Interview Peter Mertens: „Wir denken nicht visionär genug“

Autor / Redakteur: Claus-Peter Köth, Sven Prawitz / Thomas Günnel

Peter Mertens, ehemaliger Entwicklungsleiter bei Audi und Volvo, spricht über die Chancen der deutschen Automobilindustrie bei der Batterietechnik, die Vielfalt bei den Antrieben und den verspielten Kredit bei der Politik.

Peter Mertens war Entwicklungsleiter bei Audi und Volvo.
Peter Mertens war Entwicklungsleiter bei Audi und Volvo.
(Bild: essential media GmbH)

Herr Mertens, Forscher und Start-ups veröffentlichten zuletzt nahezu im Wochenrhythmus neue Ansätze im Bereich Antriebsbatterie. Wird die Autoindustrie auch bei der nächsten Generation von Antriebsbatterien abgehängt?

Die europäische Automobilindustrie – oder gar alle OEMs der Welt – haben die erste wichtige Phase der Lithium-Ionen-Batterie verpennt. Da war ich ein Teil des Problems. Das ist erkannt und es wird heftig gearbeitet, um das wieder gut zu machen. Ein Leuchtturm ist für mich Northvolt. Die jüngsten Ankündigungen von Volkswagen, bis 2030 zusammen mit Partnern bis zu sechs Gigafabriken zu errichten, beweisen einmal mehr, dass Herbert Diess entschlossen den richtigen Weg einschlägt. Die Fragen sind: Geschieht es schnell genug? Wird das reichen? Das ist eine riesige Herausforderung.

Wie kann das gelingen?

VW will die Effizienz der Batteriefertigung steigern, um so den Preis auf unter 100 Euro pro Kilowattstunde zu senken. Höhere Energiedichte ist eine weitere Stellschraube. Da sind die traditionellen Lithium-Ionen-Batteriehersteller wie BYD, CATL, LG oder Samsung allen anderen voraus. Ich hoffe, dass Northvolt bei der Technik schnell aufschließt und der europäischen Autoindustrie hilft, nach vorne zu kommen. Die anderen Aktivitäten auf diesem Gebiet sind sehr stark international, zum Beispiel bei der Feststoffbatterie. Toyota hatte für dieses Jahr einen ersten Prototypen angekündigt. Das hat uns alle kalt erwischt.

Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility