CES 2018

MBUX: Revolution für das Mercedes-Cockpit

| Redakteur: Christian Otto

Mit dem auf der CES vorgestellten Multimediasystem MBUX rundet Mercedes-Benz das Interieurkonzept der neuen A-Klasse ab. Das System ist intuitiv und selbstlernend.
Mit dem auf der CES vorgestellten Multimediasystem MBUX rundet Mercedes-Benz das Interieurkonzept der neuen A-Klasse ab. Das System ist intuitiv und selbstlernend. (Bild: Daimler AG)

Die kommenden Fahrer der A-Klasse und der Kompakten von Mercedes-Benz dürfen sich freuen: Das neue und jetzt auf der CES vorgestellte Multimediasystem wird sich noch stärker auf den Nutzer ausrichten – Künstliche Intelligenz sei Dank.

Mercedes-Benz ist der einzige deutsche OEM, der auf der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas im großen Stil vertreten ist. Und der Stuttgarter Hersteller hat auch allen Grund, sich das kostspielige Stelldichein vor Ort zu leisten, denn die schon länger angekündigte Weltpremiere des neuen Multimediasystems MBUX stand an. Für Mercedes-Benz ist es nicht weniger als die „Revolution im Cockpit“.

Schon der Name MBUX soll signalisieren, dass Mercedes das Nutzererlebnis – also die User Experience (UX) – in den Mittelpunkt stellt. Das passt natürlich ins Umfeld einer eigentlich auf Konsumentenelektronik ausgerichteten Messe. Und MBUX ist nicht nur eine Zukunftsstudie, sondern wird schon 2018 in der neuen A-Klasse in Serie gehen.

Dabei sollen die Nutzer vor allem von der Lernfähigkeit des Systems profitieren, das hierfür künstliche Intelligenz nutzt. Dem Namen und damit verbundenen Anspruch entsprechend ist das Multimediasystem individualisierbar und stellt sich auf den Fahrer und die Passagiere ein. Die notwendige Aktualität des Systems wird über Over the Air-Updates ermöglicht. Auch die Konnektivitätssysteme von Mercedes me erreichen eine neue Qualität.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Die klare Ausrichtung hin zum User betont auch Ola Källenius, Vorstandsmitglied der Daimler AG und verantwortlich für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung: „Neue Technologien müssen den Menschen in den Mittelpunkt stellen und sein Leben einfacher machen. Mit MBUX kombinieren wir deshalb intuitive und natürliche Bedienung mit intelligenter und lernender Software.“

Als Bedienoberfläche und zur Darstellung aller relevanten Informationen dient das hochauflösende Widescreen-Cockpit mit Touchscreen-Funktion, die Navigationsdarstellung mit Augmented-Reality-Technologie. Neben der haptischen Eingabe ist laut Hersteller auch eine intelligente Sprachsteuerung mit natürlichem Sprachverstehen möglich, die mit dem Schlüsselwort „Hey Mercedes“ aktiviert wird.

Kommende A-Klasse-Fahrer werden vor allem in den Genuss des neuen Touch-Bedienkonzepts kommen. Es umfasst einen Touchscreen, ein Touchpad auf der Mittelkonsole und Touch-Control Buttons im Lenkrad. Mercedes wirbt hier vor allem mit einem sehr intuitiven Bedienerlebnis und der geringeren Ablenkung des Fahrers.

Neue Raumarchitektur

Die Vorstellung des Multimediasystems ergänzt nun auch auf der Connectivity-Seite die Gesamtpräsentation des neuen A-Klasse-Interieurs. Die Neuerungen im Innenraum hatte Daimler schon Ende 2017 in der Nähe von Stuttgart präsentiert. Die Kompakten mit dem Stern sollen künftig mit dem von den Designern neudefinierten „Modern Luxury“ auf Kundenfang gehen. Das MBUX ist dabei in die neu gestaltete Instrumententafel integriert, die im Vergleich zum Vorgängermodell eine verbesserte und offene Raumarchitektur bieten soll.

Dort liegt ein tiefliegender Volumenkörper. Dieser sogenannte Flügel scheint optisch zu schweben, da es keinerlei Anbindungen oder Formübergänge zum restlichen Interieur gibt. Auch das Thema indirekte Beleuchtung wird durch das besondere Design verstärkt. Es entsteht ein ganz besonderes Lichtambiente, wenn die Instrumententafel von unten angeleuchtet wird. Die Mercedes-Benz-Designer ziehen hier den Vergleich zu Lichtinszenierungen an historischen Gebäuden bei Nacht.

