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Produktion Porsche: Fertigung in Zuffenhausen und Leipzig läuft wieder an

| Autor / Redakteur: Claus-Peter Köth / Jens Scheiner

Ab Montag fährt auch Porsche nach dem Corona-Shutdown die Produktion wieder hoch. „Jetzt ist der passende Zeitpunkt, optimistisch nach vorne zu schauen und die Arbeit unter speziellen Vorkehrungen wiederaufzunehmen“, erklärt Produktionschef Albrecht Reimold.

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Am 4. Mai 2020 fährt auch Porsche nach dem Corona-Shutdown die Produktion wieder hoch.
Am 4. Mai 2020 fährt auch Porsche nach dem Corona-Shutdown die Produktion wieder hoch.
(Bild: Porsche )

Am kommenden Montag (4. Mai) startet Porsche standort- und gewerkspezifisch den Wiederanlauf der Produktion. Nach eigenen Angaben wurden dazu im Vorfeld alle erforderlichen Maßnahmen getroffen, um größtmögliche Sicherheit für die Belegschaft zu gewährleisten und gestuft wieder die Kammlinie zu erreichen.

Mit dem Hochfahren der Fertigung im Stammwerk Zuffenhausen und am Standort in Leipzig nehmen schrittweise alle Mitarbeiter ihre Arbeit wieder auf. Die angepassten Abläufe in der Produktion, Logistik und Beschaffung sind mit dem Betriebsrat und dem Gesundheitsmanagement abgestimmt. Alle Produktions-Mitarbeiter müssen einen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten, grundsätzliche Verhaltensregeln beachten oder in definierten Bereichen mit einem Mund-Nasen-Schutz arbeiten.

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Simulationstools für unterschiedliche Szenarien

„Der Wiederanlauf ist ein wichtiges Signal – für unsere Kolleginnen und Kollegen ebenso wie für unsere Kunden. Wir haben die Lage von Beginn an sehr aufmerksam beobachtet, analysiert und Prozesse flexibel angepasst“, sagt Albrecht Reimold, Vorstand Produktion und Logistik der Porsche AG. „Jetzt ist der passende Zeitpunkt, optimistisch nach vorne zu schauen und die Arbeit unter speziellen Vorkehrungen wiederaufzunehmen.“

Porsche hatte am 21. März die Fertigung in seinen beiden Werken für zunächst zwei Wochen gestoppt und angekündigt, die Lage kontinuierlich neu zu bewerten. Aufgrund von Engpässen bei globalen Lieferketten blieben die Fabriken für insgesamt sechs Wochen geschlossen, da eine geordnete Produktion nicht möglich war.

„Neben wichtigen Wartungsarbeiten haben wir uns gemeinsam mit den Kollegen der Beschaffung und IT in dieser Zeit darauf konzentriert, den Wiederanlauf vorzubereiten. Wir haben Simulationstools eingesetzt, die unterschiedliche Szenarien visualisieren – so werden Komplexität und Abhängigkeiten in der Logistikkette noch besser beherrschbar“, erklärt Reimold. „Angehalten haben wir zudem nur die Fertigungslinien, produktionssteuernde IT-Systeme sind im Stand-by weitergelaufen. Schließlich ist es für unsere Lieferanten wichtig, dass sie die aktuelle Bedarfsplanung und Produktionsvorschau kennen und online einsehen können, um sich ebenfalls bestmöglich auf den Anlauf vorzubereiten“

Unter anderem habe man die vergangenen Wochen genutzt, um ein großes Update im SAP-Logistikumfeld einzuspielen und Netzwerkkomponenten auszutauschen. „Gefühlt haben wir allein im April mehr Changes durchgeführt als sonst in einem halben Jahr“, so Reimold.

