60 Jahre Automobil Industrie

Mahle: 100 Jahre Kolben und Antriebsstrang

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Entwicklung der Ladeluftkühlung

Ein erstes erfolgreiches Beispiel für die Synergieeffekte ist die Entwicklung der Ladeluftkühlung. Ausgangspunkt war ein indirektes Ladeluftkühlsystem, das Behr vor einigen Jahren zur Optimierung des Ladungswechsels von Downsizing-Motoren entwickelte. Es senkt mit einem separaten Kühlmittelkreislauf die Temperatur der Ladeluft effektiver als eine direkte Ladeluftkühlung in der Fahrzeugfront. Die nächste Evolutionsstufe war eine integrierte indirekte Ladeluftkühlung. Hier ist der eigentliche Ladeluftkühler schon in das Saugrohr – ein originäres Mahle-Produkt – integriert, was den Druckverlust der Ladeluft und das Package des Systems verringert und das Ansprechverhalten des Motors verbessert.

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Die kältemittelunterstützte Ladeluftkühlung

Noch einen Schritt weiter geht die kältemittelunterstützte Ladeluftkühlung (iCAS = Integrated Charge Air Subcooling), bei der der Ladeluftkühler im Saugrohr direkt an den Kältemittelkreislauf des Fahrzeugs angeschlossen ist. Durch die Vernetzung von Ladeluftkühlung und Klimatisierung lässt sich die Ladeluft unter das Niveau der Umgebungstemperatur kühlen. Das Resultat: ein deutlich besseres Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen und somit mehr Fahrspaß ohne Mehrverbrauch. Mit dem im Juni 2015 abgeschlossenen Zukauf der Thermomanagement-Sparte von Delphi schließt Mahle eine Lücke, die im früheren Mahle/Behr-Portfolio vorhanden war: Klimakompressoren. Denn die Kunden fordern zunehmend Komplettsysteme inklusive Systemauslegung. Klimakompressoren sind außerdem eine der Komponenten, die im Zuge der Einführung elektrischer Antriebsstränge eine signifikante Weiterentwicklung erfordern.

Impulse für die Elektrifizierung

In Richtung Elektrifizierung zielen auch weitere strategische Akquisitionen, die Mahle in jüngerer Vergangenheit tätigte. So hat der Zulieferer im September 2014 das slowenische Unternehmen Letrika übernommen. Es stärkt seitdem die Mechatronikkompetenz und bietet mit seinen Komponenten (Elektromotoren, Generatoren, komplette elektrische Antriebssysteme) die Option für effiziente Antriebskonzepte aus einer Hand. „Ein Schwerpunkt sind dabei elektrifizierte Nebenaggregate, etwa für Hybridfahrzeuge. Da bei ihnen keine mechanische Verbindung zum Verbrennungsmotor mehr vorhanden ist, arbeiten sie mit besonders hohem Wirkungsgrad – und das nur, wenn sie tatsächlich benötigt werden“, präzisiert Wolf-Henning Scheider. Ein anderer Schwerpunkt von Letrika sind elektrische Traktionsmotoren für kleine Straßenfahrzeuge und Industrieanwendungen.

Zukäufe für weitere Themenfelder

Eine weitere Ergänzung ist die vollständige Übernahme des japanischen Unternehmens Kokusan Denki. Es entwickelt und fertigt zum Beispiel elektrische Gleichstrommotoren für ABS und ESP sowie zur Lenkungsunterstützung, Zündungskomponenten, Generatoren und Kraftstoff-Einspritzsysteme für Kleinmotoren. Die Akquisition des innovativen Kleinunternehmens Amovis GmbH zielt darauf ab, die Abgaswärme-Rückgewinnung gesamtsystemisch im Hause Mahle darstellen zu können. Dieser auch Rankine-Zyklus genannte Dampfprozess nutzt die Abwärme von Verbrennungsmotoren, um elektrische oder mechanische Energie zu erzeugen. Damit lässt sich beispielsweise bei Nutzfahrzeugen der Verbrauch um bis zu vier Prozent senken.

Motorsysteme, Filtration, Elektrik und Mechatronik sowie Thermomanagement: Mahle hat sich vom Kolbenspezialisten zu einem vielseitigen Partner für Systemlösungen im Fahrzeug entwickelt und ist Treiber zukunftsweisender Technologien für die effiziente Mobilität. Mit circa 11,5 Milliarden Euro Umsatz (Prognose 2015) und mehr als 75.000 Mitarbeitern weltweit ist das Unternehmen heute ein wichtiger Entwicklungspartner der Automobil- und Motorenindustrie.

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