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Edscha/Gestamp Automoción Edscha-Karosserieprodukte: Eine Bestandsaufnahme

| Autor / Redakteur: Gerald Scheffels / Thomas Günnel

Vor zwei Jahren wurde die Edscha-Sparte Karosserieprodukte von Gestamp Automoción übernommen. Wie hat sich das Unternehmen seitdem aufgestellt, und welche Entwicklungsschritte hat der neue Eigentümer vorangetrieben?

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Edscha setzt erfolgreich auf die Fertigung von Scharniersystemen und Türfeststellern. Bei der Scharniermontage im Edscha-Werk in Hauzenberg kommen auch moderne Fertigungsroboter zum Einsatz.
Edscha setzt erfolgreich auf die Fertigung von Scharniersystemen und Türfeststellern. Bei der Scharniermontage im Edscha-Werk in Hauzenberg kommen auch moderne Fertigungsroboter zum Einsatz.
(Edscha)

Besitzerwechsel, Börsengang, Squeeze-out, Finanzinvestoren, Käufe und Verkäufe einzelner Unternehmensteile: In den Jahren ab 1997 gab es bei Edscha viel Unruhe. Den negativen Höhepunkt markierte Anfang 2009 ein Insolvenzverfahren. Seit April 2010 gehört der Karosseriebereich nun zur spanischen Gestamp Automoción, was die lang erhoffte Konstanz brachte. Denn mit Gestamp wurde ein Eigentümer gefunden, der langfristige Interessen verfolgt und mit dem Portfolio von Edscha seine Kompetenzen sinnvoll erweitert. Gleichzeitig kann Edscha von dem Netzwerk profitieren, das die Gestamp-Gruppe in den vergangenen Jahren aufgebaut hat und zu dem inzwischen 110 Produktionsstandorte in 24 Ländern gehören. Edscha allein weist schon beachtliche Zahlen auf: Das Unternehmen beschäftigt 4.400 Mitarbeiter und erzielte 2011 einen Umsatz von 690 Mio. €. In 11 Ländern gibt es insgesamt 19 Standorte, davon 14 Produktionsstätten.

Weiteres Werk in China geplant

Das Produktprogramm von Edscha gliedert sich in drei Geschäftsbereiche: Karosserieprodukte, Betätigungssysteme und angetriebene Systeme. Bei den Karosserieprodukten handelt es sich um Scharniersysteme und Türfeststeller. Hier ist Edscha zwar schon weltgrößter Lieferant, sieht aber durchaus noch Wachstumspotenzial: Im Fokus stehen die USA – mit dem Werk in Lapeer/Michigan – und China. Torsten Greiner, seit Juli 2011 Chief Executive Officer (CEO) der Edscha-Gruppe, führt dazu aus: „In Asien sind wir bereits mit vier Produktionsstätten präsent und erreichen mit den Scharnieren einen Marktanteil von rund zehn Prozent. Das wollen wir in den nächsten Jahren deutlich steigern und planen daher für das Jahr 2013 den Bau eines weiteren Werkes in China.“

Torsten Greiner, CEO von Edscha: "Wir investieren in diesem Jahr rund 50 Millionen Euro."
Torsten Greiner, CEO von Edscha: "Wir investieren in diesem Jahr rund 50 Millionen Euro."
(Edscha)

Zudem verfügt Edscha in Shanghai über ein Entwicklungszentrum, das im vergangenen Jahr deutlich erweitert wurde: „Dort sind heute rund 30 Mitarbeiter beschäftigt, die sich nicht nur mit Applikationen und der Lokalisierung von Produkten befassen, sondern auch mit eigenen Entwicklungen speziell für den chinesischen Markt“, erklärt Greiner. Neben den Global Players aus Europa gehören auch chinesische Hersteller wie Chery und Great Wall zu den Kunden von Edscha.

Profitable Geschäftsfelder

Das geplante Wachstum soll sich auch aus Neuentwicklungen speisen, die weitere Funktionen ins Scharnier einbringen – zum Beispiel den Fußgängerschutz. So ist die neue Mercedes-M-Klasse mit einem Frontdeckelscharnier von Edscha ausgerüstet. Beim Zusammenprall des Fahrzeugs mit einem Menschen hebt dieses die Motorhaube innerhalb von 40 Millisekunden um acht Zentimeter an. Dafür sorgt ein ins Scharnier integrierter pyrotechnischer Aktuator, der ein Scherblech zum Reißen bringt. Das System federt den Aufprall des Körpers auf die Motorhaube ab.

Edschas Schiebetürlösung für den VW Sharan: Jeweils drei Laufwagen lassen die Fahrzeugtür ruhig in ihren Laufschienen gleiten.
Edschas Schiebetürlösung für den VW Sharan: Jeweils drei Laufwagen lassen die Fahrzeugtür ruhig in ihren Laufschienen gleiten.
(Edscha)

Der Trend zur Schiebetür – ein Feld, in dem Edscha seit vielen Jahren tätig ist – hat dem Unternehmen ebenfalls neue Aufträge beschert. So fertigt das Werk Santander/ Spanien zum Beispiel die Schiebetürsysteme für den VW Sharan. Damit die Türen leise öffnen und schließen, müssen alle Komponenten äußerst exakt aufeinander abgestimmt sein. Die Synergie mit Gestamp als Experte für Umformtechnik und Karosserieteile soll Edscha dabei helfen, den Bedienkomfort nochmals zu optimieren. „Wir werden die Schiebetürsysteme künftig einschließlich der Laufschienen liefern. Auf diese Weise können wir die Geräusche minimieren und die Betätigungskräfte besser eingrenzen – und wir liefern ein komplettes System“, so Greiner.

Das Geschäftsfeld Betätigungssysteme bezieht sich auf komplette Pedalwerke und Handbremsen. Hier wird – auch getrieben durch die Forderung nach Leichtbau – immer häufiger Metall durch Kunststoff ersetzt. Deshalb hat Edscha das Know-how in der Kunststoffverarbeitung in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.

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