Tausch von Lieferanten praktisch unmöglich

Auf die Frage, ob der beliebtePorsche Taycan nicht hätte früher starten können, antwortete Reimold: „Grundsätzlich planen wir den Wiederanlauf der Produktion standort- und gewerkspezifisch. Natürlich könnten wir auch einzelne Werke früher starten lassen. Das Zusammenspiel muss aber Sinn machen.“

Letztlich sei alles von den Lieferketten und den nachgelagerten Vertriebsprozessen abhängig. „Konkret muss die Teileversorgung stehen und unsere Fahrzeuge müssen bei den weltweiten Kunden ankommen. Die richtige Auslastung der Werke planen wir ohnehin über unsere Produktionssteuerung“, so der Produktionschef.

Außerdem sei eine Anpassung der Lieferkette, um länger stillstehende Lieferantenwerke zu kompensieren, nahezu ausgeschlossen. Reimold: „Hier zeigt sich, wie hochkomplex die Automobilherstellung tatsächlich ist. Wie jedes Rad der Entwicklung, Beschaffung und Produktion ineinandergreift. Dichtungen oder einfache Schläuche sind nicht unbedingt systemkritisch. Bei einer Änderung der Produktsubstanz müssten wir aber mitunter Neuzertifizierungen vornehmen und dafür wiederum Tausende von Testkilometern mit den geänderten Fahrzeugen zurücklegen. Oder denken Sie an sicherheitsrelevante Komponenten, da ist es praktisch unmöglich von heute auf morgen einen Tausch von Teilen und damit Anpassungen in der Lieferkette vorzunehmen.“

Für Reimold ist klar, dass sich nach einem so harten Stopp nicht einfach der Schalter umlegen lässt und alles wieder geordnet weiter läuft. „Insbesondere haben wir – anders als etwa nach dem Betriebsurlaub – zahlreiche zusätzliche Maßnahmen zum Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen getroffen. Allein für die Produktion gibt es dafür ein mehr als 60-seitiges Handbuch. Wir betrachten dabei den gesamten Tagesablauf; das beginnt mit dem Weg zur Arbeit, umfasst die Ankunft im Werk, die Pausenzeiten, die Nutzung unterschiedlicher Räumlichkeiten und geht bis zum sicheren Weg nach Hause.“

Porsche-Chef Oliver Blume: „Jeder muss einen Beitrag leisten.“

Eine kurzfristige Produktionsumstellung auf medizinische Geräte – wie von anderen Herstellern angekündigt – war für Porsche keine Option. „Wir haben das geprüft und mussten leider feststellen, dass sich das in vernünftigen Größenordnungen nicht umsetzen lässt. Vor diesem Hintergrund haben wir entschieden, dass wir unsere Expertise anderweitig einbringen, um dennoch unseren Beitrag zu leisten. Im Beschaffungsressort etwa wurde eigens eine Task-Force eingerichtet, um den Ländern Baden-Württemberg und Sachsen bei der Materialbeschaffung und Organisation der Lieferketten von medizinischer Schutzausrüstung in China zu helfen.“

Porsche organisiert unter der Initiative „Porsche hilft“ Ausrüstung und spendet Geld für Krankenhäuser sowie Lebensmittel für Tafeln; das Spendenbudget wurde um fünf Millionen Euro aufgestockt. Die Mitarbeiter wurden aufgerufen mitanzupacken, wo Hilfe dringend benötigt wird.

„Es wird ein großer Kraftakt, das wirtschaftliche und gesellschaftliche System wieder in Schwung zu bringen. Dazu muss jeder einen Beitrag leisten“, betont Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG: „Wichtig ist eine positive Grundhaltung. Jede Krise bietet auch Chancen. Diese wollen wir nutzen.“

Neben dem Aussetzen der Produktion hatte Porsche eine Reihe von verschärften Maßnahmen entschieden. Diese haben bis auf weiteres Bestand, um die Infrastruktur an den Standorten zu entlasten: In den indirekten Bereichen bleibt das mobile Arbeiten stark ausgeweitet und Besprechungen sollen per Video- oder Telefonkonferenz stattfinden. Zudem gilt nach wie vor ein Stopp für Dienstreisen.

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