Neue Modelle

Fahrbericht Borgward BX7: Ein Neuanfang

| Autor / Redakteur: Norbert Giesen / Svenja Gelowicz

In China sind schon rund 100.000 Borgward-Modelle als BX5 und BX7 unterwegs. Nun kann man sie auch in Deutschland fahren.
In China sind schon rund 100.000 Borgward-Modelle als BX5 und BX7 unterwegs. Nun kann man sie auch in Deutschland fahren. (Bild: Borgward)

Nach sechs Jahrzehnten kehrt Borgward auf den deutschen Markt zurück. Eine Testfahrt mit dem limitierten SUV BX7 TS.

Borgward ist wieder auf dem deutschen Markt: Für viele ist die Marke nur Geschichte, für andere hat sie Geschichte geschrieben. Die legendäre Isabella war im Wirtschaftswunder der Deutschen erfolgreich und höchst begehrenswert. Höher positioniert als Ford und Opel, technisch auf Augenhöhe zu BMW und in Rufweite zu den Mercedes-Modellen der damaligen Zeit galt die Marke mit dem charakteristischen Rhombus als Alternative für Fahrzeuge mit Stern oder Niere und hob sich deutlich ab vom automobilen Einerlei der Volumenmarken Ford und Opel.

Das Aus kam Anfang der Sechziger: Der Firmeneigner Carl F. W. Borgward hatte sich modellpolitisch mit der Spreizung vom Kleinwagen Lloyd bis hin zum großen Borgward P 100 verzettelt, der grandiose Konstrukteur brachte technische Innovationen zu früh auf den Markt, die sich als anfällig erweisen sollten.

Borgward BX7: limitiertes Sondermodell startet

Die Zukunft soll ein neues Kapitel schreiben: Mit dem Borgward BX7 setzt das Unternehmen auf das weltweit wachsende Segment der SUV, er ist um fünf Zentimeter länger als ein Q5 von Audi, auch beim Radstand verzeichnet er ein kleines Plus. Eine stattliche Erscheinung also – mit einer hohen Wertanmutung: „Potenzielle Kunden schätzten den Preis auf 60.000 Euro“, so Gerald Lautenschläger, Executive Director Europe Operations.

Tatsächlich erinnert der BX7 TS eher an deutsche Premium-Produkte als an irgendeinen Billigheimer. Das limitierte Sondermodell, mit dem Borgward ab sofort an den Start geht, bietet beinahe alles serienmäßig, was sich insbesondere deutsche Hersteller teuer bezahlen lassen: etwa Panoramadach, Matt-Lackierung, 18 Zöller und ein großes Navi mit 12,3-Zoll-Bildschirm. Eine Lederausstattung, ein Soundsystem mit zehn Lautsprechern sowie ein Automatik-Getriebe runden das Komplettangebot ab.

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Borgward-Marktstart mit E-Commerce und ATU

„Erschwinglicher Luxus“ - so bezeichnen die Borgward-Mannen die Marken-Philosophie. Neben dem Kampfpreis von 44.200 Euro kommt eine Garantie von vier Jahren oder 120.000 Kilometern hinzu. Und aus der Not, kein eigenes Servicenetz aufbauen zu können, macht Borgward eine Tugend: „Aus dem Stand heraus kümmern sich 577 ATU-Filialen um die Wartung und den Service“, so Lautenschläger.

Das hat für Kunden Kostenvorteile: Der Verrechnungssatz für die Arbeitsstunde liegt um 20 Prozent unter denen herkömmlicher markengebundener Händlerbetriebe. 30 speziell geschulte Servicestationen und acht technische Kompetenzzentren sichern dabei auch die Qualität für eventuell komplexere Fälle ab. Eine spezielle Service-Card weist den Borgward-Besitzer als VIP-Kunden aus, dem schnell und kompetent geholfen wird, so der Plan. „Wir wollen, dass ein Kundenwunsch Realität wird: Keine längere Anfahrt als 20 Minuten oder nicht weiter als 20 Kilometer zur nächsten Service-Station“, so Tom Anliker, Senior Vice President Marketing, Sale & Service der Borgward AG.

