Bilanz 2020 Edag legt Geschäftszahlen vor

Autor / Redakteur: Hartmut Hammer / Thomas Günnel

Der Ingenieursdienstleister Edag Group litt im Coronajahr 2020 an den gleichen Symptomen wie viele Unternehmen. Der Ausblick: positiv.

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Cosimo De Carlo schätzt auch 2021 die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen als sehr volatil ein.
Cosimo De Carlo schätzt auch 2021 die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen als sehr volatil ein.
(Bild: Edag)

Im Jahr 2020 verbuchte die Edag Group einen Umsatz von 650 Millionen Euro – und damit fast 17 Prozent weniger als im Vorjahr (781 Millionen Euro). Das Jahresergebnis (EBIT) sank von 33 auf minus 4,7 Millionen Euro. Für den Umsatzrückgang waren die Geschäftsbereiche Vehicle Engineering (-18 Prozent) und Production Solutions (-15 Prozent) verantwortlich. Der Bereich Electrics/Electronics hielt seinen Umsatz in etwa und erwirtschaftete mit 5,2 Millionen Euro einen kleinen Gewinn.

Dies erklärte Cosimo De Carlo, CEO des Unternehmens, beim Vehicle Engineering mit vielen Projektstornierungen zu Beginn der Corona-Pandemie, bei Production Solutions mit den stark sinkenden Investitionen der Kunden in neue Anlagen. Allerdings habe man inzwischen einige neue Kunden, auch aus Non-Automotive-Bereichen gewinnen können, die Produktionskonzepte bestellt hätten.

Rückgang vor allem in Deutschland

Regional ging der Umsatz vor allem in Deutschland (-138 Millionen Euro) zurück. Im Ausland stieg der Umsatz von 247 auf 254 Millionen Euro, sehr stark in Asien, während das Geschäft in Nordamerika fast um die Hälfte zurückging. Insgesamt ist die Abhängigkeit der Edag von Kunden in Deutschland von 68,3 auf 60,8 Prozent gesunken. Im Ausland kamen zum Beispiel Evergrande und Togg als neue Kunden hinzu.

Das Ergebnis nach Steuern lag im Geschäftsjahr 2020 bei minus 23,4 Millionen Euro (Vorjahr: +7,0 Millionen Euro). Zurückgegangen ist auch die Zahl der Mitarbeiter: sie sank von 8.488 auf 7.984. Die Investitionen nahmen ab: von 23,8 auf 15,7 Millionen Euro; und die Eigenkapitalquote sank von 19,8 auf 16,4 Prozent. Positiv gestaltete sich hingegen der Free Cash-Flow von 134,6 Millionen Euro (Vorjahr 55,1 Millionen Euro).

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Edag: Kfw-Kredit und keine Dividende

Da Edag im Jahr 2020 ein negatives Ergebnis verzeichnet und einen Kfw-Kredit beantragt hat, wird es keine Dividende für die Aktionäre geben. Den Kredit habe das Unternehmen noch nicht aktiviert, könnte dies aber im Falle einer Geschäftseintrübung im laufenden Jahr.

Denn auch 2021 stuft Cosimo De Carlo die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen als sehr volatil ein. Allerdings erwartet er einen moderaten Umsatzanstieg mit einem schwächeren ersten und einem besseren zweiten Halbjahr 2021. Sollte die Umsatzentwicklung dennoch stagnieren, würde Edag bei 650 Millionen Euro Jahresumsatz dank der Einsparmaßnahmen dennoch den Break Even erreichen, verspricht er. Positiv sei auch, dass der Auftragsbestand Ende 2020 (335 Millionen Euro) größer gewesen sei als Ende 2019 (321 Millionen Euro).

„Gemeinsam haben wir die Zeit der Krise genutzt, um unsere Strukturen zu optimieren, Effizienz- und Einsparpotenziale zu heben und das virtuelle Arbeiten in der Fläche zu etablieren“, erläutert Cosimo De Carlo. „Ein Meilenstein war die Zusammenführung der Kapazitäten „Software und Digitalisierung“ der drei Geschäftsbereiche unter einer einheitlichen Leitung.“ Künftig will er diese Dienstleistungen noch intensiver bei den Kunden bewerben, um bei Hardware und Software die Marktführerschaft anzustreben.

Nachfrage nach Fahrzeug-Vernetzung erwartet

Kurz- und mittelfristig erwartet Edag in Europa eine hohe Nachfrage aufgrund der stark wachsenden Elektromobilität und digitalen Vernetzung der Fahrzeuge. Allerdings sei der Preis- und Wettbewerbsdruck durch Werkverträge und langfristige Rahmenverträge sehr hoch, was vor allem kleineren Engineeringdienstleistern zusetzen wird.

Die größeren EDL wie Edag werden aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung ihre Leistungen verstärkt aus kostengünstigeren Staaten in Asien oder Südamerika erbringen. In Asien und Nordamerika sieht Edag finanzstarke Start-Ups mit E-Fahrzeugen als attraktives Marktumfeld, auch die Ankündigungen von GM und Ford zur E-Mobilität würden gute Chancen für EDL versprechen. In Asien erwartet De Cosimo ebenfalls eine robuste langfristige Nachfrage nach EDL-Dienstleistungen.

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Journalist