Fahrbericht

Jaguar F-Pace: Der Sportwagen für das Gelände

| Autor: Jens Scheiner

Mit bewährter Technik und schickem Design wollen die Briten mit dem F-Pace das SUV-Segment aufmischen.
Mit bewährter Technik und schickem Design wollen die Briten mit dem F-Pace das SUV-Segment aufmischen. (Bild: Jaguar)

Dass Jaguar sportliche und elegante Fahrzeuge bauen kann, haben sie bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Mit bewährter Technik und schickem Design wollen die Briten mit dem F-Pace auch das SUV-Segment aufmischen. Wir haben das „Performance Crossover“ getestet.

Optisch sieht man dem F-Pace sofort seine Verwandtschaft zu Jaguar an. Der dominante Grill und die muskulös geformte Motorhaube haben die Ingenieure vom XF übernommen. Auch die großen Lufteinlässe unter dem Stoßfänger sowie die nach außen hin höher werdenden Scheinwerfer zeigen die Designsprache des XF. Die Rückleuchten hingegen erinnern klar an den F-Type. Die Form ist insgesamt sehr sportlich und fließend gewählt. Die Designer haben auch das dritte Seitenfenster in die Dachlinie integriert. Denkt man sich den Diffusor weg, könnte der F-Type sogar ein geräumiges Coupé sein.

Mit einer Länge von 4,73 Meter und einer Breite von 2,13 Meter bietet er auf der Rückbank bis zu drei erwachsenen Personen ausreichend Platz. Die Passagiere rechts und links sitzen weiter außen als gewohnt. Und der Radstand von 2.874 Millimetern bietet für alle drei Fondpassagiere genügend Beinfreiheit. Damit ist das SUV nicht nur geräumiger, sondern sogar größer als seine Konkurrenten Audi Q5, BMW X3 und Porsche Macan. Auch das Kofferraumvolumen fällt bei aufgestellten Sitzen mit 650 Litern opulenter aus als bei den Wettbewerbern. Bei umgeklappter Rückbank erweitert es sich auf 1.740 Liter – die Sitze lassen sich bequem vom Kofferraum aus umklappen. Praktisch sind die verstellbaren Schienen, mit denen sich Ladung befestigen lässt.

Sparsam unterwegs

Trotz seiner Größe wiegt der F-Pace gerade einmal 1.665 Kilogramm. Da reicht auch die Motorisierung unseres Testwagens mit 177 kW/240 PS und 500 Nm Drehmoment völlig aus. Der 25d AWD beschleunigt in 7,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Trotz einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 170 km/h hat der F-Pace gerade einmal 6,8 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Das ist zwar ein Liter mehr als der angegebene Verbrauch von 5,8 Litern, aber dennoch ein sehr guter Wert für ein Fahrzeug dieser Größe. Die Höchstgeschwindigkeit von 217 km/h haben wir nicht erreicht, waren aber mit 211 km/h dicht daran. Trotz des hohen Tempos ist es im Innenraum sehr leise. Eine Unterhaltung mit den Fondpassagieren ist mit normaler Lautstärke möglich.

Das Achtgang-Automatikgetriebe wechselt die Gänge sanft – und mit der adaptiven Dämpferverstellung aus dem Jaguar XF sowie dem Allradantrieb mit Torque-on-demand-Funktion, hält das SUV auch bei Regen perfekt in der Spur. Unterstützt wird die Dämpferverstellung durch eine elektromechanische Servolenkung, die beispielsweise das Rangieren des Fahrzeugs noch komfortabler macht. Für sportlich orientierte Fahrer steht das individuell einstellbare Fahrerprogramm „Configurable Dynamics“ bereit. Es wurde erstmals für den F-Type entwickelt: Der Fahrer kann wählen, welche dynamikrelevanten Parameter und Algorithmen er verändern will, um sportlich oder effizient zu fahren. Mit dem sogenannten Intelligent-Driveline-Dynamics-System fährt sich der F-Pace unter normalen Bedingungen wie ein Hecktriebler. Über ein Verteilergetriebe mit ölgekühlter Lammelenkupplung liefert das System bei Bedarf automatisch Kraft an die Vorderräder. Damit der Crossover auch außerhalb geteerter Wege eine gute Leistung abliefert, kann der Fahrer aus mehreren Programmen für verschiedene Einsatzbedingungen wählen. Und tatsächlich ist der F-Pace nicht nur ein SUV für die Stadt, sondern schlägt sich auch Abseits der Straße gut. Schlaglöcher und Unebenheiten federt er sanft ab und hält konsequent die Spur.

