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Fahrbericht BMW X6: Neue Provokation

| Autor/ Redakteur: Jens Meiners / Thomas Günnel

Für klassische Sportlichkeit ist bei BMW die M GmbH zuständig; die Sub-Marke i definiert sich über Elektro- und Hybridfahrzeuge und neue Designs. Das dritte Standbein sind die geländetauglichen X-Modelle – dessen extremster Vertreter, der coupéhafte X6, jetzt in seiner zweiten Modellgeneration auf den Markt kommt.

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BMW bringt die zweite Generation des Allradlers X6 auf den Markt. Was er besonders gut kann, ist die öffentliche Zurschaustellung der finanziellen Potenz seines Besitzers. Kein Wunder, dass der X6 so manchem Kritiker als reine Provokation gilt.
BMW bringt die zweite Generation des Allradlers X6 auf den Markt. Was er besonders gut kann, ist die öffentliche Zurschaustellung der finanziellen Potenz seines Besitzers. Kein Wunder, dass der X6 so manchem Kritiker als reine Provokation gilt.
( Foto: BMW )

Im Grunde ist der X6 konzeptionell aus der Zeit gefallen. Das 4,91 Meter lange und fast zwei Meter breite SUV ist länger und breiter als der X5, bietet aber weniger Platz. Die Karosserie ist so unübersichtlich, dass der Wagen ohne Unterstützung zahlreicher Kameras in engen Straßen kaum zu dirigieren ist. Und seine Geländetauglichkeit ist angesichts der Nutzerprofile die reine Kür. Was er besonders gut kann, ist die öffentliche Zurschaustellung der finanziellen Potenz seines Besitzers. Kein Wunder, dass der X6 so manchem Kritiker als reine Provokation gilt.

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Besserer cW-Wert

Dabei gibt sich BMW alle Mühe, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mit optimierten Motoren und dem weiter verbesserten ZF-Achtgang-Automaten sowie einem von 0,35 auf 0,32 abgesenkten cW-Wert ist es gelungen, die Verbräuche um bis zu 20 Prozent zu reduzieren. Der 190 kW/258 PS starke X6 xDrive 30d mit Dreiliter-Turbodiesel gibt sich im Zyklus mit ganzen 6,0 Litern pro 100 Kilometer zufrieden; noch beeindruckender sind die 6,6 Liter, die der 280 kW/381 PS starke X6 xDrive M50d mit seinem Triturbo-Diesel konsumiert. Knapp zehn Liter verbraucht der 330 kW/450 PS starke X6 xDrive 50i mit 4,4-V8-Biturbo – auch dies im recht optimistischen Zyklus.

M50d mit drei Turboladern

Die Varianten besitzen durchaus eigenständigen Charakter. Der mit Unterstützung der M GmbH entwickelte M50d surft auf einer gewaltigen Drehmomentwelle von bis zu 740 Newtonmetern und dreht für einen Diesel ungewöhnlich frei nach oben heraus. Trotz der komplexen Aufladung mit drei Turboladern benötigt er noch immer eine kurze Gedenksekunde, bis er schließlich nach vorne stürmt. Deutlich spontaner spricht der 50i an; er bietet zudem nochmals bessere Fahrleistungen und einen unvergleichlichen Klang. Die Kehrseite ist sein Konsumgebaren; im 50i dürfte es am schwierigsten sein, den ohnehin deutlich höher angegebenen Normverbrauch zu erreichen. Wer einen ambitionierten Fahrstil pflegt, dürfte die Tankstelle doppelt so häufig ansteuern wie beim Diesel; in Europa dürften sich deshalb die wenigsten Kunden für den V8 entscheiden.

Zumal das Topmodell kurz vor der Einführung steht: Der kommende X6 M wird aus dem gleichen Basismotor bei kaum höheren Verbrauchswerten rund 580 PS holen. Wer einen V8-Benziner fahren möchte, dürfte also nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ gleich für die M-Variante optieren. Was es erst einmal nicht mehr geben wird, ist übrigens eine Hybrid-Variante. Der Öko-Antrieb ist beim Vorgänger glatt durchgefallen.

Gutes Raumgefühl und praktische Features

Das Fahrwerk kommt mit der gebotenen Leistung locker klar – jedenfalls dann, wenn die dynamische Dämpferregelung und die aktive Wankstabilisierung verbaut sind. Bei entsprechendem Leistungseinsatz lassen sich sogar Drifts provozieren, wobei sich die Stabilitätskontrolle nicht komplett abschalten lässt. Die elektromechanische Servolenkung agiert präzise und leichtgängig – und gibt ausreichend Rückmeldung. Das großzügige Raumgefühl, der vergrößerte Kofferraum und zahlreiche praktische Features, etwa die in fünf Stufen fixierbare automatische Heckklappe, dürften nicht nur bei Besitzern des Vorgängermodells für Aha-Erlebnisse sorgen. Und das X6-Interieur profitiert von den anspruchsvollen Connectivity-Funktionen und einem neuen Armaturenbrett, das aus dem X5 stammt.

Mehr Ähnlichkeit zum X5

Vom X5 kommt übrigens auch der Vorderwagen mit Haube, Kotflügeln, Scheinwerfern und der voluminösen Doppelniere. Beim Vorgänger waren die Schwestermodelle stärker ausdifferenziert – die Kunden, sagt BMW, haben das jedoch nicht honoriert. Und so wirkt der X6, auch wegen des Stummelhecks und der weniger starken Betonung der Vertikalen, insgesamt konventioneller als der Vorgänger. Hoffentlich nimmt das die Kundschaft nicht übel – kann man ihr doch nach Aussage eines BMW-Managers im Vergleich zum Durchschnittskunden „eine etwas höhere Persönlichkeitsausprägung attestieren.“

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