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Fahrbericht Mini Cooper SE – jetzt mit Sprit aus der Steckdose

| Autor/ Redakteur: Peter Maahn/SP-X / Jens Scheiner

Der Mini wird elektrisch, elektrisiert aber erst einmal nur den Fahrer. Passanten drehen sich nicht um. Warum auch? Optisch hat sich nicht viel geändert. Die Neuerungen stecken im Detail – und unter dem Blech.

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Den Mini Cooper gibt es nun auch als Elektroauto.
Den Mini Cooper gibt es nun auch als Elektroauto.
(Bild: Mini)

In Florida scheint die Sonne und das Thermometer schrammt auch im Januar die 30-Grad-Marke. Trockene Straßen statt überfrierendem Asphalt, blauer Himmel statt Hochnebel-Suppe, cool ist nur die Sonnenbrille und die Klimaanlage. Und das Auto natürlich. Der ur-englische Mini, längst mit deutscher BMW-Technik unterwegs, gilt vor allem in den trendigen US-Staaten wie Kalifornien und auch Florida als Kultmobil. Und jetzt darf er auch zwischen den Teslas rumstromern.

Ein rein elektrischer Mini und niemand dreht sich um. Erst, wenn er mit einer der schnell gefundenen Ladesäulen verkabelt ist, haben Passanten oder Vorbeifahrer einen Aha-Effekt. Denn das Elektrische am Mini ist gut im gewohnten Kleid versteckt. Um ihn zu kennzeichnen, haben die Designer in den Topf mit gelber Farbe gegriffen.

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Kein Sorge, Verwechslungsgefahr mit Postautos besteht nicht. Das warme Gelb ziert nur die Gehäuse der Außenspiegel, einen Mittelsteg auf der Abdeckung des einstigen Kühlergrills und die Oberfläche eines speziellen Logos am Heck. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt die Farbigkeit auch noch als dünne Umrandung der 16-Zoll-Alu-Räder. Wer das alles nicht will, braucht den Schmuck bei der Bestellung nicht ankreuzen und fährt dann optisch einen Mini wie jeden anderen.

Ein weiterer Unterschied beim neuen Cooper SE ist ebenfalls dezent. Um die 32,6 kWh-Batterien so unterzubringen, dass kein Kofferraumvolumen verloren geht, ist der Mini um 1,8 Zentimeter höher gelegt. Damit das vertraute Bild dennoch nicht angekratzt wird, trägt er leicht veränderte Karosserieteile an Bug und Heck und rund um die Radkästen. Die sympathische Mogelei der Designer fällt wirklich nicht weiter auf. Britisches Understatement statt Elektrostolz: So sind sie nun mal, unsere bald ehemaligen europäischen Mitbürger.

Angepasste digital Anzeigen

Das Exzentrische lauert wie gewohnt im Innenleben. Das Design des kreisrunden 8,8-Zoll-Zentralmonitors der Mitte gleicht dem aller Minis. Das 5,5-Zoll-Gehäuse der Anzeigen im direkten Blickfeld wurde verändert und beherbergt jetzt Infos, die für E-Autos wichtiger sind als die Drehzahl. Wie viel der verfügbaren Kraft des 135 kW/184 PS starken E-Motors wird gerade genutzt und wie viel Prozent der Reichweite bleibt noch übrig. Da muss die Tempoanzeige auf digitale Zahlen ausweichen. Bekannt auch das Quintett an Kipp-Schaltern unterhalb des Monitors. Sie beweisen spätestens nach dem Losfahren ihre besondere Bedeutung. Vor allem der zweite von links.

Das Erlebnis des lautlosen Starts bieten alle E-Autos. Nur bei geöffnetem Fenster ist das künstliche Motorschnarren zu hören, dass Passanten vor der stillen Gefahr warnen soll. Sofort ist die Power erlebbar, ein kräftiger Tritt bringt den Mini ohne Schaltrucke ins Galoppieren. Nur sanfte Behutsamkeit des rechten Fußes bewahrt im Stadtverkehr vor Aufmerksamkeit uniformierter Tempowächter. Neulinge haben die Zurückhaltung schnell gelernt, das Mitschwimmen im dichten Miami-Verkehr zwischen den dicken SUVs und den Monster-Pick-ups bringt bereits den Fahrspaß des Elektro-Zeitalters.

