Der Titel „Superstromer des Jahres“ dürfte ihm schon jetzt sicher sein. Das viertürige Mercedes-AMG GT Coupé sprengt als Elektrolimousine in Sachen Antrieb, Batterie und Ladeleistung alles bislang Dagewesene.
Das viertürige Mercedes-AMG GT Coupé sprengt als Elektrolimousine in Sachen Antrieb, Batterie und Ladeleistung alles bislang Dagewesene
(Bild: Mercedes-Benz)
Dass AMG zu Außergewöhnlichem fähig ist, hat die Mercedes-Performance-Tochter aus Affalterbach schon mehrfach unter Beweis gestellt. Erwähnt sei hier beispielsweise der One, ein straßenzugelassenes Hightech-Hypercar mit Formel-1-Technik (2022) oder der SLS Electric Drive (2013) mit seinen vier Elektromotoren.
Jetzt hat AMG erneut einen Superlativ auf die Räder gestellt. Die knapp fünf Meter lange Sportlimousine trägt die Bezeichnung Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé. Allein diesen Modellnamen auszusprechen, dauert in etwa schon so lange, wie der schwäbische Stromer den Sprint auf Tempo 100 hinlegt: 2,1 Sekunden. Und es geht unbändig weiter, die 200-km/h-Marke fällt nach nur 6,4 Sekunden. Nicht einmal Supersportwagen mit Hochleistungs-Achtzylinder schaffen diese Werte. Und selbst der über drei Millionen Euro teure AMG One muss hier passen.
Die Produktion des neuen AMG-E-Motors besichtigen
Wie entwickelt Mercedes-Benz Software und Prozesse für die Produktion? Das schauen wir uns an: In einer individuellen Werksführung im Digital Factory Campus in Berlin-Marienfelde; an dem auch der Axialfluss-Motor entsteht. Wir diskutieren darüber, wie humanoide Roboter und Künstliche Intelligenz die Fabrikwelt verändern – und was das für die Menschen in den Fabriken bedeutet. Außerdem: Best Practices für eine resiliente Lieferkette, Startup-Session, Ausstellung mit Produkten zum Anfassen; und Neues zu Datenanalyse, digitalem Zwilling, Edge Computing und VR und AR für den Shopfloor.
„Wir wollten nicht einfach das nächste austauschbare Elektroauto bauen“, sagt AMG-Chef Michael Schiebe, „das neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé ist eine absolute Hochleistungsmaschine, mit Innovationen, die in diesem Bereich bis dato ungeahnte Fahrleistungen ermöglichen.“
Der stärkste AMG aller Zeiten
Dem voraus gingen ungezählte Langstrecken-Dauerhaltbarkeits-Testläufe, unter anderem auf dem Hochgeschwindigkeits-Rundkurs im süditalienischen Nardo. Hier stellte AMG mit dem Technologieträger GT Concept XX im vorigen Jahr gleich 25 Rekorde auf, legte innerhalb von 24 Stunden nicht nur 5.479 Kilometer zurück, sondern setzte dem Ganzen gleich auch noch die absolute Marathon-Krone auf, indem man die Limousine knapp acht Tage durchrennen ließ. Am Ende standen 40.075 Kilometer auf dem Tacho, eine Strecke, die dem Erdumfang am Äquator entspricht.
Vieles der komplett neu entwickelten GT-XX-Technik – die 800-Volt-Plattform nennt sich AMG-EA – steckt nun im bis zu 300 km/h schnellen Serien-4-Türer-Coupé. Dazu gehören die sogenannten Axialfluss-E-Maschinen (AFM). Zwei dieser superkompakten und leichten Motoren sitzen an der Hinterachse, einer treibt bei Bedarf die Vorderachse an. Zusammen stellen sie eine Spitzenleistung von bis zu 860 kW bereit– und dies nicht nur einmal, sondern „viele Male hintereinander, ohne das die Batterie schlapp macht“, wie Entwicklungsvorstand Jürg Burzer es verspricht. Auch bei der Dauerleistung von 530 kW setzen die AMG-Ingenieure Maßstäbe. Sie bleibt für gut 30 Minuten konstant. Kein Wettbewerber kommt hier auch nur annähernd heran.
