Toyota Yaris Cross Ein Kleinwagen macht auf SUV

Autor / Redakteur: Julia Mauritz / Sven Prawitz

Der japanische Hersteller mischt mit seinem jüngsten Nachwuchs jetzt auch im hart umkämpften B-SUV-Segment mit. Bei den Käufern punkten soll das Modell nicht nur mit seinem serienmäßigen Hybridantrieb.

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Der Yaris Cross Hybrid rollt am 18. September in den Handel.
Der Yaris Cross Hybrid rollt am 18. September in den Handel.
(Bild: Mauritz/»kfz-betrieb«)

Nie mehr langweilige Autos: Dieses Versprechen hatte Toyota-Firmenchef Akio Toyoda vor ein paar Jahren höchstpersönlich abgegeben. Und gerade bei der Yaris-Familie kommt es zum Tragen. Drei Mitglieder zählt diese mittlerweile: Zum dynamischen Kleinwagen Yaris und der Rennsemmel GR Yaris gesellt sich ab dem 18. September der niegelnagelneue SUV-Ableger Yaris Cross. Entwickelt wurde das 4,18 Meter lange Modell, bei dem vor allem die eckigen Radkästen ins Auge stechen, für die europäischen Kunden.

Die Preise für das B-SUV-Modell starten bei 22.690 Euro. Damit liegt der Yaris Cross preislich über volumenträchtigen Wettbewerbern wie dem VW T-Cross, dem Skoda Kamiq oder dem Ford Puma. Allerdings rollt er auch serienmäßig mit einem Hybridantrieb, einem stufenlosen Automatikgetriebe und einem kompletten Sicherheitspaket in den Handel.

Halbleitermangel drückt Absatzprognose

Vor dem Hintergrund der Lieferengpässe von Halbleitern will Toyota hierzulande bis zum Jahresende 3.800 Einheiten schaffen. Ab 2022 soll der Yaris Cross dann einen deutlich größeren Beitrag leisten, um die Verkaufszahlen von Toyota in Deutschland über die magischen 100.000 Einheiten zu heben. Von den insgesamt 30.000 bis 35.000 Yaris, die sich der Kölner Importeur für das kommende Jahr vorgenommen hat, sollen dann zwischen 10.000 und 15.000 auf das Konto des Cross gehen.

Das Zeug für einen Volumenbringer hat das speziell für europäische Kunden entwickelte City-SUV, das knapp 25 Zentimeter länger und knapp zehn Zentimeter höher ist als der Kleinwagen Yaris: Es tritt in einem boomenden Segment und mit dem aktuell sehr gefragten Hybridantrieb an. Das Design polarisiert weniger stark als beim CH-R. Zudem sticht der Yaris Cross in seiner Klasse mit mindestens 397 Litern Kofferraumvolumen und einigen Komfortelementen positiv heraus: Dazu zählt beispielsweise die Heckklappe, die sich per Fuß öffnen lässt.

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Was die Platzverhältnisse auf den Vordersitzen und im Fond angeht, ist das City-SUV mit voller Besetzung auf längeren Strecken sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig. Aber da das Heck nicht stark abfällt, fühlt sich der Innenraum gerade für ein B-Segment-SUV recht luftig an.

Vor allem Privatkunden im Visier

Rund 60 Prozent der deutschen Yaris-Cross-Käufer werden Privatkunden sein, schätzt Toyota. Folglich hat sich der Hersteller viele kleine Details einfallen lassen, die den Alltag vereinfachen. Beispielsweise gibt es zumindest für den Yaris Cross mit Frontantrieb ein Cargo-Paket. Mit diesem lässt sich der Einkauf im Kofferraum ordnen und festzurren. Ebenfalls pfiffig ist die flexible Kofferraumabdeckung, die sich zusammenfalten lässt, wenn man höhere Gegenstände verstauen muss. Selbst zwei Fahrräder lassen sich im Yaris Cross transportieren – allerdings ohne Vorderrad. Gut zu einem City-SUV passt auch das optional erhältliche, halbautonome Einparksystem. Der Einparkvorgang dauert dabei gerade einmal 30 Sekunden.

Das fahrerorientierte Cockpit ist analog zum Kleinwagen Yaris. Am auffälligsten ist das in der Mittelkonsole aufgesetzte Infotainmentsystem, das je nach Ausführung bis zu neun Zoll misst, und in dem man sich recht schnell zurechtfindet. In puncto Konnektivität ist Toyota mit Apple Car Play und Android Auto sowie verschiedenen Onlinefunktionen am Puls der Zeit. Irritierend auf der Testfahrt war lediglich, dass sich das Navigationssystem und die Echtzeit-Verkehrszeichenerkennung mit Blick auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit sehr oft uneins waren.

Was den Antrieb angeht, haben die Yaris-Cross-Käufer nicht die Qual der Wahl. Während es den Yaris auch mit Verbrenner gibt, ist das urbane SUV, zumindest in Deutschland, ausschließlich mit Hybridantrieb erhältlich. Toyota hat dazu einen Drei-Zylinder-1,5-Liter-Verbrenner mit einem Elektromotor kombiniert. Die Gesamtleistung beträgt 85 kW/116 PS. Untermotorisiert ist der Yaris Cross damit zwar nicht. Doch wer gerne sportlich fährt, ist mit dem City-SUV nicht optimal bedient: Es braucht mindestens 11,2 Sekunden, um von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Bei 170 km/h ist Schluss.

Frontantrieb oder intelligenter Allradantrieb

Erhältlich ist Toyotas jüngstes Modell wahlweise mit Frontantrieb oder einem intelligenten Allradsystem. Letzteres dient aber weniger dazu, den Yaris Cross geländegängig zu machen. Es soll vielmehr das Anfahren und Fahren bei rutschiger Straße ein Stück sicherer machen. Ob es sich dafür lohnt, mindestens 29.060 Euro auszugeben (knapp 3.000 Euro mehr als die vergleichbar ausgestattete Variante mit Frontantrieb), ist fraglich.

Verbrauchstechnisch macht das hybride City-SUV zweifelsfrei eine gute Figur. Bei der Testfahrt, die vor allem auf Landstraßen und im Stadtgebiet stattfand, lag der tatsächliche Verbrauch nahe am WLTP-Wert von 4,5 bis 5,2 Litern. Und auch wenn man ganz ohne zugeschalteten Verbrenner nur wenige Kilometer zurücklegen kann, muss man das Gaspedal nicht besonders vorsichtig bedienen, um im Yaris Cross gut 60 Prozent der Zeit elektrisch unterwegs zu sein.

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In puncto Fahrererlebnis kann das Modell vor allem mit seiner Fahrstabilität und dem agilen Handling punkten, die auf das Konto der hohen Karosseriesteifigkeit und des niedrigen Schwerpunkts gehen. Auch auf den häufig schlechten Fahrbahnbelägen machte das kleine SUV in Sachen Komfort eine ordentliche Figur. Das Gesamtpaket stimmt.

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