Bremsen mit dem Gaspedal

Und dann die geheimnisvolle zweite Taste von links. In der ersten ihrer beiden Stufen ist alles so, wie einst in der Fahrschule gelernt. Vor der in den USA immer weit oben hinter der Kreuzung hängenden Ampel Gaspedal lupfen und den Mini rollen lassen. Dann brav mit Hilfe der Bremse zum Stehen kommen. Die zweite Tastenstufe bietet den „One-Pedal-Modus“, der beim Mini besonders ausgeprägt ist. Nur noch das Gaspedal ist gefragt. Beim E-Auto-Pionier Nissan Leaf ist das übrigens ähnlich.

Ein Beispiel ist eben jene Annäherung an eine Ampelkreuzung: Wird das Gaspedal wie gewohnt gelupft, verzögert der Mini schlagartig, kommt viel zu früh und unerwartet dank der heftigen Bremswirkung des E-Motors zum Stillstand, aktiviert dabei aber die Bremsleuchten. Dennoch ist wütendes Gehupe der überraschten Fahrer hinter dem Mini durchaus verständlich. Also muss geübt werden, wann und wie gefühlvoll je nach eigenem Tempo und Abstand zum Vordermann das rechte Pedal entlastet werden muss.

Kein Abstandsradar an Bord

Wer den Bogen nach ein paar Stadtkilometern raus hat, kann das Prinzip auch auf dem sechsspurigen Freeway anwenden. Elektronische Hilfe wie beim bekannten Abstandsradar darf er dabei nicht erwarten. Der würde sich laut eines Mini-Ingenieurs nur mit noch aufwendigerer Elektronik und Sensortechnik mit dem „Ein-Pedal-Modus“ vertragen. Also bieten die Engländer diese Art des automatischen Abstandshalten erst gar nicht an.

Unterm Strich, ob mit gedrückter Taste oder ohne, fährt sich der erste elektrische Mini genauso problemlos und souverän wie die anderen Stromer. Vorausgesetzt, dass der stechende Sport-Hafer gezähmt bleibt. Denn volles Rohr auf der linken Spur auch im teilweise noch tempolimit-losen Deutschland sollte nicht sein Ding sein. Die Spitze ist auf 150 km/h begrenzt, der Reichweite wegen. Selbst auf dem Florida Turnpike, der Mautautobahn zwischen Miami und Orlando, schmilzt bei erlaubten 70 Meilen (112,6 km/h) der Batterievorrat bei freier Fahrt sichtbar dahin.

Aber auch der Cooper SE ist halt ein Mini und der ist nun mal so eng mit dem Begriff „Stadtauto“ verbunden wie sonst nur der Smart. Im Schnitt bewegen auch Mini-Fahrer ihr kultiges Designstück täglich weniger als 40 Kilometer weit, zumeist in und aus der Stadt heraus. Die Benutzung von Montag bis Freitag lässt also viel Luft für die Akkukapazität von mindestens 230 Kilometern. Die Normangabe von 270 Kilometern ist in der Praxis kaum zu schaffen. Das Wochenende und die Tour zur Oma aufs Land will also geplant werden. Wer eine Schnellladesäule mit 50 kW per App ins Kalkül zieht, ist nach 35 Minuten wieder mit zu 80 Prozent aufgefrischter Batterie auf Achse. Meist aber wird auch der Mini daheim an die Wallbox angedockt übernachten.

Ab 32.500 Euro

Ein Schnäppchen waren Minis noch nie. Auch der Cooper SE reißt mit 32.500 Euro zunächst ein großes Loch in die Haushaltskasse. Mit einigen Extras mehr kommen schnell ein paar Tausender dazu. Abziehen kann man aber die Boni von Staat und Autoindustrie. Minus 6.000 Euro an Beihilfe erleichtern vielleicht manche Entscheidung.

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