Der Online-Direktvertrieb flankiert die Ideen: „Heute informieren sich Kunden mehr denn je über das Internet ausführlich über ihr Wunschfahrzeug. Was wir sicher stellen wollen: Probefahrten. Dazu braucht es keine teuren Showräume“, so Anliker. Er setzt auf eine intelligente Verknüpfung von Online- und Offline-Aktivitäten. Probefahrtzentren, mobile Verkaufsteams und innovative Geschäftsmodelle mit potenziellen Partnern stehen dabei im Vordergrund.

Eine Testfahrt mit dem Borgward BX7 TS Limited Edition

Während in China schon rund 100.000 Borgward-Modelle als BX 5 und BX 7 unterwegs sind, stehen in der Nähe der Unternehmenszentrale in Stuttgart eine Handvoll Borgward BX7 TS Limited Edition zu ersten Testfahrten bereit. Auffällig: Die Karosserie ist präzise gefertigt, ihre Spaltmaße beeindruckend. Hinter dem Lenkrad findet man sich auf Anhieb zurecht: Die Bedienung ist intuitiv, alle Schalter liegen dort, wo man sie vermutet. Die wertige Innenausstattung lässt kaum Wünsche offen. Das Navi mit dreidimensionaler Darstellung stammt von Tom Tom, baut sich aber nur langsam auf. Einmal in Fahrt, ist es ausreichend schnell und genau.

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Unter der Haube arbeitet ein 2.0 Liter Turbo-Benzin-Direkteinspritzer mit 165kW/224 PS. Sein höchstes Drehmoment von 300 Nm entwickelt er bereits ab 1.500 Touren und hält es bis 4.500 – eine Drehzahl, die man aber aus Akustikgründen eher vermeidet. Angesichts eines Leergewichts von 1.854 kg ist der allradgetriebene Borgward eher ein Cruiser und kein Racer: von Null auf Tempo 100 benötigt er 9,4 Sekunden, das Höchsttempo liegt bei 208 km/h. Noch ist das Fahrzeug mit der Abgasnorm 6b unterwegs, ab September wird er die dann aktuelle Abgasnorm 6dTemp erfüllen.

Trotz seiner Größe wirkt das Auto handlich, die Lenkung ist dabei leichtgängig, vermittelt aber die nötige Rückmeldung. „Stressfrei unterwegs“ könnte als Motto im Lastenheft der Ingenieure gestanden haben – und das vermittelt der Borgward aus allen Poren. Vor allem sein Fahrwerk bügelt Unebenheiten glatt, die Abrollgeräusche sind gut gedämmt und vom Motor ist im mittleren Drehzahlbereich wenig zu hören.

Lediglich das 6-Stufen-Automatikgetriebe wirkt zuweilen etwas hektisch und schaltet zu voreilig zurück, selbst wenn das Auto nur wenige Höhenmeter vor sich hat. Trotzdem: Es ist die Selbstverständlichkeit, mit dem der Borgward zu Werke geht. Seine Karosserie ist stabil wie eine Burg, die Torsions- und Biegesteifigkeit ist von höchster Güte. Nichts knistert oder klappert am routiniert gefertigten Innenraum.

Neue Player betreten den Markt

Mit Prognosen tun sich derzeit auch politische Meinungsumfragen schwer. Prognosen hinsichtlich des Markterfolgs einer neuen Automobil-Marke zu wagen ist noch schwieriger. Aber die Voraussetzungen sind ungleich besser als noch vor wenigen Jahren. Das Vertrauen in Traditionsmarken ist gesunken. Die Transformation in der gesamten Automobilbranche in vollem Gange. Und neue Player betreten das Spielfeld.

Daraus könnte eine Marke wie Borgward Kapital schlagen: Unbelastet von der jüngsten Vergangenheit, genügend Heritage aus fast vergessenen Zeiten sowie Mut für innovative Vertriebsideen könnten einen Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen.

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