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Kongress „Kraftwerk Batterie“ diskutiert die Batterie der Zukunft

| Autor / Redakteur: Gerald Scheffels / Michael Ziegler

Der Kongress „Kraftwerk Batterie“ informierte über neue Entwicklungen in der Elektrochemie, die zu neuen Batterietypen und höheren Reichweiten führen sollen. Darüber hinaus gab es interessante Zahlen und Daten über den chinesischen Markt der Elektromobilität.

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Auf dem Kongress „Kraftwerk Batterie“ trafen sich über 400 Batterieforscher und Antriebsexperten in Aachen.
Auf dem Kongress „Kraftwerk Batterie“ trafen sich über 400 Batterieforscher und Antriebsexperten in Aachen.
(Foto: Haus der Technik)

Unter dem Titel „Kraftwerk Batterie“ trafen sich Ende Februar weit über 400 Batterieforscher und Antriebsexperten der Automobilindustrie in Aachen, um sich über aktuelle Entwicklungen der Batterietechnik auszutauschen. Der zweitägige Kongress fand bereits zum fünften Mal statt und wechselt jährlich zwischen Aachen und Münster.

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Dafür gibt es einen einleuchtenden Grund: In Aachen befindet sich das Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe (ISEA) der RWTH, und in Münster ist das Batterieforschungszentrum MEET (Münster Electrochemical Energy Technology) beheimatet. Die Leiter beider Institute, Prof. Uwe Sauer (ISEA) und Prof. Martin Winter (MEET) sind die wissenschaftlichen Leiter des Kongresses.

Verkleinerte Zielmarke

In den Parallelsitzungen befassten sich Forscher u. a. mit Neuentwicklungen bei Elektrodenwerkstoffen, mit dem Batteriemanagement und neuen Batteriearten, aber auch mit der Produktionstechnik. Die Plenarvorträge erlaubten einen größeren Überblick über einzelne Bereiche der Elektromobilität.

So konnten die Teilnehmer schon im Grußwort der Tagung erfahren, dass die Bundesregierung vom Ziel abgerückt ist, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. 600.000 sollen es nun sein, berichtete Liane Horst, Referatsleiterin im Bundesforschungsministerium. Immerhin sind viele Millionen Euro in den Ausbau der Forschungslandschaft geflossen, und es besteht nach wie vor die Absicht, Deutschland zum Leitanbieter für Elektromobilität zu entwickeln.

China als leuchtendes Vorbild

China wird immer als leuchtendes Vorbild für die Elektromobilität herangezogen. Im Jahr 2015 sollen dort bereits 500.000 Elektromobile auf den Straßen rollen. 2020 sollen es bereits fünf Millionen sein, die – das überrascht nicht – zum überwiegenden Teil im eigenen Land gefertigt werden.

Dr. Hao Li vom chinesischen Consulting-Unternehmen HCA gab auf dem Kongress einen Überblick über die Entwicklung der Elektromobilität in China. Von einer Gesamtproduktion von 19,3 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2012 waren nur 12.552 elektrisch angetrieben (Hybridfahrzeuge eingerechnet). Das entspricht einem Anteil von gerade einmal 0,09 Prozent. Aber: Dieser Anteil lag 2011 erst bei 0,05 Prozent. Der Anstieg ist also relativ steil, wenn auch auf niedrigem Niveau. Interessant ist auch, dass die Produktion von Hybridfahrzeugen von 2011 auf 2012 gesunken ist – von 2.713 auf 1.311 Fahrzeuge.

Insgesamt sind in China rund 27.400 Elektrofahrzeuge unterwegs. Davon entfallen zirka 23.000 Einheiten auf Kommunalfahrzeuge sowie den öffentlichen Transport und nur rund 4.400 auf Pkw. Dem relativ geringen Bestand steht ein reiches Angebot von Fahrzeugen gegenüber: Im Juli 2012 konnte der chinesische Pkw-Käufer aus 49 elektrisch betriebenen Pkw wählen. Zu den Anbietern gehören BYD, Dongfeng und Geely, deren Fahrzeuge alle Lithium-Eisenphosphat-Batterien nutzen.

Im Juni 2012 hat die chinesische Regierung einen Plan verabschiedet, der zahlreiche Anreize zum Kauf und zur Nutzung von Elektrofahrzeugen vorsieht sowie Milliardeninvestitionen in die Technologieentwicklung und die Infrastruktur. Zu den Zielen gehört, dass die Hersteller die gesamte Prozesskette der Batterieproduktion beherrschen. Auch die Reichweite der Fahrzeuge ist definiert: 2020 sollen es 200 km bis 500 km sein. Die deutschen Wettbewerber müssen sich also anstrengen, zumal die Förderprogramme hierzulande nicht milliardenschwer sind. Und immerhin gibt es in China schon rund 25 ernstzunehmende Hersteller von Lithium-Batterien für Elektrofahrzeuge.

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