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Interview EDAG: Geschäftsfelder und Zukunftsaussichten

| Autor / Redakteur: Das Interview führte Claus-Peter Köth. / Claus-Peter Köth

Jörg Ohlsen, Geschäftsführer der EDAG Group, über die Herauslösung der FFT als Tochter der EDAG, das internationale Geschäft, die Themen Elektromobilität, Leichtbau und Connectivity sowie den Wettbewerb um die besten Köpfe.

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Jörg Ohlsen, Geschäftsführer der EDAG-Group: „Wir wollen bis Ende des Jahres rund 500 Stellen besetzen.“
Jörg Ohlsen, Geschäftsführer der EDAG-Group: „Wir wollen bis Ende des Jahres rund 500 Stellen besetzen.“
( EDAG)

Wie haben sich Gesamtleistung und Mitarbeiterzahl der EDAG Group im vergangenen Jahr entwickelt?

Die Gesamtleistung konnten wir von 630 auf 760 Millionen Euro steigern. Die Verkäufe beziehungsweise Teilverkäufe der Unternehmen Mühlenberg, Aktec und die 49 Prozent der ELAN an den französischen Dienstleister AUSY in Höhe von etwa 60 Millionen Euro sind in dieser Zahl bereits berücksichtigt. Andernfalls wären wir noch deutlicher über dem bisherigen Rekordjahr 2008 gelegen: Damals erzielten wir 711 Millionen Euro Gesamtleistung. Enthalten ist noch die Gesamtleistung aus der Fertigung ballistischer Schutzmodule. Diesen Bereich unserer zivilen Schutzsparte haben wir ja erst über den Jahreswechsel an KraussMaffei Wegmann verkauft. Die Entwicklung der Sonderschutzfahrzeuge gehört hingegen weiterhin zu unserem Portfolio. Den Mitarbeiterstand konnten wir im vergangenen Jahr von 6.170 auf 6.635 erhöhen.

Welcher Anteil an der Gesamtleistung entfiel 2011 auf die FFT EDAG?

Die FFT zeichnete im vergangenen Jahr für etwa 40 Prozent unseres Umsatzes verantwortlich. Rückwirkend zum 1. Januar 2012 haben wir sie allerdings als Tochter der EDAG herausgelöst. Die FFT EDAG Produktionssysteme GmbH & Co. KG ist nun eine Schwestergesellschaft der EDAG mit dem gleichen Mehrheitsgesellschafter, der ATON GmbH.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Sie ist ein weiterer Schritt zu unserer nachhaltigen Positionierung als reiner Entwickler für Fahrzeuge und Produktionsanlagen. Beide Gesellschaften können sich nun vollständig auf ihre doch sehr unterschiedlichen Geschäftsmodelle Engineering beziehungsweise Anlagenbau konzentrieren. Im Anlagenbau haben Sie ganz andere finanzielle Randbedingungen was die Finanzierung des Geschäftsmodells angeht. Das hat in der Vergangenheit bei der externen Geldbeschaffung immer wieder zu längeren Diskussionen geführt. Jetzt sind wir sortenrein.

Stichwort Ausland: Wie läuft das internationale Geschäft?

In Brasilien sehen wir keine extremen Wachstumspotenziale, nicht zuletzt durch die deutlich gestiegenen Lohnkosten. Es lohnt sich nicht mehr, Brasilien für den lokalen Markt und gleichzeitig hierzulande für Low-Cost-Dienstleistungen einzusetzen. Generell sehe ich Brasilien eher als Produktionsmarkt und nicht als klassischen Markt für Engineering-Aktivitäten. Gute Möglichkeiten gibt es dagegen im Nutzfahrzeuggeschäft bei Projekten, die wir in Deutschland initiieren und gemeinsam mit Brasilien abwickeln.

Der Markt in den USA bereitet mir aktuell etwas Sorgen: Das Geschäft mit den Detroit-Three ist nach wie vor nicht ganz einfach als Anbieter von Entwicklungspaketen. Auch die erste Welle der neuen amerikanischen OEMs wie Fisker, Tesla & Co. ebbt langsam ab, da eigene Organisationen aufgebaut wurden und die Modellvielfalt hier natürlich noch eingeschränkt ist. Für serienbegleitende Dienstleistungen sehen wir bei den deutschen OEMs vor Ort gute Chancen. Darüber hinaus haben wir in den USA unsere Expertise in Sachen Leichtbau ausgerollt: Zum Beispiel haben wir die Entwicklung des Future Steel Vehicle im Auftrag von World Auto Steel über unseren US-Standort abgewickelt. Diese Dienstleistung können unsere Mitbewerber vor Ort nicht anbieten.

Bleibt noch China.

In China verfügen wir als einziger klassischer Engineering-Dienstleister über eine Infrastruktur mit mehr als 150 eigenen Entwicklern. Hinzu kommen rund 300 Mitarbeiter im Anlagenbau. Daher können wir für unsere Kunden VW, Audi, Daimler, BMW auch in der Entwicklung „Local-Content“-Anforderungen abdecken. Des Weiteren ist es für uns sehr attraktiv, Fahrzeugderivate, die für China geplant werden, mit unseren Niederlassungen in Deutschland und in China gemeinsam anzubieten und als Paket international abwickeln zu können.

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