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Sonderveröffentlichung

Preh-CTO Ehrenberg: „Konsequent auf die Megatrends ausgerichtet“

| Autor/ Redakteur: Claus-Peter Köth / Maximiliane Reichhardt

Der Zulieferer Preh musste in den vergangenen 100 Jahren sein Produktportfolio mehrfach umstellen und sich letztlich auch als Firma immer wieder neu erfinden. Jochen Ehrenberg, CTO der Preh-Gruppe, über aktuelle Innovationen, die größten Handlungsfelder sowie die Zusammenarbeit innerhalb der Joyson-Gruppe.

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Jochen Ehrenberg ist seit 2012 Geschäftsführer der Produktentwicklung (CTO) der Preh-Gruppe.
Jochen Ehrenberg ist seit 2012 Geschäftsführer der Produktentwicklung (CTO) der Preh-Gruppe.
(Bild: Preh)

Herr Ehrenberg, mit welchen Innovationen begegnen Sie den Megatrends Connectivity, autonomes Fahren und E-Mobilität?

Wir haben uns mit der gesamten Organisation in den vergangenen Jahren konsequent auf diese Megatrends ausgerichtet. In der Connectivity etwa bietet Preh Car Connect ein breites Portfolio an Technologien an, in der E-Mobility produzieren wir bereits seit einigen Jahren Batteriemanagementsysteme, und auch im Geschäftsfeld Car HMI haben wir uns schon frühzeitig den neuen Trends im Interieur gewidmet. Ein Beleg dafür ist unsere umfangreiche Produktpalette mit haptischem Feedback, Touch oder Displays.

Was waren im Jahr 2018 Ihre beiden größten Handlungsfelder?

Nachdem wir in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich waren und zahlreiche neue Projekte gewinnen konnten, lag unser Fokus zuletzt auf Industrialisierung und Globalisierung im Produktentstehungsprozess.

Welchen „Hochlauf“ erwarten Sie für die neuen Produkte im Geschäftsbereich E-Mobility?

Während die Produktionszahlen hier viele Jahre regelmäßig unter den Prognosen blieben, nimmt die E-Mobility jetzt deutlich Fahrt auf. Für uns bekommt der „Hochlauf“ noch zusätzlichen Schwung dadurch, dass wir inzwischen eine breitere Produktpalette mit 48-Volt- und Hochvolt-Komponenten anbieten und dass wir unser Kundenspektrum deutlich vergrößern konnten – allen voran in China, nicht zuletzt durch unsere Zugehörigkeit zur Joyson-Gruppe.

An welchen Standorten werden Sie die E-Komponenten fertigen?

Nach der Produktion der ersten Produktgenerationen in Bad Neustadt sind wir jetzt auch in China mit unserem Produktions- und Entwicklungsstandort in Ningbo erfolgreich im Markt. Weitere Anläufe an anderen Standorten sind gerade in der Umsetzung. Mittel- bis langfristig ist es unser Ziel, in allen Regionen E-Komponenten fertigen zu können.

Welche Lernkurve können Sie für die Entwicklung und Produktion künftiger E-Komponenten mitnehmen?

Grundsätzlich sind wir dabei, unsere Entwicklungsprozesse noch globaler aufzustellen. Das ist kein spezifisches E-Komponenten-Thema, wird aber in diesem Geschäftsfeld durch das schnelle Wachstum besonders wichtig. Mit unseren Entwicklungsprozessen, die maßgeblich im Bereich Car HMI entstanden sind, sind wir auch für die Entwicklung von sicherheitsrelevanten Produkten in der E-Mobility gerüstet. Eine Herausforderung sind sicher die neuen Fertigungsprozesse und Lieferketten, die mit den neuesten Hochvolt-Applikationen hinzugekommen sind. Zudem wird das Systemdesign für uns immer wichtiger und weiter ausgebaut.

Welches Potenzial bietet die digitale Prozesskette?

Sie wird getrieben durch die Globalisierung und durch den Termindruck in den Projekten. Mit der Simulation von Funktionen bereits in frühen Entwicklungsphasen können wir die eine oder andere Entwicklungsschleife einsparen sowie ein schnelleres Time-to-Market und einen höheren Reifegrad zum Serienanlauf erreichen.

Auf der Auto Shanghai haben Sie ein 3-D-Landscape-Bedienkonzept präsentiert. Was sind die Besonderheiten?

Über allem steht das Ziel, die Touchbedienung aus der Consumerwelt automobiltauglich zu machen – das heißt vor allem, die Fahrerablenkung zu reduzieren. Dabei helfen Konzepte, die Feedback geben, wie die 3-D-Landscape. Hier wird dem Fahrer das Auffinden und Bedienen einzelner Funktionen dadurch erleichtert, dass er haptische Rückmeldungen bekommt und seinen Blick nicht vom Verkehr abwenden muss.

