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Wirtschaft Medienbericht: Prevent klagt in Milliardenhöhe gegen VW

| Autor: Svenja Gelowicz

Nachdem Volkswagen im Zuge des Streits mit Prevent seine Lieferverträge mit dem Zulieferer gekündigt hat, bereitet dieser nun eine Milliardenklage gegen den Konzern vor.

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Prevent arbeitet eine Klage auf Schadenersatz in Milliardenhöhe gegen Volkswagen aus.
Prevent arbeitet eine Klage auf Schadenersatz in Milliardenhöhe gegen Volkswagen aus.
(Bild: VW)

Erst vor einer Woche machte die Schlagzeile die Runde, dass Volkswagen Mitarbeiter des Zulieferers Prevent ausspioniert haben soll: Der Konflikt zwischen den beiden Parteien schwelt mittlerweile seit gut zwei Jahren, es geht um die Nachwehen eines Lieferstopps 2016. Dieser hatte hohe Schäden und Risiken für die Wolfsburger zur Folge. Kürzlich hat der Konzern mehrere Aufträge des Zulieferers fristlos beendet, woraufhin Prevent Kündigungen und Kurzarbeit verkündete.

Prevent teilte mit, die außerordentliche Kündigung der Lieferverträge durch VW entbehre „jeder rechtlichen und ökonomischen Vernunft“. Der Zulieferer warf Volkswagen „schwerwiegenden Rechtsbruch“ vor – und dass juristische Maßnahmen in die Wege geleitet würden. Nun berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, dass die Klage auf Schadensersatz im Milliardenbereich liegen soll. Laut eines Prevent-Sprechers soll diese „in nächster Zeit“ eingereicht werden.

Die genaue Höhe stehe nicht fest, von zwei Milliarden Euro sei in der Branche die Rede. Außerdem komme eine Strafanzeige wegen „Eingehungsbetrug“ hinzu – weil VW nie vorgehabt habe, eine mit Prevent-Firmen eingegangene Vereinbarung auch einzuhalten, beruft sich die Zeitung weiter auf einen Prevent-Sprecher.

VW: Prevent-Klage entbehre „jeglicher Grundlage“

Laut des Herstellers VW entbehre die angekündigte Milliardenklage „jeglicher Grundlage“. Man sei im Jahr 2016 durch einen „rechtswidrigen Lieferstopp“ der Prevent-Töchter ES Guss und Car Trim in eine prekäre Lage gebracht worden. Nur wegen der damaligen Zwangslage – gemeint ist der Produktionsstopp in VW-Werken“, habe man sich auf ein Eckpunktepapier über eine weitere Zusammenarbeit mit der Prevent-Gruppe eingelassen, beruft sich die „Süddeutsche Zeitung“ auf Volkswagen. Weiter: „Die Tatsache, dass wir die Vereinbarung für anfechtbar halten, haben wir der Prevent-Gruppe von Anfang an mitgeteilt.“ Und deshalb liege auch kein „Eingehungsbetrug“ vor.

Prevent-Ausstieg kostet VW dreistelligen Millionenbetrag

Einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge kostet der Ausstieg bei Prevent den Konzern rund 200 Millionen Euro. Davon würden 159 Millionen Euro benötigt, um andere Zulieferer in die Lage zu versetzen, die Aufträge zu übernehmen, schrieb das Blatt unter Berufung auf eine interne VW-Präsentation. Hinzu kämen Schadenersatzforderungen in noch unbekannter Höhe. „Interne Unterlagen kommentieren wir nicht“, hieß es dazu bei VW. Der Autohersteller betonte seinerseits in einer Stellungnahme: „Volkswagen ist auf eine jederzeit planbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten angewiesen.“

Hintergrund: Zulieferer Prevent

Hinter dem Zulieferer Prevent steht die Investorenfamilie Hastor, die mit der gescheiterten Machtübernahme beim bayerischen Autozulieferer Grammer für Schlagzeilen gesorgt hat. Sie betreibt ein weit verzweigtes, internationales Geflecht von Beteiligungen an verschiedenen Firmen. Im Januar war bekannt geworden, dass Prevent einen weiteren Zulieferer übernommen hatte. Das Bundeskartellamt habe die Übernahme der saarländischen Halberg Guss mit ihren rund 3.000 Mitarbeitern durch die zu Prevent gehörende Castanea Rubra Assets GmbH genehmigt, teilte ein Sprecher der Investoren damals mit. Halberg produziert den Angaben zufolge in Saarbrücken, Leipzig und Kapstadt in Südafrika Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen für Autos und Lastwagen. Zu den Kunden gehören laut Firmenangaben alle großen Autohersteller, darunter auch VW.

In Brasilien hatte es ebenfalls Ärger mit einer Prevent-Tochter gegeben. Die Folge waren 160 Tage Produktionsstopp, ein Minus von 140.000 Fahrzeugen und Zwangsurlaub für rund 18.000 Beschäftigte. Bereits vor eineinhalb Jahren hatte der damalige VW-Konzernchef Matthias Müller angekündigt, die Lieferketten durchleuchten zu lassen, um beim Ausfall zentraler Partner die Schäden begrenzen zu können. Daimler liegt mit der Prevent-Gruppe in ähnlicher Weise im Clinch. Es geht um einen Schadenersatz-Streit um die Lieferung von Sitzbezügen.

Mit Material von dpa und „Süddeutsche Zeitung“

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin