CES 2018

MBUX: Revolution für das Mercedes-Cockpit

| Autor / Redakteur: Christian Otto / Lisa Marie Waschbusch

Mit dem auf der CES vorgestellten Multimediasystem MBUX rundet Mercedes-Benz das Interieurkonzept der neuen A-Klasse ab. Das System ist intuitiv und selbstlernend.
Mit dem auf der CES vorgestellten Multimediasystem MBUX rundet Mercedes-Benz das Interieurkonzept der neuen A-Klasse ab. Das System ist intuitiv und selbstlernend. (Bild: Daimler)

In der Kompaktklasse will Mercedes mit der neuen A-Klasse den Standard setzen. Im Innenraum reichen dafür ein tolles Design und hochwertige Materialien nicht mehr aus: Das Nutzererlebnis durch Konnektivität ist entscheidend.

Der Innenraum der Zukunft kommt ohne Connectivity-Lösungen nicht mehr aus. Aufwendiges Design trifft dort auf ausgeklügelte Technik. Letzterer wird nun mehr Raum gegeben. Mercedes-Benz splittete die Vorstellung des neuen Innenraums der A-Klasse in zwei Termine: Während das Interieur vom Gestühl bis hin zum aufwendig gestalteten Armaturenbrett für die Presse Ende November 2017 in der Nähe von Stuttgart zu begutachten war, wählte der OEM für die Präsentation des künftig darin eingebetteten Multimediasystems die wirklich große Bühne: die Consumer Electronics Show in Las Vegas Anfang Januar 2018. Dort kündigte er das MBUX genannte System als nichts Geringeres als die „Revolution im Cockpit“ an.

Versprochene Revolution

Schon der Name MBUX soll signalisieren, dass Mercedes das Nutzererlebnis – also die User Experience (UX) – in den Mittelpunkt stellt. Das passte natürlich perfekt ins Umfeld der eigentlich auf Konsumentenelektronik ausgerichteten Messe. Bereits die Vorstellung des Interieurs ohne das Multimediasystem zeigte: Mercedes ist es gelungen, den Innenraum des erfolgreichen Kompaktmodells enorm aufzuwerten: So betonten die in Stuttgart versammelten Designer immer wieder das „neue Raumgefühl“. Ausschlaggebendes Element dafür ist die Instrumententafel: Der Grundkörper des größten Interieur-Bauteils ähnelt einem Flügel, der nicht mehr durch eine Hutze oder andere Elemente unterbrochen wird. Die Instrumententafel ist in zwei horizontale Volumenkörper aufgeteilt, die ein optischer „Graben“ trennt. Der untere Körper scheint dabei vor der Tafel zu schweben – ein Effekt, den die Ambientebeleuchtung noch verstärkt.

Auf dem Unterteil der Instrumententafel sind die Lüftungsdüsen in Turbinenoptik sowie das völlig freistehende Widescreen-Display platziert. Dieses ist in drei Ausführungen zu haben. Maximal sind zwei 10,25-Zoll-Displays à 26 cm bestellbar.

Ein Design-Update haben auch andere wichtige Bestandteile des Innenraums erhalten: Das Dreispeichenlenkrad wurde neu gestaltet, und Türgriffe, Mittelkonsole sowie die nun schmaler geschnittenen Sitze fügen sich in das hochwertige Gesamtbild. Bei den Sitzen wollten bereits die Entwickler den späteren Komfort sicherstellen und simulierten sie computergestützt per CAD-Daten. Die Kunden profitieren davon: Erstmals können sie auch bei den Kompakten von Mercedes eine Sitzklimatisierung und ein Multikontursitzpaket ordern.

Überzeugendes Probesitzen

Beim Probesitzen im außen noch getarnten Fahrzeug fiel vor allem das Plus an Platz auf. Mehr Schulter- , Ellbogen und Kopffreiheit sowie ein einfacher Einstieg in den Fond lassen vermuten, dass man aus der Kritik der bisherigen Kompaktklasse-Kunden gelernt hat. Gleiches gilt für die Rundumsicht: Insgesamt konnte die Verdeckung um zehn Prozent reduziert werden. Die A-, B- und C-Säulen mitsamt Verkleidungen fallen nun schlanker aus. Der größere Kofferraum bietet mehr Nutzwert. Er kann nun 370 Liter fassen. Um es greifbar zu machen: Gegenüber dem Vorgänger lassen sich zwei zusätzliche Getränkekisten unterbringen.

Nutzerfreundlich zeigt sich auch das in Las Vegas vorgestellte MBUX. Allerdings sind es dort keine Bauraumvorteile, sondern es ist die Lernfähigkeit des Systems, von dem Fahrer und Passagiere profitieren sollen. Stichwort: künstliche Intelligenz. Die Aktualität des Systems sollen „Over the Air“-Updates ermöglichen. Auch die Konnektivitätssysteme sollen eine neue Qualität erreichen. MBUX hat Daimler zusammen mit dem Zulieferer Harman entwickelt. Das System soll künftig in allen neuen Mercedes-Benz-Modellen integriert sein, Facelifts ausgenommen.

