Nach dem Nutzfahrzeug-artigen eVito Tourer reicht Mercedes jetzt den Familien-Van EQV nach. Der beweist sich vor allem in der Stadt und weniger auf der Langstrecke.
Der Mercedes EQV steht ab rund 69.600 Euro in den Schauräumen der Händler.
(Bild: Daimler)
Erst kürzlich hat Mercedes den eVito Tourer vorgestellt – einen Personen-Transporter auf Nutzfahrzeug-Basis mit Elektroantrieb. Der elektrische Kastenwagen, der mit mageren 150 Kilometern Reichweite vor allem City-Lieferdienste ansprechen will, nutzt bereits die Technik des EQV 300.
Schon ab Tempo 120 steigt der Verbrauch so stark an, dass man freiwillig nur selten schneller fahren will.
Jetzt gibt der Nobel-Ableger auf V-Klasse-Basis selbst seinen Einstand – und macht seinen Anspruch als „erste elektrische Premium-Großraumlimousine mit Stern“ auch beim Preis deutlich. Während der eVito Tourer brutto bei unter 63.000 Euro startet, muss man für die schon seit geraumer Zeit bestellbare Elektro-V-Klasse mindestens 70.000 Euro hinlegen. Für die rund 7.000 Euro mehr gibt’s nochmal ein Extra-Portion Komfort und vor allem Pkw-Feeling, mit hochwertigeren Materialien, einem freistehenden 10,25-Zoll-Infotainment-Touchscreen und dem modernen MBUX-System inklusive Sprachassistent und Online-Zugang.
Der Preis – rund 17.000 Euro mehr als für eine ähnlich-starke Diesel-V-Klasse, von der er sich im Grunde nur am Kühlergrill unterscheidet – gilt für die mittlere von künftig drei angebotenen Längen-Varianten mit 5,14 Meter; die extralange 5,34-Meter-Version kostet nicht mal 1.000 Euro mehr, der Kurze ist noch nicht eingepreist. Immerhin: Da der EQV unter der 65.000-Euro-netto-Grenze bleibt, darf man 7.900 Euro Elektroauto-Prämie abziehen. Bleiben also knapp 62.000 Euro. Das ist für ein Familien-Auto immer noch ziemlich happig.
Vor allem aber: Wer sich für einen solchen Van entscheidet, will sicher nicht nur die Kinder in die Schule oder zum Fußballplatz bringen, sondern damit auch mal in den Urlaub fahren. Dafür sind die versprochenen 418 Kilometer Reichweite selbst auf corona-bedingten Inlandsreisen etwas knapp. Denn: In der Praxis, vollbeladen und auf der Autobahn, werden kaum mehr als 250, vielleicht 300 Kilometer am Stück machbar sein, und auch das nur mit gemächlichem Tempo und der Klimaanlage auf halber Kraft. Immerhin berechnet der Benz fortlaufend, welche Ziele noch erreichbar sind und schlägt Ladestopps vor.
Ist der wassergekühlte 90-Kilowattstunden-Akku im Fahrzeugboden leer, sind die Eltern gefragt: Die müssen dann, wenn ein mindestens 110 kW starker CCS-Ladeanschluss bereit steht, 45 Minuten lang mit dem Nachwuchs „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ an der Autobahnraststätte spielen, ehe der Energiespeicher wieder zu 80 Prozent gefüllt ist. An der Wechselstrom-Wallbox saugt der EQV elektrische Energie mit maximal elf kW, als Ladedauer gibt Mercedes positiv formulierte „weniger als zehn Stunden“ an.
EQV: MBUX kommuniziert mit Ladesäulen
Ein Jahr lang kommen EQV-Fahrer gratis in den Genuss des Mercedes „me Charge“-Angebots: Einer Ladekarte, die fast alle öffentlichen Steckdosen freischalten kann und mitunter Sonderkonditionen bei den Stromtarifen bietet; die Abrechnung erfolgt automatisch. Danach werden für den Dienst 99 Euro jährlich fällig. Praktisch: Auch das MBUX-System kann mit den Ladesäulen kommunizieren. Man kann also schon im Auto per Tastendruck die Steckdose freigeben und muss dann nur noch das Kabel anschließen; das wird unterhalb des linken Frontscheinwerfers eingestöpselt.
Neben Familien, deren Budget groß genug für ein zusätzliches Urlaubsauto ist, könnte der EQV vor allem Taxi-Fahrer – die den Extra-Hauch Luxus gegenüber dem eVito-Tourer genießen wollen –, Firmen-Fuhrparkmanager oder etwa Hotels ansprechen. Im City-Verkehr als Shuttle-Fahrzeug macht der bis zu achtsitzige Benz eine hervorragende Figur, hat genug Energie, um auch den ganzen Tag durchzuhalten und braucht sich in Sachen Wohlfühl-Ambiente nicht hinter den Stuttgarter Limousinen zu verstecken. Im Gegenteil: Das üppige Platzangebot steigert den Komfort eher noch.
2,8 Tonnen optional auf Luftfedern
Und wenn man sich für die knapp 2.200 Euro teure Luftfederung entschieden hat, schwebt der gut 2,8 Tonnen schwere EQV – allein das Akku-Pack bringt rund 700 Kilogramm auf die Waage – ziemlich geschmeidig über Trambahnschienen, Schlaglöcher und sonstige Großstadt-Herausforderungen; mit der klassischen Stahlfederung wirkt der Mercedes zwar nicht unkommod, aber deutlich unruhiger.
Stand: 08.12.2025
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Der Motor hat mit der Masse kein Problem: Im Normal-Modus und Sport-Betrieb mit schärferer Gaspedalkennlinie stehen maximal 150 kW/204 PS und 362 Newtonmeter Drehmoment bereit, die den EQV mühelos anschieben; das schaffen aber auch die reduzierten 100 kW/136 PS im Effizienz-Modus, und selbst die 80 kW/109 PS im E+-Modus reichen noch aus. Dann wird allerdings auch die Heiz- und Kühlleistung stark reduziert, um Energie zu sparen.
Praktisch: Neben der Möglichkeit, die Rekuperation – also das Verzögern durch Energie-Rückgewinnung – über die Schaltpaddel einzustellen, bietet auch der EQV einen Auto-Modus. Dann nutzt das System unter anderem die Navigations-Daten und Kamera-Infos über den Straßenverlauf, und steuert das Abbremsen beziehungsweise Dahinrollen, also „Segeln“, bedarfsgerecht.
Übrigens: In Sachen Vmax beschränkt Mercedes den EQV serienmäßig auf 140 km/h, optional sind 160 Sachen drin. Ist das nötig? Nein – denn schon ab Tempo 120 steigt der Verbrauch auf der Autobahn so stark an, dass man freiwillig wohl nur selten schneller fahren will.