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Fahrbericht C-Klasse: Schutzengel serienmäßig

| Autor/ Redakteur: Tina Rumpelt / Thomas Günnel

Die neue C-Klasse ist die größte bisher – und die, die seit der „Geburt“ des Baby-Benz 1982 dem großen Bruder E-Klasse technologisch am nächsten steht. „Die Wertanmutung der neuen C-Klasse fühlt sich an wie ein Upgrade auf eine höhere Klasse“, formuliert es Mercedes-Benz. Doch wo bleibt dann die E-Klasse?

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Die neue C-Klasse ist die größte bisher – und die, die seit der „Geburt“ des Baby-Benz 1982 dem großen Bruder E-Klasse technologisch am nächsten steht. Seit 15. März steht die Neuauflage bei den Händlern.
Die neue C-Klasse ist die größte bisher – und die, die seit der „Geburt“ des Baby-Benz 1982 dem großen Bruder E-Klasse technologisch am nächsten steht. Seit 15. März steht die Neuauflage bei den Händlern.
(Foto: Daimler)

Es kostet Nerven. Richtig viel Nerven. Bei einem Fahrversuch auf einer Erprobungstrecke machen wir das, was einem im realen Verkehr nicht in den Sinn kommen würde: Mit einem schnieken, nagelneuen Auto schnurstracks auf den Vordermann zuhalten – ohne zu lenken, ohne zu bremsen. Beschleunigen auf 50 km/h, Speed halten, die Hände ruhig am Lenkrad. Der Bremsfuß zuckt. Nicht bremsen! Nicht bremsen!! Der Kopf will anders. Der rechte Fuß auch.

Noch zehn Meter bis zum Vordermann, noch fünf, noch drei. Nicht bremsen!!! Besser: Augen zu. Es piepst laut. Ein paar Mal, schnell hintereinander. Der Gurtstraffer geht zu Werke. Stillstand. Das Auto steht. Die Haube der neuen C-Klasse scheint am Auto vor uns zu kleben. Puh. Viel Platz ist nicht geblieben zwischen unserem Testwagen und der in knallroter Plastikfolie verpackten Autoattrappe aus Schaumstoff.

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Autonome Bremsassistent

Gebremst – und im Ernstfall einen Unfall verhindert – hat die C-Klasse. Alle Fahrzeuge der neuen Modellreihe, die seit vergangenem Samstag (15. März) bei den Händlern steht, werden mit dem Fahrerassistenzsystem „Collision Prevention Assist Plus“ ausgerüstet – und zwar serienmäßig. „Collision Prevention Assist“ (ohne Zusatz „Plus“) mit adaptiven Bremsassistenten, die bereits ab sieben km/h den Fahrer bei einer Vollbremsung unterstützen gibt es bei Mercedes-Benz schon länger. Das „Plus“ steht für eine zusätzliche Funktion: Bei anhaltender Kollisionsgefahr und wenn der Fahrer nicht reagiert, auch dann nicht, wenn der ziemlich laute Piep-Warnton ertönt, dann leitet das System eine autonome Vollbremsung ein.

C-Klasse mit Oberklasse-Extras

Mercedes-Benz auf der Überholspur – kein anderer Hersteller offeriert bislang ein solches System serienmäßig im Segment der Mittelklasselimousinen. Das ist bislang „Stoff“ für höhere Klassen à la S-Klasse, für die das Kollisionsschutzsystem auch erst seit ein paar Monaten geordert werden kann. Als Extras gibt es in der C-Klasse Oberklasse-Ware zuhauf: „Distronic Plus“ mit Lenk-Assistent und Stop&Go-Pilot, Brems- und Spurhalte-Assistent, einen aktiven Parkassistent, der das Auto in Längs- wie Querparklücken manövriert, eine Verkehrszeichen-Erkennung und Falschfahr-Warnfunktion, dazu Head-up-Display.

Und: die erste Luftfederung (Airmatic) in dieser Klasse. Mit all diesen technischen Features und Raffinessen soll die C-Klasse zum Überholen ansetzen. Denn hinter dem BMW 3er muss sich die Stuttgarter Mittelklasselimousine auf Platz zwei begnügen. Das soll sich ändern und zwar schnell.

Serienanlauf in Bremen, East London, Tuscaloosa und Peking

Ola Källenius, Bereichsvorstand Mercedes-Benz Cars Vertrieb, ist voller Optimismus, das Segment in 2015 gehörig aufzumischen. Zunächst muss jedoch das Anlaufjahr 2014 bewältigt werden – mit Serienanläufen an vier Standorten auf vier Kontinenten binnen sechs Monaten: in Bremen, im Werk East London in Südafrika, in Tuscaloosa/USA sowie in Peking (ausführliche Berichte zu Produktentwicklung, Leichtbau und Produktion finden Sie in der März-Ausgabe der »Automobil-Industrie«). Konkrete Planzahlen für Produktion oder Absatz lässt sich Källenius nicht entlocken, aber die bisherige Marke von 300.000 C-Klasse-Fahrzeugen, die 2013 weltweit produziert wurden, soll 2015 auf alle Fälle geknackt werden.

