Suchen

Fahrbericht Peugeot 508 SW GT-Line: Gestylte Familienkutsche

| Autor: Jens Scheiner

Die coupéartige Limousine des Peugeot 508 hat uns bereits mit ihrer geschärften Optik, den hochwertigen Materialien und einem durchzugsstarken Antrieb überzeugt. Der Station Wagon macht genau da weiter und punktet zudem mit viel Platz. Wir haben den Kombi in der GT-Line getestet.

Firmen zum Thema

Wie die Limousine besticht auch der Kombi mit kantigen Formen und Elementen früherer Modelle.
Wie die Limousine besticht auch der Kombi mit kantigen Formen und Elementen früherer Modelle.
(Bild: Jens Scheiner/»Automobil Industrie«)

Anfang des Jahres hatten wir bereits die coupéartige Limousine des Peugeot 508 getestet. Ein halbes Jahr später steht nun der Station Wagon auf dem Hof. Wie die Limousine besticht auch der Kombi mit kantigen Formen und Elementen früherer Modelle. Wie beim legendären 504 aus den 1970ern sitzt der Löwe nun wieder in der Mitte des Kühlergrills. Auch die Modellbezeichnung 508 ist wieder am unteren Rand der Motorhaube platziert. Aber statt Streben zieht sich beim Station Wagon nun ein feines Kachelmuster durch den Kühlergrill. Die flachen LED-Scheinwerfer münden am äußeren Ende in die LED-Tagfahrleuchten, die sich bis tief in die Frontschürze ziehen und fließend in die Lufteinlässe übergehen.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 14 Bildern

Auch einige Elemente der Studie Exalt haben die Franzosen übernommen: Die dreidimensionalen LED-Rückleuchten, die in ein durchgehendes schwarzes Band eingelassen sind, erinnern an diese Studie. Genau wie bei der Limousine ist auch beim Kombi die Linienführung sehr dynamisch gewählt, unterstrichen wird dieser Eindruck durch die flachen rahmenlosen Fenster. Auch der tiefe Einstieg erinnert eher an ein Coupé als an eine Familienkutsche. Mit 1,42 Metern ist der Station Wagon fast genauso flach wie die sportliche Limousine. Verglichen mit der Vorgängergeneration ist er sechs Zentimeter flacher. Mit einer Länge von 4,78 Metern ist er drei Zentimeter länger als die Limousine und fünf Zentimeter kürzer als die Vorgängergeneration.

Groß und Düster

Durch die neuen Dimensionen müssen Personen ab einer Körpergröße von 1,80 Metern aufgrund der coupeártigen Dachlinie nur beim Ein- und Ausstieg darauf achten sich nicht den Kopf zu stoßen. Auf den straffgepolsterten Rücksitzen haben großgewachsene Passagiere neben ausreichend Bein- auch genügend Kopffreiheit, sodass man sich nirgendwo anstößt. Wie aber schon bei der Limousine geht es im Fond etwas düster zu und man fühlt sich aufgrund des schmalen Heckfensters, der Scheibentönung und der massiven C-Säule etwas eingepfercht, obwohl die Schultern selbst bei drei Personen auf der Rückbank sich nicht in die Quere kommen. Abhilfe schafft das Panoramaschiebedach mit elektrischer Jalousie (1.250 Euro Aufpreis) sowie die Ambientebeleuchtung, die sich aber leider nicht bis zum Kofferraum durchzieht, deshalb geht es auch im Ladeabteil ziemlich düster zu.

Dafür öffnet sich die Heckklappe weit nach oben und auf Wunsch elektrisch oder durch eine Fußbewegung. Das Fassungsvermögen ist mit 530 bzw. 1.780 Litern üppig und die niedrige Ladekante von nur 63 Zentimeter erleichtert das Einladen der Einkäufe. Genauso komfortabel und luftig geht es auf den Vordersitzen zu: Die Komfortsitze (in der GT-Line-Ausstattung serienmäßig) vermitteln Wohnzimmercouchflair mit ausziehbarer Oberschenkelauflage, Lendenwirbelstütze und Massagefunktion (750 Euro). Gleichzeitig sind die Sitze straff gepolstert, geben aber ein Mindestmaß an Seitenhalt in schnellen Kurven. Durch die breite Mittelkonsole und die tiefe Sitzposition fühlt man sich ein wenig wie in einem Sportwagen.

Durchzugsstark und komfortabel

Das gilt in Teilen auch für den Antrieb: Der 2,0 Liter Turbodiesel mit 130 kW/177 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment sorgt für spürbaren Durchzug, selbst im niedrigen Drehzahlbereich. Die Beschleunigung auf Tempo 100 km/h soll in 8,4 Sekunden erreicht werden, die Spitze liegt bei 231 km/h. Ohne Probleme haben wir den Peugeot im Sportmodus schnell auf 220 km/h getrieben. Dabei schaltet das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe mit durchgetretenem Gaspedal allerdings unnötig häufig zurück um auf Zug zu kommen. Dafür ist das Fahrwerk schön straff, was der schnellen Kurvenfahrt zugute kommt. Dafür gibt die Hinterachs-Aufhängung Schlaglöcher direkt an die Passagiere weiter.

