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Notbremsassistenten

Mit Laser und Radar gegen Unfälle

Vorausschauende Notbremsassistenten erobern die Kleinwagenklasse. Mit unterschiedlichen Sensoren auf Radar-, Laser- oder Kamerabasis wollen Zulieferer wie Bosch, Continental und TRW das Autofahren sicherer machen.

| Redakteur: Jan Rosenow

Vorausschauende Notbremsassistenten erobern die Kleinwagenklasse. Mit unterschiedlichen Sensoren auf Radar-, Laser- oder Kamerabasis wollen Zulieferer wie Bosch, Continental und TRW das Autofahren sicherer machen.

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Der Lasersensor des City-Safety-Systems von Continental ist oben hinter der Windschutzscheibe angeordnet.
Der Lasersensor des City-Safety-Systems von Continental ist oben hinter der Windschutzscheibe angeordnet.
(Continental)

Vorausschauende Sicherheitssysteme sind kein Privileg der höheren Fahrzeugklassen mehr: Per Laser scannen der Volkswagen Up und der neue Fiat Panda den Raum vor dem Fahrzeug und leiten automatisch ein Notbremsmanöver ein, wenn eine Kollision droht. Diese sogenannte City-Safety-Funktion ist damit erstmals in Autos der 10.000-Euro-Klasse zu haben. Hersteller des Sicherheitssystems ist der deutsche Zulieferer Continental. Der Lasersensor eignet sich für kleinere Fahrzeugklassen, weil er günstiger als andere vorausschauende Fahrerassistenten ist. Aber er hat auch Nachteile: So ist seine Reichweite auf rund 15 Meter begrenzt und er funktioniert nur bei niedriger Geschwindigkeit. Deshalb vermarkten alle Hersteller, die das Produkt nutzen (beispielsweise Volvo und Ford), es als Hilfe für den Stadtverkehr.

Außerdem kann der Laser keine Fußgänger erkennen und bietet auch keine weiteren Assistenzfunktionen, wie etwa einen Spurhalteassistenten oder eine Verkehrszeichen­erkennung. Diese sollen erst später dazukommen, wenn Conti eine Kamera in das Sensorpaket integriert.

Radarsensoren für den gesamten Geschwindigkeitsbereich

Eine technisch anspruchsvollere, aber teurere Basis für einen Notbremsassistenten sind Radarsensoren, wie sie beispielsweise Bosch oder der amerikanische Zulieferer TRW anbieten. Sie decken mit ihrer deutlich größeren Reichweite den gesamten Geschwindigkeitsbereich eines Autos ab. TRW vollziehe gerade einen Technikwechsel bei seinen Radarsensoren, erklärt Alois Seewald, Leiter Integration aktive und passive Systeme bei TRW: Statt der bislang üblichen Frequenz von 77 Gigahertz arbeitet das neueste Produkt AC 100 nur noch mit 24 Gigahertz. Diese Änderung führt dazu, dass der Sensor nur noch halb so viel kosten soll wie bisher und damit auch für kleinere Fahrzeugklassen interessant wird. Der AC 100 geht 2013 in einem Pkw des C-Segments in Serie; mit früheren Modellen des Radarsensors rüstet VW beispielsweise den Passat und den CC aus. Bosch hingegen setzt weiter auf den 77-GHz-Sensor und ist sicher, ihn preislich konkurrenzfähig halten zu können.

Radar und Video kombiniert

Radarbasierte Systeme können bei niedriger Geschwindigkeit eine automatische Vollbremsung bis zum Fahrzeugstillstand einleiten – ähnlich wie das Lasersystem von Continental. Bei höherem Tempo aber reichen die Daten, die das Radar liefert, dafür nicht aus: Schließlich muss auf jeden Fall vermieden werden, dass das Auto irrtümlich eine Vollbremsung auf der Autobahn hinlegt. Deshalb will TRW im nächsten Schritt eine Videokamera integrieren und deren Daten mit denen des Radargeräts abgleichen – die Fachleute sprechen von Sensordatenfusion. Bosch hat diesen Schritt schon vollzogen und liefert für mehrere Audi-Modelle ein vorausschauendes Notbremssystem aus Radar und Kamera.

Stereokamera soll dreidimensional sehen

Die Entwickler von TRW arbeiten nun daran, die Funktionen des vorausschauenden Notbremsassistenten allein mit einer hochauflösenden Videokamera möglich zu machen. Deren Auswertelogik muss dann schlau genug sein, Entfernung und Geschwindigkeit möglicher Kollisionsgegner allein aus dem optischen Bild zu ermitteln. Wann diese Technik serienreif sein wird, konnte Seewald allerdings noch nicht sagen. Bosch und Continental forschen an Stereokameras, die ähnlich wie der Mensch mit seinen zwei Augen dreidimensional sehen und damit Entfernungen messen können.

Continental will neben der Radar-Kamera-Kombination, die das Unternehmen gleichfalls anbietet, auch den preiswerten Lasersensor von der optischen Bildauswertung profitieren lassen. Dann könnten auch Kleinwagen wie VW Up, Fiat Panda und hoffentlich noch viele andere mit einem Notbremsassistenten ausgestattet werden, der nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Radfahrer und Fußgänger erkennt.

Für Autos, die überwiegend im Stadtverkehr unterwegs sind, wäre das ein nützliches Feature. Hätten alle Pkw in Deutschland ein City-Safety-Notbremssystem, würde das Bagatellschäden in Höhe von 500 Millionen Euro vermeiden, hat das Allianz-Zentrum für Technik berechnet.

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