Aufgeräumtes Cockpit

Der hochwertige Innenraum ist in diesem Segment obligatorisch: Das perforierte Leder in Cognac harmoniert sehr gut mit dem dunklen Hochglanzblau des Fahrzeugs. Auch die in schwarzem Leder gefasste Armatur ergänzt sich gut mit dem dunklen Holzfurnier der Mittelkonsole und den Türen. Insgesamt ist das Cockpit des Performance Crossover aufgeräumt. Die Anzahl der Knöpfe auf dem Armaturenbrett und der Mittelkonsole sind auf ein Minimum beschränkt. Auch das Lenkrad ist nur mit den nötigsten Funktionen ausgestattet. Eher unkonventionell angeordnet sind die Fensterheber: Diese finden sich nicht beim Türgriff, sondern auf dem Fensterrahmen, was die Bedienung etwas umständlich macht.

Wie in dieser Klasse üblich, ist der F-Pace mit einem umfangreichen Konnektivitäts- und Infotainmentangebot ausgestattet. Es stehen zwei Infotainmentsysteme zur Auswahl: „InControl Touch“ mit einem acht Zoll großen und „InControl Touch Pro“ mit einem 10,2 Zoll großen Touchscreen. Auf den ersten Blick wirkt das 10,2-Zoll-Display mit den großen bunten Kacheln übersichtlich und strukturiert. Aber: Je tiefer man in das Menü vordringt, desto unübersichtlicher wird es. Zwar ist das Navigationssystem lernfähig und merkt sich beispielsweise den täglichen Weg zur Arbeit, aber um ein Ziel einzugeben und das Navi zum Starten zu bringen, braucht man viel Geduld und gute Nerven.

Verkehrszeichenerkennung fehlerhaft

Das Herzstück in Sachen Sicherheit ist die Stereokamera. Sie bildet das „Auge“ für den Spurverlassenswarner, den Spurhalteassistenten, den adaptiven Geschwindigkeitsbegrenzer und den Aufmerksamkeitsassistenten. Alle Systeme arbeiten größtenteils zuverlässig und ohne große Verzögerungen. Die Warntöne sind angenehm für das Ohr und nicht übermäßig aufdringlich. Auf Baustellen oder bei zeitlich begrenzten Tempolimits hat der Verkehrszeichenassistent allerdings nicht immer einwandfrei funktioniert: So durften wir beispielsweise in einer Baustelle mit einem Tempolimit von 80 km/h laut System 120 km/h schnell fahren. Schlecht scanbare Verkehrszeichen hat das System hin und wieder übersehen. Praktisch ist das Head-up-Display, das zentrale Informationen wie die Geschwindigkeit ins Blickfeld des Fahrers projiziert. Beim Tragen einer polarisierenden Sonnenbrille fehlen diese Informationen auf der Windschutzscheibe. Das ist aber ein grundsätzliches Problem aller Head-up-Displays.

Dafür funktioniert der „Activity Key“ umso besser. Dabei handelt es sich um ein wasserdichtes und stoßfestes Fitness-Armband mit integriertem Transponder, das ohne Batterie auskommt. Beim Öffnen und Schließen der Türen muss der Fahrer das Armband lediglich an das „J“ im auf der Heckklappe angebrachten Jaguar-Schriftzug halten. Die im Innenraum liegenden Schlüssel werden damit automatisch aktiviert bzw. deaktiviert. Dieses und weitere Extras treiben natürlich den Basispreis von 66.000 Euro in die Höhe. Unser Testwagen mit Panoramaglasdach und einer Armada an Systemen und Assistenten kostet rund 85.000 Euro. Für das erste SUV der Firmengeschichte hat Jaguar mit dem F-Pace ein konkurrenzfähiges Fahrzeug gebaut, dass es leicht mit dem Porsche Macan, dem Audi Q5 oder dem BMW X5 aufnehmen kann.

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