen.“

Fachhochschulen bereiten besser auf die digitale Transformation vor

Rainer Dittmar ist verantwortlich für die Themen Technik und Digitalisierung bei DB Training, dem Bereich für die Mitarbeiterqualifizierung bei der Deutschen Bahn. Er meint: „Im Hinblick auf den digitalen Wandel wird von den Absolventen aus den ingenieurwissenschaftlichen Bereichen eine Menge an neuen, insbesondere methodischen Kompetenzen verlangt. Neben der Fachkompetenz ist immer stärker die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt. Hier fehlt es den Absolventen oft an entsprechender Erfahrung aus dem Studium.“ Auch er plädiert dafür, die Veränderungen in der Arbeitswelt bereits in den Curricula der Hochschulen zu verankern und die Hochschullandschaft mit der Industrie stärker zu verknüpfen.

Im direkten Vergleich von Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) bzw. Fachhochschulen zeigt die Studie außerdem, dass laut der befragten Studierenden Fachhochschulen den Universitäten signifikant im Rahmen der digitalen Transformation voraus sind. Studierende bewerten HAWs/FHs besser als Universitäten – etwa im Hinblick auf den Stellenwert der Digitalen Transformation, die Einbindung digitaler Lehrinhalte, sowie die wahrgenommene Bereitschaft Lehrender, ihre Lehre im Zuge der Digitalen Transformation anzupassen.

Mit Material von dpa

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