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Bosch

E-Auto mit Torque Vectoring

| Autor/ Redakteur: Hartmut Hammer / Bernd Otterbach

Bosch zeigt mit einem Konzeptfahrzeug seine Kompetenz in Sachen Elektromobilität. Der Prototyp überzeugt dank Torque Vectoring mit einem sehr agilen Fahrverhalten. Speziell mit dem Multimotorenkonzept lässt sich die Fahrzeugcharakteristik sehr individuell definieren.

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Man nehme einen Audi A5, entferne den Verbrennungsmotor samt Allrad-Triebstrang und pflanze vier je 60 Kilowatt starke Elektromotoren an den beiden Achsen ein: fertig ist ein Elektro-Renner, der es auf einem Handling-Parcours mit dem Original-A5 aufnehmen kann.

Der mit Traktionsbatterie und Personal gut zwei Tonnen schwere Versuchsträger schiebt dank insgesamt mehr als 3.000 Newtonmeter Drehmoment vehement voran und umrundet elegant die Hütchen. Schaltet man das Torque Vectoring-System hinzu, tänzelt der A5 noch leichtfüßiger um die Hindernisse. Ist man zu schnell, sorgt das System durch feinfühlige Beschleunigungs- und Verzögerungseingriffe individuell an jedem Rad für ein jederzeit beherrschbares leichtes Übersteuern. Man hat nie das Gefühl, der Wagen könne ausbrechen. Die aktiven Regelungeseingriffe erfolgen über den gesamten Fahrdynamikbereich, im Gegensatz zu einem reaktiven ESP, das nur beim drohenden Über- oder Untersteuern eingreift.

Individuelle Fahreigenschaften

Torque Vectoring dürfte laut Bernhard Bihr, dem Geschäftsführer des federführenden Tochterunternehmens Bosch Engineering GmbH, vor allem für Anbieter von sportlichen Elektro-Premiumfahrzeugen interessant sein, da deren Kundschaft fahraktive Lösungen schätzt. Speziell mit Multimotorenkonzepten lässt sich die Fahrzeugcharakteristik samt den gewünschten Fahreigenschaften dadurch sehr individuell definieren.

Zweite Zusatzfunktion des A5-Elektroantriebs ist die Rekuperation, die mit sieben Prozent aber etwas mager ausfiel. Allerdings musste das gesamte Konzeptfahrzeug innerhalb von nur sechs Monaten auf Elektroantrieb umgebaut sein. Bei etwas mehr Zeit hätte man laut Bosch noch deutlich mehr Rekuperationspotenzial erschließen können. Das Modul hierzu stammt aus dem Motorsport-Sektor von Bosch und entspricht weitgehend der Formel-1-Technik Kers.

Das hohe Gewicht von fast zwei Tonnen ist vor allem dem 500 Kilogramm schweren Batteriepaket geschuldet. Dessen Energieinhalt von 45 Kilowattstunden musste so groß gewählt werden, um die gewünschten Leistungsmerkmale überhaupt darstellen zu können. Ein kompletter Ladevorgang mit Drehstrom dauert etwa fünf Stunden, die Reichweite beträgt theoretisch 200 Kilometer. Bei sehr dynamischem Fahrprofil sinkt sie allerdings auf bis zu 40 Kilometer.

Reduziergetriebe statt Differenziale

Bosch Engineering hat die Basis Audi A5 gewählt, weil sie mit Allradantrieb, vielen Bosch-Komponenten und einem günstigen Package gute Voraussetzungen für einen schnellen Umbau bot. Beispielsweise sorgen statt der Differenziale jetzt pro Elektromotor je ein Reduziergetriebe für den optimalen Kraftfluss. Aufgebaut wurde der Prototyp von der Erphi Electronic GmbH in Holzkirchen, einem Tochterunternehmen von Bosch Engineering mit dem Schwerpunkt Konstruktion und Prototypenbau.

Bernhard Bihr: „Generell greifen wir vorrangig auf Produkte der Bosch-Gruppe zurück und passen diese individuell an.“ Dazu gehören Elektromotoren und Leistungselektroniken, die Bosch bereits in Serie produziert, sowie die Lithium-Ionen-Batterietechnik des Gemeinschaftsunternehmens SB Limotive.

Mit dem Konzeptfahrzeug Audi A5 will Bosch Engineering vor allem seine Systemkompetenz in diesem Feld demonstrieren. Die zwar von den großen OEM nicht unbedingt benötigt wird. Aber es gibt ja zusätzlich genügend Kleinserien-Pkw-Hersteller und andere Fahrzeughersteller, die solches Elektroantriebs-Know how mangels eigener Erfahrungen mit Kusshand nehmen.

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