Suchen

IAA 2019 Klimaproteste und Besucherschwund: Zukunft der IAA offen

| Autor/ Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Einige haben aufgrund der zahlreichen Schwierigkeiten der IAA bereits mit den Abgesängen auf die Messe begonnen. Der VDA als Veranstalter will davon nichts wissen. Wie bisher wird es allem Anschein nach mit der Auto-Show aber definitiv nicht weitergehen.

Firmen zum Thema

Insgesamt werden am Sonntag, wenn die Messe endet, wohl rund eine halbe Million Besucher auf der IAA gewesen sein.
Insgesamt werden am Sonntag, wenn die Messe endet, wohl rund eine halbe Million Besucher auf der IAA gewesen sein.
(Bild: VDA)

Die Automesse IAA steht nach einem Einbruch der Besucherzahl in diesem Jahr vor einer ungewissen Zukunft. „Wir arbeiten derzeit am Konzept für die Jahre 2021 folgende“, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, am Freitag (20. September) in Frankfurt. „Wir sind im Gespräch auch mit der Messe Frankfurt, wir haben aber noch keine Standortentscheidung getroffen.“

Diskutiert wird ein neues Messekonzept mit wechselnden Veranstaltungsorten. „Über den Jahreswechsel müssen wir schon in die Richtung kommen: So soll es ausschauen“, sagte Mattes, der seinen Rücktritt als VDA-Präsident zum Jahresende angekündigt hat.

Trotz Besuchermangel spricht Mattes von erfreulicher Bilanz

Bis zum Abschluss der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) am Sonntagabend erwartet der VDA „deutlich mehr als eine halbe Million“ Besucher. Bei ihrer vorherigen Auflage 2017 zählte die Messe noch 810.000 Besucher. „Dass diese IAA mit ihrer geringeren Zahl an ausstellenden Automobilmarken weniger Besucher als 2017 ausweisen würde, hatten wir erwartet“, sagte Mattes. Wichtige Hersteller aus Japan, den USA, Frankreich und Italien fehlten.

Dennoch bezeichnete Mattes die diesjährige Bilanz als „durchaus erfreulich“. Und weiter: „Die IAA 2019 stimmt uns optimistisch. Sie ist so breit aufgestellt wie noch nie: mit Tech-Unternehmen wie Microsoft und Google, mit Mobilitätsdienstleistern und Start-ups – und natürlich mit Herstellern und Automobilzulieferern. Die IAA transformiert sich von einer reinen Automesse zu einer umfassenden Mobilitätsplattform.“

Wie nie zuvor nutzten aber gerade Klimaaktivisten und Umweltschützer die IAA als Plattform für Kritik an der Automobilbranche. Tausende Menschen protestierten für autofreie Städte, kostenlosen öffentlichen Nahverkehr und den Ausbau von Fahrradwegen. Zusätzlich angeheizt wurde die Debatte durch einen Unfall mit einem SUV in der ersten September-Woche, durch den in Berlin vier Fußgänger ums Leben kamen. Autogegner verlangen von der Industrie nicht nur die Entwicklung von mehr reinen Elektroautos, sondern auch leichtere und kleinere Wagen.

Mattes spricht von überhitzter SUV-Diskussion

„Die Attacken, die in den vergangenen Wochen gegen das Auto und insbesondere gegen den SUV geritten wurden, sind Zeichen einer überhitzten Diskussion“, befand Mattes. Der Industrie gehe es darum, beides zu erreichen: Klimaschutz und individuelle Mobilität. Der schwierige Umbruch von Verbrennern zu massentauglicher Elektromobilität dominierte denn auch die diesjährige IAA. Viele Aussteller präsentierten neue Antriebskonzepte und Techniken, um den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu verringern.

Die Branche mit mehr als 800.000 direkt Beschäftigten in Deutschland steht unter Druck. Unklar ist derzeit noch, wer den einflussreichen Lobbyverband VDA künftig führen wird. Klar ist: Für den früheren Ford-Deutschland-Chef Mattes war es die erste und zugleich letzte IAA als VDA-Präsident.

Wenige Stunden nach der offiziellen Eröffnung der diesjährigen Messe an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 12. September hatte Mattes seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt. Grund soll Kritik an seiner Amtsführung von Herstellerseite gewesen sein. Mattes ist seit März 2018 VDA-Präsident. Als möglicher Nachfolger wurde in Medienberichten EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger genannt.

Im Vorfeld der Eröffnungsfeier hatte es auch noch Ärger um die Rolle von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gegeben: Anders als in den Vorjahren war der OB nicht als Redner vorgesehen. Feldmann veröffentlichte seinen mit Kritik an der Autoindustrie gespickten Redetext dann aber doch. Mattes betonte, das Gesprächsangebot des VDA an Feldmann stehe weiterhin: „Wir haben keine Scheu vor Kritik.“

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46148282)