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Marktanalysten wie IHS Automotive trauen der C-Klasse weltweit ein jährliches Volumen von bis zu 400.000 Fahrzeugen zu. Dann geht es aber nicht mehr nur um die Limousine, die jetzt an den Marktstart ging. T-Modell, Cabrio und weitere Derivate werden folgen, ebenso weitere interessante Motorisierungen. Ab September wird es die C-Klasse auch mit 4Matic-Allradantrieb geben. Von der AMG-Version mit Biturbo-V8 unter der Haube kursieren bereits Erlkönig-Fotos.

Vier- und Sechszylinder von 115 bis 333 PS

Aktuell offeriert Mercedes-Benz für die C-Klasse-Limousine 2,2-Liter BlueTEC-Dieselmotoren (85 kW/115 PS bis 150 kW/204 PS) sowie Vierzylinder-Benziner mit 115 kW/156 PS bis 180 kW/245 PS. Alle Motoren, Diesel wie Benziner, erfüllen die Euro-6-Emissionsgrenzwerte. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen sei der Verbrauch bei der neuen C-Klasse um bis zu 20 Prozent gesunken, erläuterte Källenius anlässlich der Fahrvorstellung.

Beim Marktstart fehlt noch der 333 PS starke Sechszylinder. „Diesen Motor werden wir zum Start der neuen C-Klasse in den USA anbieten“, erläutert Källenius. Warum Mercedes zunächst mit den kleinen Motoren an den Start gehe, begründet der Vertriebsvorstand mit Blick auf das Volumen: „Wir beginnen mit den Motorisierungen, die am stärksten nachgefragt werden.“

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Diesel- und Benzin-Hybride

Im Herbst wird zudem ein Dieselhybrid folgen. Der C 300 BlueTec Hybrid mit Vierzylinder-Dieselmotor und E-Maschine leistet 150 + 20 kW (204 + 27 PS) und verbraucht im NEFZ-Zyklus 3,6 Liter Kraftstoff. Das entspricht 94 Gramm CO2 auf 100 Kilometer. Für die bislang nicht diesel-affinen Märkte wie die USA und China ist ein Plug-in-Hybrid mit Otto-Motor in Vorbereitung. Der C 350 Hybrid wird 155 + 50 kW (204 + 27 PS) Leistung auf die Straße bringen.

„Globalisierung“ der C-Klasse

Wenn Ola Källenius auf den Pilotensitz der neuen C-Klasse Platz nimmt, dann merkt man schnell, da ist ein echter „car guy“ am Werk. Autos sind seine Profession, seit er 1993 bei der damaligen Daimler-Benz AG an Bord ging. Vor seiner Berufung in den Mercedes-Bereichsvorstand war er knapp vier Jahre lang Chef der Mercedes-AMG GmbH, der Schmiede der Stärksten mit Stern. Über die Zukunft der C-Klasse in den USA redet er heute besonders gern. Er war dort lange zuhause. Von 2006 bis 2010 leitete er das Mercedes-Werk in Tuscaloosa, in dem in wenigen Wochen das erste Kundenfahrzeug der neuen C-Klasse vom Band rollen wird. Er freut sich über die „Globalisierung“ der C-Klasse.

In den USA will Mercedes-Benz mit der neuen C-Klasse gezielt auch bei jüngeren Kunden und Frauen punkten. Ein großer Bonus: Die C-Klasse gibt es jetzt auch „made in the US“. Das mögen die amerikanischen Kunden. Im Jahr 2013 setzte Mercedes-Benz knapp 90.000 C-Klasse-Modelle in den USA ab. Im Werk Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama, für das neue Modell aufwändig erweitert, ist Platz für mehr. Viel mehr.

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In den Fußstapfen des CLA

Die C-Klasse soll auf dem nordamerikanischen Markt in die Fußstapfen des CLA treten: Mercedes-Benz fährt Sonderschichten, um die Nachfrage nach dem kompakten Coupé zu erfüllen. Die CLA-Kunden sind durchschnittlich um rund zehn Jahre jünger als das angestammte Mercedes-Benz-Klientel in den USA. Und noch dazu holt das CLA-Coupé bei acht von zehn Verkäufen Neukunden zur Marke mit Stern.

Und wo bleibt die E-Klasse?

Wo bleibt die E-Klasse?, lautet die Frage eingangs. Es wird sicher manchen bisherigen E-Klasse-Kunden geben, der auf das kleinere C-Klasse-Modell umsteigt. Doch das macht Källenius keine Sorge: „Hauptsache, er ist bei Mercedes-Benz und mit seinem Mercedes glücklich.“ Und die nächste E-Klasse-Generation steht ja schließlich auch schon in den Startlöchern. 2016 wird es soweit sein. Sie teilt sich mit der neuen C-Klasse die modulare Heckantriebs-Architektur MRA, auf der beide Fahrzeugreihen aufbauen.

C- und E-Klasse-Entwicklung liegen in der Hand eines gemeinsamen Projektteams. Dieses wird sicher mit zahlreichen weiteren Innovationen dafür sorgen, dass die künftige E-Klasse seine Kunden findet, auch solche, die für die große Limousine dann die kleine Limousine vom Typ W 205 stehen lassen.

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