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Smart City Grüne Welle: Ampelassistent in zweiter deutscher Stadt verfügbar

| Redakteur: Thomas Günnel

Auf grüner Welle durch die Stadt: Audi vernetzt eine weitere Stadt mit seinem Assistenzsystem – damit können Fahrer im Idealfall alle Ampeln bei „Grün“ passieren.

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Der Ampelassistent kann für „grüne Welle“ sorgen. In zwei deutschen Städten hilft er bereits.
Der Ampelassistent kann für „grüne Welle“ sorgen. In zwei deutschen Städten hilft er bereits.
(Bild: Audi)

Bereits im Juli 2019 hat Audi seinen Ampelassistenten in Ingolstadt eingeführt, jetzt folgt Düsseldorf. Ab Ende Januar sehen Fahrer entsprechend ausgestatteter Fahrzeuge die Information von rund 150 Ampeln im Kombiinstrument hinter dem Lenkrad. Im Frühsommer sollen es dann etwa 450 der insgesamt rund 600 Ampelanlagen sein.

Der Assistent zeigt dem Fahrer an, bei welcher Geschwindigkeit er die nächste Ampel bei „Grün“ erreicht. Außerdem kann das System vorschlagen, die Geschwindigkeit bei einer bestimmten Entfernung zur Ampel schrittweise zu drosseln – um bei „Grün“ an der Kreuzung anzukommen. Passt es einmal nicht und der Fahrer muss anhalten, zählt ein Countdown im Display die Sekunden bis zur nächsten Grünphase.

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Wie funktioniert der Algorithmus?

Der Algorithmus hinter dem Assistenzsystem errechnet seine Prognosen anhand von Daten aus drei Quellen:

  • dem jeweiligen Steuerprogramm der Signalanlage,
  • den Echtzeitdaten vom Verkehrsrechner, einer Kombination aus Belegungskameras, Detektorschleifen in der Straße, Bus- oder Tram-Anmeldungen und Fußgängerdrückern,
  • und historischen Daten.

Dabei lernt er hinzu: zum Beispiel, wie sich das Verkehrsaufkommen morgens im Berufsverkehr verändert, oder mittags, wenn Kindergärten und Schulen schließen. „Um die Prognosen stetig zu verbessern, senden die Fahrzeuge anonymisierte Daten der Ampelüberfahrten an einen zentralen Rechner. Dieser prüft, ob die realen Ampelüberquerungen und die Prognosedaten übereinstimmen. Nur dann werden die Ampeln für die Anzeige im Auto freigegeben“, erklärt Andre Hainzlmaier, Leiter Entwicklung Apps, Connected Services und Smart City bei Audi. Entstanden ist der Algorithmus gemeinsam mit dem Technikunternehmen Traffic Technology Services.

Ampelanlagen besser schalten

Für weniger rote Ampeln können auf der anderen Seite die Städte sorgen. Dazu erhalten sie Informationen zur Ampelinfrastruktur aus der Fahrzeugflotte. Die Daten zeigen zum Beispiel, wenn Autos an einer bestimmten Kreuzung ungewöhnlich viele Stopps einlegen oder die durchschnittliche Wartezeit vergleichsweise hoch ist. „Wir aggregieren die Messwerte in Reports, die wir den Städten zur Verfügung stellen. Ampeln lassen sich dann effizienter schalten, der Verkehr fließt besser.“, sagt Heinzlmaier.

Ein konkretes Anwendungsbeispiel für das System ist die Routenführung von Elektrofahrzeugen: Sie könnten gezielt vor der roten Ampel ausrollen und so optimiert rekuperieren. Gekoppelt mit einem adaptiven Tempomaten ist auch das automatische Bremsen vor der roten Ampel denkbar. Grundsätzlich kann die grüne Welle den Kraftstoffverbrauch und Abrieb von Bremsen und Reifen reduzieren – mit positiven Auswirkungen auf die Luftqualität gerade in den Städten.

Hohe Anforderungen in Deutschland

In den USA ist das Assistenzsystem bereits seit Ende 2016 im Einsatz, zum Beispiel Phoenix, Kansas City, Dallas, Houston, Palo Alto, Arcadia, California; Portland, Oregon, Denver, Las Vegas und Washington, D.C. – in Washington allein sind über 1.600 Kreuzungen entsprechend vernetzt. Aktuell sind im System mehr als 10.000 Kreuzungen eingebunden – Tendenz steigend.

Dass das System erst mit zwei Jahren Verspätung in Deutschland ankommt, liegt an den bestehenden Ampelanlagen. „Während urbane Ampelsysteme in den USA großflächig und einheitlich geplant wurden, hat sich die Verkehrsinfrastruktur in Europa eher lokal und dezentral entwickelt – mit sehr unterschiedlicher Verkehrstechnik“, erklärt Hainzlmaier „Wie schnell weitere Städte an die Technik angebunden werden, hängt vor allem davon ab, ob sich Datenstandards sowie Schnittstellen etablieren und Städte ihre Ampelanlagen digitalisieren.“

In den nächsten Jahren sollen auch andere Städte in Deutschland, Europa, Kanada und den USA das System erhalten; erste Tests gab es zudem in der chinesischen Millionenstadt Wuxi.

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