Das Bedienkonzept auf dem frei stehenden Widescreen-Cockpit umfasst drei Ebenen mit steigender Informationsdichte: Auf der ersten Ebene befindet sich der sogenannte Homescreen. Dort werden neben den frei wählbaren Hauptapplikationen (z. B. Telefon, Navigation und Radio) die wichtigsten Informationen (wie Ankunftszeit, aktuell gespielter Song etc.) angezeigt.

Die nächste Ebene – der Basescreen – bietet die Anzeige und Bedienung jeweils einer Seite Hauptapplikation, wie beispielsweise Media und Navigation. Die jeweils wichtigsten Informationen und Bedienoptionen werden auf dieser Ebene präsentiert. Wichtige Funktionen wie Ziel- oder Musiksuche sind am unteren Rand des Bildschirms gruppiert. Für selten genutzte Informationen und Einstellungen ist auf der letzten Ebene das Untermenü vorgesehen.

Intuitive 3-D-Darstellung

Nahezu völlig nach persönlichen Vorlieben soll sich auch das volldigitale Kombi-Instrument konfigurieren lassen. Im Fullscreen-Modus wird die gesamte Fläche des Kombi-Instruments für die Darstellung von Assistenz, Reise oder Navigation genutzt. Durch MBUX kann der Benutzer Fahrzeugfunktionen intuitiv bedienen: 3D-Darstellungen des Autos auf dem Bildschirm lassen sich in Echtzeit drehen und heranzoomen. Die Einstellungen werden per Fingertipp auf das 3-D-Automodell geändert. Das Scrollen durch Menüs entfällt. Die Wirkung der geänderten Einstellungen wird unmittelbar visualisiert. Das System wird durch einen leistungsfähigen Nvidia Grafik-Chip angetrieben, der bisher nur in Spielkonsolen zum Einsatz kam.

Bei der Sprachbedienung möchte Daimler auch neue Standards setzen: Statt bestimmte feststehende Befehle zu nutzen, gehorche die Linguatronic der MBUX auf fast jedes Wort, erkenne und begreife nahezu alle Sätze aus den Infotainment-Bereichen und der Fahrzeugbedienung. Schlüssel dafür ist das natürliche Sprachverstehen. Beispielsweise wird „Scheint die Sonne morgen in Miami?“ jetzt ebenso verstanden wie „Brauche ich morgen eine Sonnenbrille in Miami?“ Aktiviert wird die intelligente Sprachassistenz entweder per Taste am Lenkrad oder mit dem Kommando „Hey Mercedes“. Auch indirekte Sprache wird erkannt, wenn der Nutzer zur Steuerung der Klimatisierung etwa sagt „Mir ist kalt“ statt des eindeutigen Befehls „Temperatur auf 24 Grad“.

Die Sprachbedienung ist laut Daimler lernfähig. Zum einen stellt sie sich auf den Benutzer und seine Stimme ein und versteht auch Nicht-Muttersprachler besser; zum anderen lernen die Software-Modelle auf dem Server mit der Zeit neue Modewörter oder einen geänderten Sprachgebrauch. Das System antwortet zudem nicht mehr stereotyp, sondern variiert ebenfalls bei der Dialogausgabe.

Lernender Assistent

Durch eine Vorhersage-Funktion antizipiert MBUX, was der Nutzer als nächstes gerne hätte. Wenn das Navigationssystem beispielsweise eine öfter befahrene Route erkennt, wird schon im Hintergrund die Navigation zu diesem Ziel gestartet. Das System bietet dann beispielsweise das Fitnessstudio auf dem Navi-Bildschirm an und der Fahrer braucht dieses nur noch zu bestätigen, und schon stehen ihm alle Informationen zur Strecke – etwa Stauwarnungen – zur Verfügung. Durch diesen gezielten Einsatz künstlicher Intelligenz entwickelt sich das Auto zu einem persönlichen Assistenten des Fahrers.

Auch das Thema Augmented Reality komme bei der Kartendarstellung des Navigationssystems zum Einsatz. Ein mit Hilfe der Frontkamera aufgenommenes Videobild der Umgebung wird dabei um Navigationsinformationen angereichert. Zum Beispiel werden Hinweispfeile oder Hausnummern automatisch direkt ins Bild auf dem Touchscreen eingeblendet. Das soll dem Fahrer zum Beispiel die Suche nach einer bestimmten Hausnummer oder das Finden der richtigen Seitenstraße zum Abbiegen erleichtern.

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