Wie seriennah ist das Bedienkonzept? Was sehen Sie als USPs?

Es kann sofort in Serie gehen. Die erforderliche Hardware ist ja bereits in diversen Fahrzeugen verbaut und lässt sich mit der entsprechenden Software relativ einfach integrieren. Grundsätzlich können wir die Idee in unterschiedlichen Konzepten umsetzen. Als USPs sehen wir unsere hohe Fertigungstiefe und die Tatsache, dass wir inzwischen schon ein sehr breites Spektrum an Produkten mit haptischem Feedback und Touchoberflächen im Markt haben.

Ebenfalls in Shanghai stellte Preh Car Connect (PCC) eine Studie zur Kombination von Infotainment und Fahrerassistenz vor. Dabei wurde die Zusammenarbeit betont – zwischen Preh, PCC und der chinesischen Schwestergesellschaft JPCC. Wie gestaltete sich diese konkret?

Wir setzten ganz vorne im Entwicklungsprozess an, um durch den intensiven Austausch und die Zusammenarbeit aller Joyson-Gesellschaften schon in der Vorentwicklung potenzielle Synergien zu heben. Dieser ganzheitliche Ansatz kommt bei unseren Kunden sehr gut an, sodass wir immer öfters als Joyson-Gruppe gemeinsam eingeladen werden, unsere Technologien und Konzepte für neue Fahrzeuggenerationen vorzustellen; auch weil es diese Kompetenz in Gänze auf dem Markt vergleichbar kaum gibt.

Werden wir künftig verstärkt solche Gesamtkonzepte aus Ihrem Haus sehen?

Ja, denn durch die zum Teil radikal neuen Konzepte im Innenraum ist es zwingend erforderlich, das Know-how mehrerer Lieferanten zu bündeln. Ein gutes Beispiel dafür sind sogenannte „Smart Decor Surfaces“. Hier werden Dekorteile zu Bedien- und Anzeigeelementen. In gewissen Fahrsituationen können dort Informationen angezeigt und gegebenenfalls auch ausgeblendet werden. Sie können also Funktionen wegnehmen, wenn Sie autonom fahren, oder hinzufügen, wenn Sie selbst fahren, oder umgekehrt. Gleichzeitig zeigt das Beispiel, dass neue Systeme und Konzepte nur in enger Kooperation mit den Technologien mehrerer Lieferanten gelingen können.

Inwieweit wird sich die Rolle des Entwicklungs- und Produktions-Headquarters Bad Neustadt verändern?

Bad Neustadt wird unser Headquarter bleiben. Von dort sollen auch weiterhin die entscheidenden Impulse für innovative Produkte und Prozesse kommen. Gleichzeitig müssen wir unseren Kurs der Internationalisierung auch in der Entwicklung weiter vorantreiben. Dabei profitieren wir als Gruppe durch die Auslandsstandorte nicht nur durch die zusätzlichen Kapazitäten im Produktentstehungsprozess. Die ausländischen Standorte sind inzwischen auch aktiv mit ihren Kompetenzen in neue Konzepte eingebunden.

Wie eng ist die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen der Gruppe – etwa Joyson Quin oder Joyson Safety Systems?

Wir haben schon in einigen Projekten zusammengearbeitet. Synergien ergeben sich vor allem im Austausch zu Vorentwicklungsthemen, einem breiteren Kundenzugang und im Materialeinkauf. In allen Geschäftsfeldern wurden diverse Aktivitäten gestartet. Klar bleibt jedoch auch, dass alle Unternehmen der Joyson-Gruppe eigenständig am Markt agieren.

Gibt es ein konkretes Beispiel aus dem Hause Preh, wo „Innovation durch Kooperation“ gut funktioniert hat?

Wenn Sie sich das in Shanghai gezeigte „adaptive Interieurkonzept“ vor Augen führen, dann wird schnell deutlich, dass wir innerhalb der Joyson-Gruppe gerade durch die Kombination unserer Technologien innovative Produkte anbieten können. Darüber hinaus muss bei beiden Stichworten aber auch unser intensiver Austausch mit diversen Hochschulen in Deutschland, Rumänien und China genannt werden – insbesondere in den Feldern Car HMI und E-Mobilität. Dieser Austausch stellt für beide Seiten eine Bereicherung dar.

Welche Themen und Märkte haben derzeit für Preh die höchste Relevanz?

Bei uns steht der nachhaltige und langfristige Erfolg im Vordergrund. Das erfordert, dass wir unsere Innovationskraft weiter hochhalten – in allen Geschäftsfeldern und Märkten und künftig noch stärker auch in China. Insgesamt haben wir an allen Standorten einen guten Mix mit Produkten unterschiedlicher Automobilhersteller, bedienen immer öfter globale Fahrzeugplattformen und können dadurch die Produktion in der Regel gut ausbalancieren.

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