Die japanische Autoindustrie beweist eine stoische Ruhe und ist damit ungeheuer erfolgreich – erst recht beim Heimspiel auf der Mobility Show in Tokio.
Toyota zeigt auf der Japan Mobility Show ein hinreißend gezeichnetes Sportcoupé.
(Bild: sp-x/Benjamin Bessinger)
Koji Sato ist kein Mann der aufgeregten Worte. Wenn er als erster Autoboss auf der Bühne steht und mit der großen Toyota-Pressekonferenz die Japan Mobility Show (vom 26.10. bis 5.11.2023) eröffnet, dann könnte er den versammelten Journalisten auch die Primzahlen aufzählen oder das Periodensystem der Elemente erklären.
Während seine deutschen Kollegen auf den Messen in München lautstark den Aufbruch in neue Zeiten verkünden, sie in Peking von der Eroberung der Welt schwärmen und alle hier wie dort bei jeder Gelegenheit für die Autowelt den größten Umbruch aller Zeiten konstatieren, steht er auf der Bühne, als würde es weder eine elektrische Revolution geben, noch den hungrigen chinesischen Nachbarn oder die digitale Neuordnung.
Toyota als stiller, souveräner Akteur
Natürlich weiß auch Sato um diese Entwicklungen, nur lässt er sich davon nicht anstecken. Mit fast schon stoischer Ruhe fährt er einen Kurs minimaler Veränderung – und ist damit ausgesprochen erfolgreich. Nicht umsonst behauptet Toyota seit Jahren die automobile Weltherrschaft und hat den Abstand zum VW-Konzern konstant vergrößert.
Während Sato nicht zum Marktschreier des Wandels wird, hat seine Firma die Zeichen der Zeit durchaus erkannt und auf der Messe entsprechend aufgefahren: Im Rampenlicht stehen deshalb ganz vorne bei Toyota zwei Modelle auf einer neuen Elektro-Plattform, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Rechts der vergleichsweise konventionelle Geländewagen FT-3E im Format des RAV-4 und links davon ein hinreißend gezeichnetes Sportcoupé, das als FT-Se zum elektrischen Cousin von Supra und Celica werden könnte.
Etwas weiter daneben räkeln sich mit Blick auf Amerika ein Pick-up im Tacoma-Format sowie ein sportlicher Land Cruiser im Rampenlicht, die natürlich beide ebenfalls elektrisch fahren. Und für die japanische Kundschaft rollt der Marktführer einen vielfach wandelbaren Van auf die Bühne sowie einen Pick-up, der mit unterschiedlichen Aufbauten mal zum Foodtruck taugt und mal zum Lieferwagen oder zur mobilen Party-Station.
Auch Lexus hat einen großen Auftritt und darf das Versprechen, bis 2035 voll elektrisch zu werden, mit zwei Studien unterstreichen: Dem seriennahen, für 2026 avisierten FL-ZC als große Coupé-Limousine, die mit einer neuen Akkugeneration weiterfahren und mehr Platz bieten soll, und dem ZL, aus dem als entsprechendes SUV dazu der nächste RX werden könnte.
Keine bahnbrechenden Innovationen ...
All das ist nicht die Neuerfindung des Automobils im Allgemeinen oder des Elektroautos im Besonderen, wie es deutsche Premium-Hersteller, chinesische Newcomer und amerikanische Start-ups gerne für sich reklamieren. Aber dafür haben die Autos das Zeug, in der Statistik wieder weit nach vorne zu fahren.
Eine Flut eher nüchterner SUV und Pick-ups auf der einen und Luxus und Leistung auf der anderen Seite – diesen Spagat zwischen Vernunft und Vergnügen stehen sie auch bei Honda, der zweiten Kraft im Land und der letzten Japan-Marke, die noch nicht mit Toyota oder mit Renault verbandelt ist.
Denn während Firmenchef Toshihiro Mibe kaum emotionaler und engagierter als Sato erst einen autonomen Shuttle Bus enthüllt, futuristischen Fahrhilfen für die überalterte Bevölkerung und einen charmanten Kleinwagen im Stil des R5 mit geschlossenem Recycling-Kreislauf zeigt, zieht er am Schluss das Tuch von einem schlucken Sport-Coupé mit dem die Erinnerung an den seligen Prelude befeuert werden soll – nur diesmal natürlich elektrisch.
... aber dennoch Potenzial
Und so geht es überall weiter – und zwar in allen Klassen: Vom Ausblick auf einen elektrischen Nachfolger des charmanten Bonsai-Roadsters Daihatsu Copen über den Mazda Iconic SP als Blaupause für die Weiterentwicklung des MX-5 und einen vogelwilden Sportwagen von Subaru bis hin zu Batmans Traumwagen Hyper Force mit 1.000 elektrischen Kilowatt, der etwas gemäßigt vielleicht endlich bald mal den hoffnungslos überalterten Nissan GT beerben könnte.
Dazu kommen, wie bei jeder Motorshow in Tokio, eine Reihe von Manga-Autos und Kei-Cars – eine Handvoll Studien, die man eher im Spielwarenladen erwartet hätte als auf einer Automesse: Der Nissan Hyper Punk zum Beispiel, der den Juke in groß als Comic-Helden zeigt, der Daihatsu MeMo als Schubkarton auf Rädern, den jeder nach seiner Façon gestalten kann oder der Mitsubishi D:X, der das in Japan ewig junge Van-Thema mal ganz neu interpretiert. Denn statt wie Nissan mit dem Hyper Tourer nur einen weiteren Luxus-Laster zu bauen, haben die Japaner ihren Kleinbus zum Mannschaftswagen für Hardcore-Camper gemacht.
Stand: 08.12.2025
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Unbeirrter Kurs
Zwar fahren alle Japaner groß auf und zeigen zusammen mehr Neuheiten als etwa die deutschen zuletzt beim Heimspiel auf der IAA. Doch Premieren mit Serienstatus und dann auch noch mit Verbindung nach Europa muss man bei ihnen lange suchen – und findet sie dann nur bei Suzuki mit dem nächsten Swift oder bei Mazda mit einem dezenten Facelift für den MX-5.
Zugegeben, richtungsweisende Auto, die den Lauf der Welt zumindest ein kleines bisschen verändern könnten wie zuletzt etwa die Neue Klasse von BMW, das Model 3 von Tesla oder die MEB-Fahrzeuge von VW sowie den elektrischen R5-Nachfolger bei Renault sucht man in Tokio vergebens. Doch was sie hier zeigen, beweist Kraft und Stärke und eine stoische Ruhe, die sich von Trends und vermeintlich globalen Tendenzen nicht irritieren lässt.
Wobei die Stärke der Japaner zumindest auf der Messe zu einem guten Teil auch auf der Schwäche der Gäste fußt. Denn von der Weltpremiere des BMW X2 einmal abgesehen, wirkt der Auftritt der wenigen anderen Ausländer wie ein schlechtes Alibi: Renault stellt drei alte Autos vor eine Pappwand, Mercedes zaubert noch einmal die IAA-Studie von 2021 aus dem Hut – und der gesamte VW-Konzern glänzt gleich komplett mit Abwesenheit.