Damit eine solch hohe Performance überhaupt möglich ist, braucht es sehr spezielle Batteriezellen. AMG entschied sich für 2.660 Rundzellen in Zylinderform (26 x 105 Millimeter), deren Zellchemie (Nickel/Kobalt/Mangan/Aluminium) auf hohe Leistungsstabilität unter Dauerbelastung abgestimmt ausgelegt wurde. Ein spezielles Öl umfließt jede der Zellen direkt und soll eine gleichmäßige Temperaturverteilung gewährleisten.
Sportlichkeit mit Feinschliff
Um den Elektro-GT-Fahrer die Freude hinter dem Lenkrad nicht mit langen Ladestopps zu vermiesen, haben die AMG-Techniker auch auf diesem Feld professionelle Arbeit geleistet. An Reichweite sind bis knapp 700 Kilometer möglich. Geht’s an einen Ladepunkt, kann die Sportlimousine mit bis zu 600 kW Leistung versorgt werden. Entsprechende Säulen sind zwar noch dünn gesät, sollte der GT aber hier stoppen, sind in nur zehn Minuten rund 460 „frische“ Kilometer nachgeladen. Um die Batterie von zehn auf 80 Prozent ihrer Kapazität (netto 106 kWh) zu füllen, sollen nur elf Minuten vergehen. Der GT 4-Türer macht das Laden damit fast so schnell wie herkömmliches Tanken.
Wie die technische Basis des AMG 4-Türer-Coupé ist auch die Karosserie eine komplette Eigenentwicklung der Affalterbacher Mercedes-Tochter. Klares Statement: Sportlichkeit. Für eine optimale Aerodynamik sorgen Frontsplitter, Venturi-Elemente im Unterboden, Airpanels vorne, Seitenschweller, Heckspoiler und ein ausfahrbarer Heckdiffusor. Die Seitenspiegel setzten die Designer in Anlehnung an den Motorsport oben auf die Vordertüren. Insgesamt passen die Proportionen des GT-4-Türers gut, das Auto wirkt harmonisch und trotz seiner Größe von immerhin 5,09 Metern optisch kleiner. In den Kofferraum passen 415 Liter, die Rücksitzlehnen lassen sich jedoch umlegen, erhöhen so den Nutzwert deutlich.
Stand: 08.12.2025
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Apropos Rücksitze: Flachgehaltene Elektro-Limousinen und -Coupés stoßen beim Passagier-Komfort schnell an ihre Grenzen. Um im Fond des GT-4-Türes vernünftig sitzen zu können, verzichteten die AMG-Techniker auf Batteriekapazität und senkten im Fußbereich den Boden ab („Fußgaragen“).
Sound und Sportwagengefühl
Perfekt dagegen ist die Sitzposition hinter dem Lenkrad. GT-Feeling vom Feinsten, mit Ausrichtung der Displays zum Fahrer hin, breiter Mittelkonsole und optimal platzierten Fahrschaltern. Wenn jetzt das Fahrprogramm AMGForce S+ (eines von sieben) angesteuert wird, glaubt man nicht mehr, in einem (gewöhnlich leisen) Elektroauto zu sitzen. Stattdessen: Gänsehaut-Grollen aus alten Achtzylinder-Zeiten.
Doch wie woanders üblich einfach nur ein bisschen Sound elektronisch zu imitieren, erfasste man bei AMG den Klang eines echten V8-Motors in allen seinen Facetten, um in jeder Fahrsituation den exakt passenden Sound zu generieren, inklusive Beschleunigung, Gangwechsel und Spätzünd-Spratzeln. Und das Ganze eben mit der gleich lauten Geräuschkulisse wie in einem echten V8-GT.
Im Sommer startet in Sindelfingen die Produktion des Mercedes-AG GT 4-Türer Coupés. Für das Modell wurde extra eine Werkshalle entsprechend eingerichtet. Man rechnet mit einer hohen Nachfrage. Selbstredend, dass so viel Aufwand nicht für nur ein Modell gemacht wird. Auf der AMG.EA-Technologie sollen in den kommenden Jahren zwei weitere Modelle folgen: ein Full-Size-SUV und in SUV-Coupé. Warum? Weil es geht.