Insgesamt halten die in der GT-Line-Ausstattung serienmäßigen adaptiven Dämpfer die Wankbewegungen der Karosserie in ambitioniert gefahrenen Kurven in Grenzen. Und auch die Gasannahme ist im Sportmodus spürbar sensibler. Gleiches gilt für die weitestgehend direkte Lenkung, die einem allerdings in keinem Modus ein richtiges Gefühl für die Fahrbahn vermittelt hat. Im Normal-/Eco-Modus ist der Federungskomfort deutlich runder, aber niemals zu weich oder zu schwabbelig. Insgesamt hat das Fahrwerk größere und kleinere Unebenheiten ohne Probleme gefedert. Und auch das Getriebe schaltet im Normalbetrieb wesentlich weicher und flüssiger durch die Gänge.

Der Verbrauch hat sich je nach Fahrweise deutlich unterschieden: Bei einer längeren Fahrt auf der weitestgehend leeren A7 in Richtung Ulm mit Gasfuß und im Sportmodus schluckte der Diesel knapp zwölf Liter. Im Eco-Modus auf der schwäbischen Landstraße kam der Turbodiesel mit 4,7 Liter aus. Auf der Digitalanzeige des „i-Cockpits“ standen am Ende der Testfahrt im Schnitt 7,6 Liter Diesel für 100 Kilometer, das sind 3,1 Liter mehr als auf dem Datenblatt steht.

Sprachassistent mit Schwächen

Das Digital-Cockpit und der Zehn-Zoll-Touchscreen sind von Leder, Echtholz sowie Klavierlack und Aluminium umgeben. Der Materialmix sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch gut verarbeitet. Ebenso wie die einfach zu bedienenden sieben Alu-Kippschalter unter dem Touchscreen mit denen sich unter anderem das Radio, die Klimaanlage und das gut funktionierende Navigationssystem anwählen lassen, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Dann erfolgt die Steuerung über das Touchdisplay, was insgesamt etwas nervig und verschachtelt ist. Wesentlich zielgerichteter kann man beispielsweise die Sitzheizung aktivieren: Dafür gibt es berührungsempfindliche Direkttasten in Klavierlackoptik mit einer dezenten akustischen Untermalung, die unterhalb der Kippschalter angebracht sind.

Daneben lassen sich beispielsweise Navi oder auch Radiosender über die Sprachsteuerung am Lenkrad anwählen. Dies hat im Test aber nicht immer einwandfrei funktioniert. Beim Befehl „Radiosender Bayern 1 einstellen“, hat das System unvermittelt die gespeicherte Fahrereinstellung 1 ausgewählt. Anschließend haben sich das Cockpit-Layout und die Sitzeinstellung geändert. Auch hat die Sprachsteuerung Probleme die richtige Adresse zu finden: Entweder hat die Dame den Zielort nicht gekannt oder uns einfach woanders hingeschickt.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 14 Bildern

Guter Spurhalteassistent

Gut hat hingegen der Spurhalteassistent mit Lenkeingriff funktioniert: Er hat das Fahrzeug immer weich in die Spur zurückgeführt und zu keiner Zeit zu ruppig reagiert. Möchte man auf der Autobahn einmal die Spur wechseln ohne zu Blinken, lässt sich der Assistent einfach per Knopf – links hinter dem Lenkrad – ausschalten. Gleiches gilt für die Verkehrsschilderkennung, die nur in wirklich unübersichtlichen Passagen die falsche Geschwindigkeit erkannt hat. Auch war unser Testwagen mit einem automatischen Geschwindigkeitsregler ausgestattet. Dieser lässt sich einfach per Schalter – links am Lenkrad – aktivieren. Anschließend erscheint auf dem digitalen Cockpit der Abstand zum Vordermann.

Insgesamt ist der Peugeot 508 SW in der GT-Line, wie schon die Limousine, nicht nur äußerlich ein Hingucker. Auch der Innenraum überzeugt mit feinen Materialien und guter Verarbeitung. Gleiches gilt für die Assistenzsysteme und den Motor: Der Diesel ist in jedem Drehzahlbereich spritzig und kraftvoll, allerdings ist der Verbrauch einen Tick zu hoch. Das kann man vom Preis allerdings nicht behaupten. Unser Testwagen startet in der Basisversion ab einem Preis von 47.950 Euro. Mit den Extras kommt unser Testwagen auf insgesamt 53.420 Euro.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46092328)