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Neuer Autoriese: Fiat Chrysler will mit Renault fusionieren

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Der Autokonzern FCA strebt eine Fusion mit dem französischen Hersteller Renault an. Der Zusammenschluss wäre ein Angriff auf die Marktführerschaft Volkswagens.

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Der Autokonzern FCA auf dem Genfer Salon. Gerüchte um eine Allianz zwischen PSA und Fiat Chrysler gibt es schon länger.
Der Autokonzern FCA auf dem Genfer Salon. Gerüchte um eine Allianz zwischen PSA und Fiat Chrysler gibt es schon länger.
(Bild: FCA)

Der Autokonzern Fiat Chrysler schlägt eine Fusion mit Renault vor. Das teilte das Unternehmen am Montag (27. Mai) mit. Bei einem Zusammenschluss würde der drittgrößte Autohersteller der Welt entstehen und die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern. Fiat Chrysler schlägt eine Fusion zu gleichen Teilen der Unternehmen als einen 50/50-Zusammenschluss vor. Renault bestätigte, den Vorschlag erhalten zu haben.

„Der vorgeschlagene Zusammenschluss würde einen globalen Autohersteller schaffen, herausragend in Bezug auf Umsatz, Volumen, Rentabilität und Technologie sowie von Vorteil für die Anteilseigner der Unternehmen“, teilte Fiat Chrysler weiter mit. Es habe bereits Gespräche zwischen beiden Unternehmen gegeben, um Produkte und Regionen für eine Zusammenarbeit zu identifizieren. Durch die Fusion erhoffen sich die Konzerne jährliche Einsparungen von fünf Milliarden Euro. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen. Die Aktienkurse der beiden Hersteller schossen in Mailand und Paris kräftig in die Höhe. Zuletzt lagen die FCA-Papiere mit gut 11 Prozent im Plus, für die Titel von Renault ging es sogar um 15 Prozent aufwärts.

Renault bereits mit Nissan und Mitsubishi in einer Allianz

Der französische Hersteller Renault ist seit langem mit den japanischen Autoherstellern Nissan und Mitsubishi in einer Allianz verbunden. Zusammen verkauften sie im vergangenen Jahr 10,76 Millionen Fahrzeuge. Mit dem US-italienischen Autoriesen FCA kämen die Hersteller auf mehr als 15 Millionen. Sie würden damit deutlich Volkswagen (10,83 Millionen) überholen. FCA führt unter anderen die Marken Alfa Romeo, Fiat, Chrysler, Dodge, Jeep oder Maserati. Der Konzern hat nach eigenen Angaben rund 199.000 Beschäftige. Renault strebt nach früheren Informationen aus Japan eine Fusion mit Nissan an. Dessen Chef Hiroto Saikawa hatte aber unlängst deutlich gemacht, dass man einen Zusammenschluss für unnötig halte. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire drang erst in der vergangenen Woche darauf, die Allianz zwischen Renault und Nissan zu festigen. „Wir brauchen solide, starke und gefestigte Industriekonzerne“, hatte er gesagt.

Wandel in der Branche hat Konsequenzen

Der französische Staat, der 15 Prozent an Renault hält, signalisierte am Montag (27. Mai) sein Wohlwollen für den Milliardendeal. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan und reagierte auch mit Interesse auf die Offerte des italienisch-amerikanischen Konzerns. Nissan ist seinerseits zu 15 Prozent an Renault beteiligt. Nach der Verhaftung von Automanager Carlos Ghosn in Japan war das von ihm geschaffene und kontrollierte französisch-japanische Auto-Bündnis in eine schwere Krise geraten. Ghosn war ein Verstoß gegen Börsenauflagen in Japan vorgeworfen worden. Seither wurde er mehrfach wegen weiterer angeblicher Vergehen angeklagt und kam kürzlich zum zweiten Mal auf Kaution aus der Untersuchungshaft. Ghosn hatte die Anschuldigungen mehrfach zurückgewiesen.


Aus Sicht von Experten zeigt die Ankündigung von Fiat Chrysler einmal mehr den Druck, den der Wandel in der Branche auf die Hersteller ausübt. „Es gibt einen enormen Zwang zu Kooperationen“, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Elektromobilität und autonomes Fahren kosten derart viel Geld, dass sich selbst Hersteller vom Kaliber eines Daimler oder BMW keinen Alleingang zutrauen. Dazu kommt im konkreten Fall: Fiat Chrysler braucht dringend einen Technologiepartner, Renault wiederum kämpft gegen das Auseinanderdriften der Allianz mit Nissan und Mitsubishi - und sitzt dort am kürzeren Hebel, wie es Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen formuliert.

Es sollen keine Fabriken geschlossen werden

FCA-Chef Mike Manley schrieb an die Mitarbeiter, die Gründung der neuen Gesellschaft könnte mehr als ein Jahr dauern. „Auch wenn es noch keine Sicherheit gibt, dass die Operation vollzogen wird, wollen wir so schnell wie möglich voranschreiten, um ein definitives Abkommen mit der Renault-Gruppe zu schließen.“ Außerdem versicherte Fiat Chrysler, es sollten keine Fabriken geschlossen werden. Als Vorteil werden auch die unterschiedlichen Stärken gesehen: Während Renault in Europa, Russland oder Afrika gut vertreten ist, ist FCA vor allem auf dem amerikanischen Kontinent verankert. Die französische Regierung pocht auf Bedingungen: So solle bei einem Zusammenschluss die Allianz von Renault mit Nissan und Mitsubishi bewahrt und gestärkt werden. Der Staat werde auch auf die Beschäftigen achten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen. Die französische Hardliner-Gewerkschaft CGT fordert laut Medienberichten, dass der Staat eine Sperrminorität behalten müsse.

Experten sehen Probleme

Branchenkenner warnen bei der geplanten Auto-Hochzeit vor Problemen. So wie es Opel mit der PSA -Gruppe erging, könne Fiat unter die Räder kommen, meinte Dudenhöffer. Und auch Bratzel verwies auf die sehr unterschiedlichen Kulturen in beiden Konzernen. Bis es wirklich Synergien zu heben gebe, müsse man wohl einige Jahre durchhalten. „Es kann gelingen, aber ein Selbstläufer wird das nicht.“ Dass ein Branchenriese aus Fiat Chrysler, Renault, Nissan und Mitsubishi zur Gefahr für VW werden könne, sehen Experten eher nicht. „Bei VW muss jetzt niemand in Angst ausbrechen“, sagte Dudenhöffer. Er sieht eher die kleinen Hersteller wie Ford in Europa unter Druck gesetzt. „Da wird die Luft dünn“, prophezeit er und erwartet, dass Ford deshalb nun mit Nachdruck versuchen wird, die geplante Partnerschaft mit VW voranzutreiben.

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