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Elektromobilität

Pläne für VW Emden: E-Modelle statt Passat

| Autor/ Redakteur: Holger Holzer und Mario Hommen/SP-X / Christian Otto

[Aktualisiert] Die Produktion des VW Passat steht im VW-Werk Emden vor ihrem Ende. Dafür sollen am Standort elektrischen Modelle der ID-Familie gefertigt werden. Neuen Berichten zufolge soll derweil die Passat-Fertigung nach Tschechien wandern.

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Die Passat-Produktion in Emden steht laut einem Medienbericht vor dem Aus.
Die Passat-Produktion in Emden steht laut einem Medienbericht vor dem Aus.
(Bild: Volkswagen AG)

Der VW Passat steht in Westeuropa vor dem Aus. Das berichtete die „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) bereits Anfang November. Demnach soll die Produktion des Mittelklassemodells durch die von Elektroautos ersetzt werden. Im Jahr 2022 würde dann der letzte Passat vom Band rollen.

Auch wenn der Passat-Absatz seit einiger Zeit rückläufig ist, scheint ein Ende der Baureihe eher unwahrscheinlich. Laut „Handelsblatt“ könnte die Produktion in das tschechische Skoda-Werk Kvasiny verlegt werden. Dort kennt man sich mit Passat-Technik aus. So basierte bereits die zwischen 2001 und 2008 dort produzierte erste Superb-Generation auf dem VW-Mitteklassemodell. Und wie die aktuell dritte Generation des Superb setzt auch der derzeitige Passat B8 auf dem Modularen Querbaukasten MQB auf.

Nach ursprünglichen Plänen sollten in diesem Jahr 251.000 Passat an der Nordseeküste gefertigt werden, bis Ende Dezember werden es laut HAZ aber nur 229.000 Einheiten sein. Die 8.700 Beschäftigten haben sich in diesem Jahr schon an Kurzarbeit und ausgefallene Schichten gewöhnen müssen. Hintergrund ist nicht zuletzt die sinkende Nachfrage nach dem Mittelklassemodell: Während der Passat in Deutschland trotz der wachsenden Konkurrenz durch SUVs seit Jahren regelmäßig in die Top-5 der meistverkauften Pkw fährt, tauchte er im Rest Europas zuletzt nicht einmal mehr unter den 25 beliebtesten Modellen auf.

In China weiter ein Bestseller

Große und relativ teure Mittelklasseautos sind vor allem in Südeuropa kaum gefragt – und wenn, dann werden eher Prestigemodelle wie die Mercedes C-Klasse (Platz 20 im September mit knapp 13.000 Einheiten) gekauft. Weltweit gesehen liegt der Emdener mit rund 319.000 Einheiten im laufenden Jahr zwar noch auf Rang 19, mitgezählt sind da jedoch die technisch nur noch entfernt verwandten Modelle in China und den USA, die auch vor Ort produziert werden und nicht von einer Werksschließung in Emden betroffen wären. Vielmehr zählen der Passat und seine Ableger in China seit Jahrzehnten zu den Bestsellern der Marke, in den USA soll die erst 2016 erneuerte Limousine die Vormachtstellung der Japaner in diesem Segment brechen.

In Deutschland und Europa könnten einerseits die SUV-Modelle von VW den Passat ersetzen, andererseits die kommenden Elektroautos der ID-Familie. Der für 2020 angekündigte VW Neo platziert sich mit seinen Golf-ähnlichen Außenabmessungen zwar theoretisch in der Kompaktklasse, soll innen dank des platzsparenden Antriebs aber so viel Raum bieten wie ein Passat.

Emden mögliches zweites Elektro-Werk

Gebaut wird der Neo in Volkswagens erstem reinen E-Auto-Werk in Zwickau. Sollte die Nachfrage steigen und parallel die Produktpalette ausgebaut werden, dürfte die dortige Kapazität nicht lange reichen. Emden wäre dann als zweites Elektro-Werk interessant. Ein Teil der Belegschaft würde dann aber wohl nicht mehr benötigt, da die Produktion von E-Modellen weniger komplex ist als die von Autos mit Verbrennungsmotor. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat aber eine Batterieproduktion für Emden ins Spiel gebracht.

Die aktuelle, möglicherweise letzte Generation des VW Passat ist Ende 2014 gestartet und dürfte im kommenden Jahr ein Lifting erhalten. 2022 wäre dann spätestens das Ende des üblichen Modelllebenszyklus erreicht. Der erste Passat kam 1973 auf den Markt, seitdem sind fünf Generationen gefolgt.

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