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Wirtschaft Eisenmann: 650 Mitarbeiter verlieren ihren Job

| Autor: Jens Scheiner

Die Corona-Pandemie hat den Verkauf des insolventen Anlagenbauers Eisenmann zu Nichte gemacht. Die Suche nach einem Investor für das Kerngeschäft blieb erfolglos.

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Der insolvente Anlagenbauer Eisenmann hat keinen Investor für sein Kerngeschäft des Lackieranlagenbaus gefunden.
Der insolvente Anlagenbauer Eisenmann hat keinen Investor für sein Kerngeschäft des Lackieranlagenbaus gefunden.
(Bild: Eisenmann)

Der Insolvente Anlagenbauer Eisenmann mit Stammsitz in Böblingen bei Stuttgart findet keinen Investor für sein Kerngeschäft, den Bau von Lackieranlagen. Damit verlieren rund 650 Mitarbeiter ihren Job, sollen aber zunächst in einer Qualifizierungsgesellschaft aufgefangen und für drei Monate weiterbeschäftigt werden.

Der Verlauf des Verkaufsprozesses der Eisenmann-Gruppe hat eine schon fast tragische Dimension.

Mitte Februar 2020 waren bereits sämtliche Verträge sowie der Kaufpreis für die gesamte Eisenmann-Gruppe verhandelt; die Unterschriften sollten im Frühjahr erfolgen. „Ohne die Corona-Pandemie befände sich die Eisenmann-Gruppe bereits im Besitz eines Investors, und ein Großteil der Arbeitsplätze wäre gerettet,“ ist sich Joachim Exner, Insolvenzverwalter von Eisenmann sicher.

Im Mai hatte sich dann abgezeichnet, dass ein komplett Verkauf des Anlagenbauers aufgrund der Corona-Pandemie unmöglich sei. Stattdessen wurde parallel ein alternatives Veräußerungskonzept verfolgt, mit dem die Eisenmann-Geschäftsbereiche auch einzeln angeboten wurden. Vier Tochterunternehmen und Geschäftsbereiche seien bereits verkauft, für weitere liefen derzeit Gespräche.

Diese Tochterunternehmen und Geschäftsbereiche sind gerettet

  • Anfang August wurde die Eisenmann Software-Tochtergesellschaft Enisco auf die Firma Forcam, ein Unternehmen des SAP-Gründers Dietmar Hopp, übertragen, die rund 50 Enisco-Mitarbeiter weiterbeschäftigt.
  • Am 7. August wurde der Kaufvertrag für die Eisenmann Conveyor Systems unterzeichnet. Der Bereich konstruiert und baut Hochleistungs-Materialflussanlagen. Der Käufer bietet rund 70 Mitarbeitern eine neue Zukunft.
  • Für die Geschäftsbereiche Application Technology (Oberflächenveredlung und Dichtungsanwendung in Lackieranlagen; etwa 100 Mitarbeiter in Deutschland) und Environmental Technology (industrielle Umwelttechnologie; rund 50 Mitarbeiter in Deutschland) befinden sich die Verkaufsgespräche in einem fortgeschrittenen Stadium. Zum Stand oder zu Details der laufenden Investorenprozesse gibt es aufgrund gegenseitiger Verschwiegenheitsverpflichtungen keine öffentlichen Informationen.
  • Bereits im Januar 2020 konnte Exner den Geschäftsbetrieb der Eisenmann Thermal Solution mit rund 200 Mitarbeitern an die Firma Onejoon veräußert. Die nicht von der Insolvenz betroffene Tochtergesellschaft Eisenmann Inec wurde ebenfalls im Januar an das Unternehmen Sames Kremlin verkauft. Dadurch konnten weitere 85 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

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 Jens Scheiner

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Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE