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Fahrbericht Fiat Panda Trussardi: Endlich auch schön sein

| Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Jens Scheiner

Spöttern gilt der Fiat Panda als unattraktiver Zwilling des 500. Das zeigt sich auch in den Verkaufszahlen: Während der 500 ein Renner ist, fristet der Panda ein unauffälliges Dasein. Mit der Trussardi-Version will Fiat dem Modell mehr Glanz verleihen. Wir haben getestet, ob das gelingen könnte.

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Fiat hat sich mit dem Designer-Label Trussardi zusammengetan, um den Panda ein Stück weit aufzuhübschen.
Fiat hat sich mit dem Designer-Label Trussardi zusammengetan, um den Panda ein Stück weit aufzuhübschen.
(Bild: Sven Prawitz/»Automobil Industrie«)

Spricht man von Fiat, denken die meisten wohl direkt an 500. Der Kleinstwagen ist und bleibt ein Renner, in Deutschland war er 2019 mit 37.503 Neuzulassungen mit Abstand der Bestseller im Mini-Segment. Bei solchen Werten gerät schnell in Vergessenheit, dass es mit dem Panda einen vermeintlich praktischeren Kleinstwagen in den Reihen der Italiener gibt. Spöttisch könnte man auch sagen, er ist der biedere Zwilling im Schatten des 500. Diese These belegen beispielsweise nicht einmal 8.000 Neuzulassungen in Deutschland im vergangenen Jahr.

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Nun ist es für das Innenleben einer Familie selten gut, wenn ein Mitglied das Rampenlicht für sich exklusiv beansprucht. Was also mit dem Panda anstellen? Bei Fiat ist man offensichtlich zu dem Schluss gekommen, dass etwas Unterstützung in Sachen Style und Esprit nicht schaden könne. Und so haben sich die Turiner mit dem Designer-Label Trussardi zusammengetan, um den Panda ein Stück weit aufzuhübschen.

Sichtbar wird das vor allem am Trussardi-Logo – einem Windhund – das beispielsweise auf dem Lenkrad, der hinteren Seitenscheibe und den Nabenkappen der Leichtmetallräder prangt. Den Style-Aspekt sollen zudem die Komfortledersitze betonen. Mit ihren Kontrastnähten erinnern sie nach Ansicht des Herstellers optisch an ein Kleid. Offen gesagt: Hätten wir das im Zuge unserer Recherchen für diesen Bericht nicht gelesen, wäre es uns wohl kaum aufgefallen.

Doch das ist auch nicht weiter schlimm, denn wichtiger als die Optik ist bei Sitzen ja bekanntlich – richtig – das Sitzen. Und das passt. Auch ansonsten können sich Fahrer und Passagiere im Inneren des Panda Trussardi durchaus wohlfühlen. So lässt sich das Auto beispielsweise bis zu einer Geschwindigkeit von rund 160 km/h angenehm ruhig fortbewegen. Die 69 PS, die der 1.2-Liter-Vierzylinder-Benziner bereitstellt, sind zwar keine Macht, für die Größe des Panda aber voll ausreichend. Auch der Verbrauch geht mit rund sechs Litern – bei ausgedehnten Autobahnfahrten – in Ordnung.

Infotainment lässt zu wünschen übrig

Zu einem stylischen Auftritt gehört in heutigen Auto-Zeiten allerdings auch das Thema Infotainment. Die Wahl der hier von Fiat eingesetzten Mittel überrascht beim Blick auf das Gesamtkonzept ein Stück weit. Denn während der Hersteller ansonsten wie erwähnt großen Wert auf eine Designer-Anmutung gelegt hat, gilt dies in jenem Bereich definitiv nicht. Sicher, der technische Schnickschnack ist Geschmackssache, besonders schick kommt die Infotainment-Einheit mit viel Hartplastik und ohne größeres Display aber definitiv nicht daher. Wer mehr als Radio hören will, ist komplett auf sein Smartphone angewiesen.

Immerhin: Dafür hat Fiat auf dem Armaturenbrett eine Halterung mit USB-Port angebracht. Auch die drahtlose Verbindung via Bluetooth funktioniert. Wirklich zeitgemäß wirkt das System allerdings nicht. Damit steht der Panda auch in seiner „Luxus-Version“ im Schatten des Fiat 500, den es bereits zu einem geringeren Preis mit Display und Funktionen wie Apple Carplay gibt.

Klar, der 500 richtet sich eher an junge Kunden, bei denen derartige Features stärker ins Gewicht fallen, als der Panda, der eher die Familienkutsche im Pocket-Format mimt. Dennoch könnte man für den aufgerufenen Preis der Trussardi-Edition – mindestens kostet das Auto 15.400 Euro, unser Testwagen lag bei 17.070 Euro – zumindest halbwegs zeitgemäße Infotainmentausstattung erwarten. Und so lautet unser Fazit: Der aufgehübschte Fiat Panda fährt sich grundsolide, dass er ansatzweise aus dem Windschatten des Fiat 500 heraussteuern kann, bezweifeln wir aber. Vielleicht bekommt er dazu allerdings auch gar nicht mehr lange die Möglichkeit: Medienberichten zufolge erwägt Fiat, sich in Europa komplett aus dem A-Segment zu verabschieden. Zumindest um die Rollen innerhalb der Familie müsste sich dann in Turin niemand mehr Gedanken machen.

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