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Jaguar E-Pace: Dynamischer Spätstarter

| Autor/ Redakteur: SP-X/Holger Holzer / Jens Scheiner

Als eine von wenigen Marken bietet Jaguar bislang kein kompaktes SUV an. Nun kommt das Angebot der Briten. Und zwar mit vollem Schwung.

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Mit dem E-Pace bringt Jaguar sein zweites SUV-Modell in den Markt.
Mit dem E-Pace bringt Jaguar sein zweites SUV-Modell in den Markt.
(Bild: Jaguar)

Das erste Jaguar-SUV war ein Erfolg. Nun soll Nummer zwei für neue Absatzrekorde sorgen: Ab sofort tritt der E-Pace als dezidiert sportliche Alternative zu Audi Q3, BMW X1 und Mercedes GLA in den Ring der kompakten Premium-Crossover. In der aktuellen Modellpalette der Briten ist der Neuling mit einem Einstiegspreis von knapp 35.000 Euro das günstigste Modell.

Optisch folgt der E-Pace der 2016 beim F-Pace eingeführten sportlichen Linie, ohne bloß eine geschrumpfte Kopie des Mittelklasse-SUV zu sein. So wirkt das Dach noch stärker geduckt, Front und Heck im Stil des Sportwagens F-Type noch flotter geschnitten. Unter dem dynamisch gepressten Blech steckt indes die Plattform des Range Rover Evoque von Geländewagen-Schwester Land Rover. Zu merken ist das aber allenfalls im Innenraum, wo der E-Pace das Infotainment-System des Lifestyle-SUVs auftragen muss, anstatt die schickere, aber auch teurere Technik des neueren Range Rover Velar zu nutzen.

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Wirklich ins Gewicht fällt die verpasste Technik-Führerschaft aber nicht, vereinnahmt einen das Kompakt-SUV doch vom ersten Augenblick an. Die eng geschnittenen Sportsitze, das dem Fahrer zugewandte Cockpit und die wuchtige Mittelkonsole umschließen einen förmlich, so dass man sich in Kombination mit der für ein SUV recht tiefen Sitzposition fast wie in einem Sportwagen fühlt.

Der Diesel ist die bessere Wahl

Den dynamischen Anspruch will auch die Motorenpalette unterstreichen, die von einem 221 kW/300 PS starken Benziner angeführt wird. Wie alle anderen Triebwerke im E-Pace verfügt er über vier Zylinder, zwei Liter Hubraum sowie Turboaufladung und stammt aus der noch recht frischen Ingenium-Motorenfamilie des britischen Konzerns. Entsprechend modern klingen die Normverbrauchswerte: Das sparsamste Modell, ein Diesel mit 110 kW/150 PS soll in Kombination mit Frontantrieb gerade einmal 4,7 Liter auf 100 Kilometern benötigen. Zwischen den beiden Polen entspinnt sich das weitere Motorenangebot, das aus dem Einstiegsbenziner mit 183 kW/250 PS sowie zwei Dieseln mit 132 kW/180 PS und 177 kW/240 PS besteht. Ein heckbetonter Allradantrieb mit Torque-Vectoring-Funktion ist bei den drei Motoren immer an Bord, eine Neungangautomatik als empfehlenswertes Upgrade zur Sechsgang-Handschaltung mindestens optional zu haben.

Für erste Testfahrten standen der Top-Benziner und der stärkste Diesel zur Verfügung. Der Ottomotor wirkt in der Praxis nicht ganz so kräftig wie es das Datenblatt nahelegt, wird zudem gelegentlich von der Automatik eingebremst, die nicht immer auf Anhieb die richtige Schaltstrategie parat hat. Der Diesel wirkt mit seinen 100 zusätzlichen Newtonmetern Drehmoment souveräner, klingt aber bei hoher Last weniger kraftvoll als das Benzintriebwerk. Prinzipiell dürfte einer der Selbstzünder – Dieselkrise hin oder her – die bessere Wahl sein. Auch angesichts der Verbrauchswerte: Bei den beiden Spitzenmotoren ihrer Bauart etwa stehen 8,0 Liter 6,2 Litern gegenüber. Volumenmotor ist in Deutschland nach Prognose von Jaguar der mittlere Diesel mit 132 kW/180 PS und einem Normverbrauch von 5,6 Litern.

Stahl statt Aluminium

Allen Motorvarianten gemein ist das straff abgestimmte Fahrwerk. Auch den eher schlechten Straßen Korsikas zeigte sich der E-Pace zwar stabil in der Kurve, aber auch durchaus ruppig auf unebenem Untergrund. Ein Teil der Härte dürfte allerdings auch auf die 20 Zoll großen optionalen Räder zurückzuführen sein. Ein anderer auf die dezidiert sportliche Positionierung, des Jaguar-SUV im hart umkämpften Wettbewerbsumfeld, die bei der direkten und gefühlvollen Lenkung wiederum ihre positive Seite zeigt. Auch wenn der E-Pace sein SUV-typisch hohes Gewicht (statt auf Aluminium als Karosseriegrundstoff wie bei den anderen Modellen setzt Jaguar hier auf Stahl) nicht verhehlen kann, fährt er sich doch eher wie ein Pkw.

Abseits vom flotten Fahrverhalten kann der E-Pace aber auch mit praktischen Werten überzeugen. Während der Fahrer eng umschlungen sitzt, hat der Passagier zu seiner rechten viel Platz in alle Richtungen. Hinter dem Duo haben Erwachsene sehr viel Knie- und ordentliche Kopffreiheit. Lediglich Großgewachsenen droht Kontakt mit dem Dach. Der Kofferraum bietet mit 577 bis 1.234 Litern zwar keine Spitzenwerte, aber immerhin gehobenen Durchschnitt. Wirklich praktisch jedoch sind die Fächer in den Türen, in denen selbst große Flaschen im 45-Grad-Winkel Platz finden.

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Mit einem Startpreis von 34.950 Euro ist der E-Type das günstigste Auto im Jaguar-Portfolio, auch wenn der Abstand zur Mittelklasselimousine XE nur gering ist. Die Basisversion mit Diesel, Frontantrieb und Handschaltung werden aber wohl nur wenige Kunden ordern, obwohl die Ausstattung mit LED-Scheinwerfern, Zweizonen-Klimaautomatik und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen im Vergleich zur deutschen Premiumkonkurrenz durchaus ordentlich ist.

Unterm Strich bietet der E-Pace ein interessanter Kompromiss aus Alltagsnutzen und Sportlichkeit, gepaart mit eigenständigem und gelungenem Design – in Zeiten des ungebrochenen SUV-Booms dürfte das Gesamtpaket sicherlich seine Fans finden. Wer einen komfortablen Langstrecken-Crossover will, muss woanders suchen. Wer vor allem Sportlichkeit wünscht, wird bei anderen Jaguar-Modellen wie dem XE eher fündig.

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