Fahrbericht Im Ford Bronco durch den amerikanischen Westen

Quelle: sp-x

Was für ein Ritt! Nirgends kann der neue Ford Bronco seine Qualitäten besser beweisen als auf einer Fahrt von Las Vegas nach Los Angeles – vor allem neben den Highways.

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Der Ford Bronco ist in den USA legendär. Jetzt gibt es eine neue Generation.
Der Ford Bronco ist in den USA legendär. Jetzt gibt es eine neue Generation.
(Bild: SP-X/Benjamin Bessinger)

Es ist Nacht in Las Vegas und die Stadt glüht in allen Farben. Die Passanten bummeln vor den Schaufenstern der Luxusboutiquen, die Spieler ringen mit Fortuna beim Roulette und die Petrolheads führen ihre Spielzeuge aus: Ferrari, Lamborghini, Corvette und McLaren röhren im kleinen Gang mit dafür umso höherer Drehzahl zwischen der Luxor-Pyramide und dem Stratosphere-Tower und befriedigen ihre Eitelkeit.

Doch dann taucht der neue Bronco auf und stiehlt allen die Show. So, wie im Western die ganze Stadt verstummt, wenn zu High Noon der Held die Hauptstraße hereinreitet, interessiert sich plötzlich keiner mehr für die überzüchteten Flachmänner oder die überteuerten Designer-Klamotten, sondern schaut nur noch nach dem pflaumenblauen Ford, der auf seinen wuchtigen Offroad-Reifen herein rollt und sich auf jeder Betonfuge etwas mehr Präriestaub aus den Fugen schüttelt.

In den USA eine Ikone

Das muss man verstehen, erst recht in den USA. Denn dort gilt der Bronco nicht nur als Legende, seit Ford das Segment der Hardcore-Geländewagen damit ab 1966 auf Freizeit getrimmt hat. Vor allem haben die Amerikaner den Wildfang schmerzlich vermisst, nachdem die Ignoranten in Detroit die Produktion 30 Jahre später ohne Not wieder eingestellt und das Feld bereitwillig dem Jeep Wrangler und Importmodellen vom Schlage eines Toyota FJ Cruiser, eines Land Rover Defender und ja, in gewisser Weise auch der Mercedes G-Klasse überlassen haben.

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Doch seit einem knappen Jahr ist der Bronco zurück als handlicher Dreitürer für Preise knapp unter 30.000 Dollar und als etwas geräumigerer Fünftürer sowie als weichgespülter Bronco Sport für die Vorstadt-Indianer und Möchtegern-Cowboys. Und tausende Vorbestellungen sowie monatelange Lieferfristen zeugen davon, wie groß die sentimentale Sehnsucht gewesen ist. Genau wie die vielen neugierigen Passanten, die bei jedem Zwischenstopp für ein Foto posieren, mal in den Innenraum schauen oder einfach ein bisschen fachsimpeln wollen.

„Der Bronco ist kein Rennwagen“

Der Bronco ist ein Lonesome Rider und nicht für die Zivilisation gemacht. Kaum sind die Hotelhochhäuser aus dem Rückspiegel verschwunden, ist er auch schon runter vom Highway und rollt auf den Byways zum Härtetest ins Death Valley.

Treibende Kraft dabei ist wahlweise der 2,3-Liter-Ecoboost-Vierzylinder, den wir aus dem Mustang kennen, oder ein V6 mit 2,7 Litern, dem ebenfalls ein Turbo Druck macht. Aber egal ob 270 oder 310 PS, der Bronco ist kein Rennwagen. Sogar der V6 bevorzugt im Zusammenspiel mit der 10-Gang-Automatik den gemütlichen Trab und lässt sich auf Asphalt nur mühsam über 160 Sachen treiben.

Mit wenigen Handgriffen umrüstbar

Wie gut, dass die Straßen hier nicht nur einsam sind, sondern auch endlich. Denn mehr als zwei Drittel aller Pisten im Tal des Todes sind nur geschottert und der Bronco ist wieder in seinem Element. Schade ist allenfalls, dass der Kofferraum so klein und mit zwei Reisetaschen bereits gut gefüllt ist. Denn sonst wäre jetzt genau der richtige Moment, eine weitere Einzigartigkeit des Fords zu testen.

