Antriebstechnik

Gastkommentar: Wir brauchen den Hybridantrieb

| Autor / Redakteur: Ulrich Schiefer / Jens Scheiner

Der langjährige BMW-Entwickler und Geschäftsführer von Attrack wundert sich über mangelnde Differenzierungsfähigkeit der Experten sowie die Eitelkeit der deutscher Automobilmanager in Sachen Hyridfahrzeug.
Der langjährige BMW-Entwickler und Geschäftsführer von Attrack wundert sich über mangelnde Differenzierungsfähigkeit der Experten sowie die Eitelkeit der deutscher Automobilmanager in Sachen Hyridfahrzeug. (Bild: Attrack)

Die deutsche Autoindustrie schenkt Hybridfahrzeugen kaum Aufmerksamkeit. Trotzdem fordert ZF-Chef Wolf-Henning Scheider immer wieder einen Volkshybrid. Er hat Recht, kommentiert Ulrich Schiefer, Chef der Automobilberatung Attrack, in einem Gastbeitrag.

ZF-Chef Wolf-Henning Scheider hat auf dem Autogipfel des Handelsblatt in Wolfsburg und zuletzt beim FKFS Symposium in Stuttgart bemerkenswerte Aussagen zum unsachlichen „Bashing“ im Rahmen der Abgasdiskussion einerseits gemacht und andererseits einen Volkshybrid als relevante Übergangstechnologie gefordert, auch wenn manche OEMs gerade so tun, als gäbe es gar nichts anderes als das rein elektrische Batterieauto. Und wie nicht anders zu erwarten, wurde im Duktus hiesiger Diskussionskultur mit auf verkürzter Realität basierenden akademischen Aussagen gekontert. So kommentiert beispielsweise Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) mit schnellem Schuss aus der Hüfte, dass der Hybrid eine unnötige Doublette sei, die dem gleichzeitigen Einsatz von Gürtel und Hosenträger gleichkäme und deshalb keine Zukunft habe.

Kommentar: Volkswagen und der Rest

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Kommentar: Volkswagen und der Rest

20.03.19 - VW-Chef Herbert Diess treibt mit seinem starren Fokus auf die Elektromobilität derzeit die Branche auseinander: Er findet, mit Technologieoffenheit verschwendet man nur Ressourcen – Unternehmen wie ZF oder BMW widersprechen deutlich. Ein Kommentar von »Automobil Industrie«-Chefredakteur Claus-Peter Köth. lesen

Diese Aussage ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, weil schon eine oberflächliche Internetrecherche zeigt, dass Herr Dudenhöffer seit 2013 die deutsche Autoindustrie dafür kritisiert hat, dass sie den Hybriden und dann seit 2016 dafür, dass sie das Batterieauto verschlafen habe.

Deutsche Autoindustrie: „Teure und schwere Maximalhybride“

Wenn man die Fakten zusammen nimmt, kann man ohne weiteres zum Schluss kommen, dass die deutsche Industrie jede Technologie vernachlässigt hat, die mit einem E-Motor im Antrieb in Verbindung steht. Nicht hilfreich ist es jedoch, wenn Technologiepräferenzen übers Spielfeld geflankt werden und dabei die Gesamtperspektive außer Acht gelassen wird. Wenn Herr Dudenhöffer also von Gürtel und Hosenträger spricht, dann kann er damit nur den „deutschen“ Hybrid meinen, der allen technologischen Kontent hat, den sich die Verbrennungsmotoreningenieure wünschen und dann in die wenigen Löcher, die im Auto noch frei sind, einen zusätzlichen E-Strang hineinquetscht. Heraus kommen teure und schwere „Maximalhybride“, die in keiner Hinsicht Esprit versprühen, einfach weil sie teuer, komplex und schwer sind.

Wenn Scheider von einem Volkshybrid spricht, dann schwingt in der Aussage mit, dass es ein sinnfälliges Auto sein muss, das sich breite Bevölkerungsschichten leisten können und wollen. Und da kann kein Zweifel bestehen, dass der Verbrenner etwas abgeben muss von seiner Aufwendigkeit und seinen Kosten, um Platz zu machen für den elektrischen Hybridpartner. Insbesondere der Turbo müsste weichen, der doch durch Aufblasen nur mehr fossile Leistung erzeugt, wohingegen die E-Stufe aus Bremsstaub Strom macht. Heraus kämen Hybride, wie sie die japanischen OEMs längst anbieten in Form von Prius, Insight oder Freelander.

Man muss kein Prophet sein, um sich vorzustellen, dass mittels deutscher Getriebetechnik das vielgeschmähte Aufheulen der japanischen Hybride bei der Vollastbeschleunigung unterbunden werden würde und die ganze Anmutung auch mittels europäischem Design etwas dynamischer und sportlicher würde. Und gar nicht hoch genug zu bewerten: Endlich könnte auch mal ein deutsches Modell in der Riege der saubersten Autos der Welt mitspielen.

ZF-Chef Scheider: „Hybridtechnik braucht mehr Aufmerksamkeit“

Automobilzulieferer ZF

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07.12.18 - Elektrofahrzeuge sind Zweit- oder Drittautos für wohlhabende Leute, kritisiert ZF-Chef Wolf-Henning Scheider – und fordert einen „Volkshybrid“. Drei Milliarden Euro steckt sein Unternehmen in bessere Hybrid-Technik, 800 Millionen Euro davon in den „Leitstandort“ Saarbrücken. lesen

Was bleibt ist ein gerüttelt Maß an Verwunderung über mangelnde Differenzierungsfähigkeit bei den Experten und viel mehr noch, wie lange die Eitelkeit deutscher Automobilmanager noch anhält, um nicht auch einfach mal das zu Bauen, was andere eingeführt haben und mit großem Erfolg auf dem Weltmarkt verkaufen.

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