Bedienvielfalt

Als Bedienoberfläche und zur Darstellung aller relevanten Informationen dient das hochauflösende Widescreen-Cockpit mit Touchscreen-Funktion. Daneben kann der Fahrer über ein Touchpad auf der Mittelkonsole und Touch-Control-Buttons im Lenkrad Eingaben vornehmen. Das Bedienkonzept auf dem frei stehenden Widescreen-Cockpit umfasst drei Ebenen mit steigender Informationsdichte: Auf der ersten Ebene befindet sich der sogenannte Homescreen. Dort werden neben den frei wählbaren Hauptapplikationen (zum Beispiel Telefon, Navigation und Radio) die wichtigsten Informationen (wie Ankunftszeit, aktuell gespielter Song etc.) angezeigt.

Die nächste Ebene – der Basescreen – bietet die Anzeige und Bedienung jeweils einer Seite Hauptapplikation, wie beispielsweise Media und Navigation. Die jeweils wichtigsten Informationen und Bedienoptionen werden auf dieser Ebene präsentiert. Funktionen wie Ziel- oder Musiksuche sind am unteren Rand des Bildschirms gruppiert. Für selten genutzte Informationen und Einstellungen ist auf der letzten Ebene das Untermenü vorgesehen. „Die Bedienung des Systems sollte so einfach wie bei einem Mobiltelefon sein“, beschreibt Dr. Christian Hort, Vice President und General Manager der Harman-Business-Unit Daimler, das Entwicklungsziel.

Spielkonsolen-Chip

Nahezu völlig nach persönlichen Vorlieben soll sich auch das volldigitale Kombiinstrument konfigurieren lassen. Im Fullscreen-Modus wird die gesamte Fläche des Instruments für die Darstellung von Assistenz, Reise oder Navigation genutzt. Dank MBUX kann der Nutzer Fahrzeugfunktionen intuitiv bedienen: So kann er etwa 3-D-Darstellungen des Autos auf dem Bildschirm in Echtzeit drehen und heranzoomen. Die Einstellungen ändert er per Fingertipp auf das 3-D-Automodell. Das Scrollen durch Menüs entfällt. Das System visualisiert unmittelbar, wie sich die veränderten Einstellungen auswirken. Ein leistungsfähiger Nvidia-Grafik-Chip, der bisher nur in Spielekonsolen zum Einsatz kam, treibt das System an.

Auch bei der Sprachbedienung möchte Daimler neue Standards setzen: Statt bestimmte feststehende Befehle zu nutzen, soll die sogenannte Linguatronic der MBUX laut Unternehmen auf fast jedes Wort gehorchen und nahezu alle Sätze aus den Infotainment-Bereichen sowie der Fahrzeugbedienung erkennen und begreifen. Schlüssel dafür ist das natürliche Sprachverstehen. Basis ist die Spracherkennung von Nuance Communications. Aktiviert wird die Sprachassistenz entweder per Taste am Lenkrad oder mit dem Kommando „Hey Mercedes“. Auch indirekte Sprache wird erkannt, wenn der Nutzer zur Steuerung der Klimatisierung etwa sagt „Mir ist kalt“ statt des eindeutigen Befehls „Temperatur auf 24 Grad“.

Die Sprachbedienung ist laut Daimler lernfähig: Zum einen stellt sie sich auf den Benutzer und seine Stimme ein und versteht auch Nicht-Muttersprachler immer besser; zum anderen lernen die Software-Modelle auf dem Server mit der Zeit neue Modewörter oder einen geänderten Sprachgebrauch. Das System antwortet zudem nicht mehr stereotyp, sondern variiert ebenfalls bei der Dialogausgabe.

KI fürs Navi

Durch eine Vorhersagefunktion antizipiert MBUX, was der Nutzer als nächstes gerne hätte. Erkennt das Navigationssystem beispielsweise eine öfter befahrene Route, wird schon im Hintergrund die Navigation zu diesem Ziel gestartet. Das System bietet dann beispielsweise das Fitnessstudio auf dem Navi-Bildschirm an, und der Fahrer braucht dieses nur noch zu bestätigen. Schon stehen ihm alle Informationen zur Strecke – etwa Stauwarnungen – zur Verfügung. Durch diesen Einsatz künstlicher Intelligenz entwickelt sich das Auto zum persönlichen Assistenten des Fahrers.

Die erlernten persönlichen Informationen sollen im Speicher des Fahrzeugs verbleiben und nicht etwa mittels Cloud auf andere Systeme gelangen. Der Hersteller habe keinen Zugriff auf die Daten. Wird das Auto verkauft, könne der Besitzer die Informationen auf einem USB-Stick sichern und so auf seinen neuen Mercedes übertragen. Auch Augmented Reality kommt bei der Kartendarstellung des Navigationssystems zum Einsatz. Ein mit Hilfe der Frontkamera aufgenommenes Videobild der Umgebung wird dabei um Navigationsinformationen angereichert. Zum Beispiel werden Hinweispfeile oder Hausnummern automatisch direkt ins Bild auf dem Touchscreen eingeblendet. Das soll es dem Fahrer erleichtern, eine bestimmte Hausnummer oder die richtige Seitenstraße zum Abbiegen zu finden.

Ob Mercedes das Cockpit wirklich revolutioniert hat, und die kommende A-Klasse zur Verlängerung der digitalen Lebenswelt ihrer Fahrer und Passagiere wird, müssen die Nutzer entscheiden. Für sie dürfte es wichtig sein, dass sie die gewohnten Funktionen ihrer mobilen Endgeräte auch im Fahrzeug uneingeschränkt abrufen können. In jedem Fall ist es dem OEM aber gelungen, einen neuen Standard im Kompaktsegment zu setzen.

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