Wie beim Wrangler, aber sonst bei keinem anderen Geländewagen, lässt sich der Bronco mit wenigen Handgriffen umbauen und in Sommerlaune bringen: Erst fliegen die Dachhälften raus wie bei einem Targa, dann verschwinden die Seitenwände, und wem es immer noch nicht luftig genug ist, der kann sogar die Türen aushängen. Selbst wenn er dann zum Beispiel auf Seitenairbags verzichten muss.

Aber vielleicht ist es auch ganz gut, dass die Bastelstunde heute wegen des Mangels an Stauraum ausfällt. Denn die Sonne sinkt schneller als erwartet – und mit ihr die Temperatur. Außerdem gibt’s im Death Valley nirgends einen Hochdruckreiniger, mit dem man den Staub aus dem Bronco spritzen könnte. Dabei haben sie in Detroit extra alle Schalter wasserdicht verpackt und sogar einen Ablauf in den Fußraum geschnitten.

Sechs Offroad-Fahrmodi

Dass der Tag schneller zu Ende geht als die Strecke, stört den routinierten Reiter nicht. Wofür lässt sich auf dem Touchscreen in der Mittelkonsole schließlich das „Zone Lighting“ aktivieren. Dann strahlen nicht nur die LED-Scheinwerfer, sondern auch aus den Seitenspiegeln flutet plötzlich Licht und der Rückscheinwerfer leuchtet taghell nach hinten – so findet sich selbst in pechschwarzer Nacht ein Weg aus dem Death Valley.

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Nur um gleich im nächsten Extrem zu landen. Wer nicht ganz auf der direkten Route zurück an die Küste fährt, der durchquert mit der Sierra Nevada auch ein paar ziemlich extreme Klimazonen: Nur einen halben Tagesritt nach dem Death Valley steht der Bronco deshalb plötzlich zwischen meterhohen Schneewänden am Fuß der Mammouth Mountains, die groben Stollen der Offroad-Reifen krallen sich ins brüchige Eis und die Hütte in Quentin Tarantinos „Hatefull Eight“ kommt in den Sinn, wenn sich der Ford auf der letzten Meile zur Lodge durch den Schnee wühlt.

Wie gut, dass es ein halbes Dutzend Offroad-Fahrprogramme für jedes Terrain gibt, außerdem eine zehnstufige Automatik, zuschaltbaren Allradantrieb, eine Geländeuntersetzung und drei Sperren. Damit kennt das Wildpferd tatsächlich kein Halten mehr. Winterreifen? Schneeketten? „Nicht nötig“, haben sie bei der Testwagenausgabe gesagt. „Ihr müsst schon ein paar ganz dumme Entscheidungen treffen, wenn ihr euch mit einem Bronco festfahren wollt.“ Die leichten Zweifel an dieser Aussage sind nach dieser zweitätigen Fahrt verschwunden.

Ford Bronco soll auch nach Europa kommen

Die Rückfahrt endet in Bakersfield und von da sind es nur noch ein paar Meilen rein nach Los Angeles und spätestens in Beverly Hills wiederholt sich das Spiel von Las Vegas. Selbst vor dem legendären Peninsula Hotel, wo sich nach einem Rolls-Royce oder Bentley schon lange keiner mehr umdreht, rangeln die Jungs vom Valet-Service darum, wer den Bronco in den Stall führen darf.

Nach den 2.000 Kilometern über Stock und Stein, über Eis und Schnee, Schotter und Asphalt sind die Insassen ein bisschen k.o. und sehnen sich ganz kurz nach einem etwas gemütlicheren Geländewagen wie dem Ford Explorer oder wenigstens dem Escape wie sie den Kuga hier drüben nennen. Aber das ist keine Beschwerde. Im Gegenteil: Wir freuen uns darüber, dass der Bronco bald auch nach Europa kommen soll.

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