Suchen

Ladeinfrastruktur Europa-Pläne: Chargepoint kooperiert mit TSG

| Autor: Svenja Gelowicz

Kürzlich verkündeten einige OEMs erste konkrete Pläne ihres Joint Ventures Ionity, heute (9. November) geben Chargepoint und TSG eine Kooperation bekannt: Der Wettbewerb um die Infrastruktur für E-Mobilität scheint an Fahrt aufzunehmen. Wie Chargepoint den Europa-Markt erobern will.

Firma zum Thema

Chargepoint kooperiert mit TSG – und will so den Europa-Markt bei Infrastruktur für E-Mobilität erobern.
Chargepoint kooperiert mit TSG – und will so den Europa-Markt bei Infrastruktur für E-Mobilität erobern.
(Bild: Sam Willard )

Er ist seit November offiziell im Amt: Christopher Burghardt, Ex-Head of Policy EMEA bei Uber, leitet erst seit wenigen Tagen das Europageschäft von Chargepoint; und heute verkündet er einen der bislang wichtigsten Schritte für die Europa-Pläne des US-amerikanischen Ladeinfrastrukturriesen. Chargepoint kooperiert mit der Technical Service Group (ehemals Tokheim), einem führenden Ausrüster und Dienstleister für Energieverteilungsnetzwerke, Bürokomplexe, Einkaufszentren und Parkhäuser – also einem Anbieter von genau der Infrastruktur, an die Chargepoint seine Ladestationen verkaufen will.

Denn: Chargepoint denkt abseits der klassischen Vertriebsstrukturen wie Tankstelle und Co. „TSG hat in Europa ein breites Netzwerk, das uns ein schnelles Wachstum ermöglicht. Die Ladepunkte müssen überall dort sein, wo Menschen leben und arbeiten“, so Burghardt im Gespräch mit »Automobil Industrie«. Das erklärte Ziel sei es, die E-Mobilität für Nutzer so einfach wie möglich zu machen.

Bildergalerie

Chargepoint baut auf die Infrastruktur von TSG

Chargepoint, das sich selbst mit Uber oder Airbnb für E-Auto-Charging vergleicht, betreibt keine der Ladestationen selbst, sondern verkauft die Stromzapfsäulen samt Software an andere Unternehmen – und kann nun das „On-the-ground-Netzwerk“ von TSG nutzen. Der Europa-Chef: „Diese Zusammenarbeit bietet uns die Möglichkeit, einfach und schnell skalieren zu können. Durch TSG erhalten wir Zugang zu den Geschäftsbereichen, die wir für unsere Ziele brauchen.“

Die Vereinbarung beinhaltet den Bau, die Installation und die Wartung von Ladestationen sowie eine Vertriebspartnerschaft, und die Partner konzentrieren sich zunächst auf die Kernmärkte Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien. „Diese Länder machen aktuell 70 Prozent des Marktes aus“, so Burghardt.

Beide Partner bringen dafür wohl genug Expertise mit: Bislang gibt es über 42.000 Chargepoint-Ladepunkte – hauptsächlich in Nordamerika –, und TSG versorgt 100.000 Tankstellen in 22 Ländern in ganz Europa.

Und da die EU-Kommission gerade ihre Klimaziele verschärft und EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete am Dienstag (7. November) verkündet hat, den Ausbau von Stromtankstellen für E-Autos mit 800 Millionen Euro zu fördern, ist der Zeitpunkt der Partnerschaft gut gewählt. Chargepoint sagt dazu auf Nachfrage, dass sich das Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit dem EU-Parlament freue.

UK-Start-up Instavolt

In Deutschland sind bislang noch keine Stationen installiert, ein bisschen weiter sind die Unternehmer aus dem Silicon Valley in Großbritannien: Dort arbeiten sie mit Instavolt zusammen, einem Start-up, das sich ebenfalls als Anbieter in den Markt der Ladesysteme einreiht – und dort würden aktuell die ersten Ladestationen ans Netz gehen. Dieser Schritt sei in Deutschland für Anfang des nächsten Jahres geplant.

Ionity: Kooperation oder Konkurrenz?

Chargepoint hat im Frühjahr in einer Finanzierungsrunde 82 Millionen US-Dollar eingesammelt und unter anderem Daimler, BMW i-Ventures und Siemens als Investoren gewonnen. Die Geldgeber Daimler und BMW sind neben VW mit Porsche und Audi sowie Ford im Ladeinfrastruktur-Gemeinschaftsunternehmen Ionity – und das passt laut Burghardt zusammen.

„Der Markt ist enorm groß. Für uns ist es wichtig, dass es viele industrielle Partnerschaften gibt. So hilft man sich gegenseitig beim Wachsen“, so Christopher Burghardt. Chargepoint sei ebenfalls auf Kooperationen bedacht – vielleicht auch mit Ionity. Er sieht in den verschiedenen Phasen der Partnerschaft Möglichkeiten für sein Unternehmen, daran als Zulieferer teilzunehmen: „Ionity ist eher eine Geschäftsmöglichkeit als eine Konkurrenz.“

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44992138)

Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Redakteurin Wirtschaft und Mobilität