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Individuelle Autositze aus dem Tintenstrahldrucker

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Auto-Mode muss zeitlos sein

Inspirieren lassen sich die Designer bei ihrer Arbeit auch von Trends aus Mode, Architektur und Kunst. Diamant-Formen, „Kontrollierte Unfertigkeit“ oder Knallfarben wie Dark Magenta finden sich in Reinkultur allerdings nur in effektheischenden Fahrzeugstudien. „In der echten Autowelt tauchen sie später in der Form von Details auf“, sagt Maashoff. Etwa als farbigen Nähte oder ungewöhnliche Akzente. Auto-Mode ist langsam. Und sie muss zeitlos sein. Denn anders als das knallige T-Shirt sollen Pkw mehr als eine Saison lang vorzeigbar sein.

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Diese Bedächtigkeit der Entwicklung gilt nicht nur für Formen und Farben, sondern auch für das komplette Sitzsystem. Zulieferer wie Johnson Controls, Faurecia oder Yanfeng haben längst Innenraum-Konzepte mit bisher nicht gekannter Variabilität entwickelt. Etwa Schienen, die sich nahezu über den kompletten Fahrzeugboden spannen und den Beifahrersitz bei Nichtgebrauch bis unter das Armaturenbrett vorfahren lassen. Oder flexible Rückbänke, die sich stufenlos in Einzelsitze verwandeln lassen. Die meisten dieser Neuerungen haben trotz unbestreitbarer Vorteile aber kaum eine Chance auf eine schnelle Serienentwicklung. Denn die Bodengruppen heutiger Autos sind im Kern häufig drei Jahrzehnte oder mehr alt, werden von Fahrzeuggeneration zu Fahrzeuggeneration aus Kostengründen nur leicht modifiziert. Und an flexible Sitzsysteme, wie sie heute gewünscht werden, hat in den 80er-Jahren noch niemand gedacht. Die innovativsten Gestühle haben daher häufig komplette neu entwickelte Autos. Doch Modelle wie den Ur-Smart oder Teslas Model S gibt es selten.

Lounge-Landschaft bei autonomen Fahrzeugen

Für den nächsten großen Sprung in der Sitzentwicklung könnten autonome Autos sorgen. Doch auch da ist Maashoff zunächst zurückhaltend. Aktuell sieht es so aus, als müsste bis auf weiteres der menschliche Fahrer bei Fehlern des Computers aus rechtlichen Gründen innerhalb weniger Sekunden zum Eingriff bereit sein. Das geht nicht, wenn er im Auto liegt, vielleicht sogar entgegen der Fahrtrichtung. An der aktuellen Sitzposition dürfte sich daher selbst bei hochautomatisierten Fahrzeugen zunächst wenig ändern. Auch aus Sicherheitsgründen: Denn fast alle flachen Liegepositionen bergen die Gefahr, bei einer Kollision unter dem Gurt durchzurutschen. „Was wir aktuell in Konzeptfahrzeugen sehen, ist viel Zukunftsvision“, attestiert Maashoff. Erst wenn autonome Autos komplett und dauerhaft ohne menschliche Hilfe auskommen, steht die Revolution im Auto-Innenraum an. Dann gibt es vielleicht wirklich Lounge-Landschaften mit Entertainment-Systemen wie etwa in der großzügig dimensionieren Mercedes-Studie F015, mit der die Marke 2015 einen Ausblick auf die Autos von 2030 gegeben hat. So lang dürfte es also durchaus dauern, bis der heute bekannte Pkw-Sitz endgültig ausgemustert wird.

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