Neupositionierung Ford in Europa: Bronco statt Focus

Von sp-x

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Fiesta, Focus und Mondeo heißen hierzulande die erfolgreichsten Modelle des US-Herstellers Ford. Doch die Verkaufszahlen gehen immer weiter zurück. Deshalb kassiert das Unternehmen nun auch den Focus.

Der Focus steht in Europa vor dem Aus. Damit zieht Ford nach Mondeo und Fiesta alle klassischen Fahrzeugmodelle ab. US-Verkaufsschlager wie der Bronco sollen die Lücke füllen.
Der Focus steht in Europa vor dem Aus. Damit zieht Ford nach Mondeo und Fiesta alle klassischen Fahrzeugmodelle ab. US-Verkaufsschlager wie der Bronco sollen die Lücke füllen.
(Bild: Ford)

Kurz vor Jahresende sorgt Ford für einen Paukenschlag. Bereits Anfang nächsten Jahres wollen sich die Kölner komplett neu aufstellen und sich kurzfristig von allen klassischen Pkw-Modellen verabschieden. Mit einem aktuellen Anteil von nur noch sechs Prozent am europäischen Pkw-Markt sieht sich Ford gezwungen, seine Strategie grundlegend zu ändern. Zum Vergleich: VW kommt noch immer auf einen Marktanteil von 25 Prozent, Stellantis auf gute 22 Prozent.

Kontinuierlich sinkende Verkäufe und erodierende Margen machen das traditionelle Pkw-Geschäft für den Traditionshersteller zunehmend unrentabel. Und so hat der Autobauer das Aus für seinen Kleinwagen Fiesta nach 47 Jahren Bauzeit bereits bekanntgegeben. Der der Mondeo ist bereits Geschichte – nach 29 Jahren.

Nun meldet Ford sogar das Ende des ewigen Golf-Konkurrenten Focus, der 1998 den Escort beerbte. Damit schwenken die Kölner die weiße Flagge und ziehen sich nahezu kampflos aus dem ewigen Dreikampf mit den beiden anderen Volumenanbietern in Deutschland – VW und Opel – zurück.

Typische US-Modelle für Europa

Unter dem eher nichts und alles sagenden Marketing-Claim „Adventurous Spirit“ kündigt Ford eine neu positioniertes Kerngeschäft an. Übersetzt heißt der Slogan so viel wie „die Lust am Abenteuer“ und beschreibt damit den künftigen Weg. Der hat viel mit typischen US-Modellen zu tun, die das amerikanische Lebensgefühl vermitteln und die Ford nun wohl vermehrt über den großen Teich nach Europa holen will.

Dazu zählen aktuell neben dem kernigen Offroader Bronco (ab Frühjahr 2023) und dem Pick-up Ranger (ab sofort) auch Ikonen wie der neue Mustang oder der F-150 Lightning, der Ende nächsten Jahres als vollelektrisches Modell zu uns kommen soll.

Ford bald ein Nischenhersteller?

„Wir wollen keine verwechselbaren Produkte mehr bauen und nicht mehr langweilig sein“, ist die bemerkenswerte Botschaft von Christian Weingärtner, Managing Direktor Ford Deutschland, die den OEM vom Massenhersteller zum Nischenanbieter machen könnte.

Ganz so radikal wird das Wendemanöver dann aber wohl doch nicht ausfallen. An der postulierten Elektrifizierungsstrategie wird sich laut Ford nichts ändern. Der Plan steht: Bis 2030 sollen alle Ford-Modelle komplett unter Strom stehen.

Auch der Nutzfahrzeugsektor wird zunächst von den neuen Plänen verschont. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Geschäfts bleiben weiterhin die angesagten SUV- und Crossover-Modelle, bei denen Hersteller erfahrungsgemäß weniger Rabatte einräumen müssen als bei Fiesta & Co.

Vier-Säulen-Strategie

Ford will seine Produkte künftig auf vier Säulen verteilen. Unter der Marketing-Haube „Wild Performance“ sortieren sich sportliche Modelle wie der Mustang oder der Mach E ein. Am anderen Ende des neuen Stammbaums steht die Gruppe der extremen Abenteurer wie Bronco und Ranger Raptor, die Ford in Zukunft unter „Ultimate Outdoor” führt.

Von beiden Gruppen versprechen sich die Kölner eher Image als Stückzahlen. Profit soll in den beiden anderen Sparten erzielt werden: Unter „Urban Escape“ laufen künftig zum Beispiel die erfolgreichen, kompakten SUV und Crossover Kuga sowie Puma. In der Klasse „Active Adventure“ fahren dann die großen SUV vom Schlage eines Explorers.

Die Belegschaft und der Handel sind bereits von den neuen Plänen unterrichtet und reagieren bislang wohl eher irritiert als euphorisch. Schließlich droht ein Großteil des traditionellen Geschäfts ersatzlos wegzubrechen. Wenn bisherige Quotenbringer wie Fiesta und Focus wegfallen, die vor allem beim Geschäftswagenleasing für sicherere Umsätze sorgten, müssen andere in die Bresche springen. Und die stehen erst in den Startlöchern.

Zwei Modelle aus dem VW-Baukasten

Mehr als eine Milliarde Dollar hat Ford in den Aufbau und die Modernisierung des neuen sogenannten Cologne Electrification Centers (CES) in Köln-Niehl investiert. Im CES, dem ersten Ford-Werk in Europa für Elektrofahrzeuge, läuft im nächsten Jahr der neue, dann vollelektrische Puma vom Band, den Ford gemeinsam mit VW entwickelt hat. 2024 folgt ein etwas größerer E-Crossover als Kuga-Ersatz, ebenfalls in Co-Produktion mit Wolfsburg. Beide sind dazu verdammt, vom Start an zu punkten, sonst könnte für Ford die neue Lust am Abenteuer schnell vergehen.

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