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Kommentar „Schwarzmalen hilft uns auch nicht weiter“

| Autor / Redakteur: Claus-Peter Köth / Svenja Gelowicz

Im vergangenen Jahr wurden weltweit etwa 5,5 Millionen Fahrzeuge weniger produziert als 2018. Ein Abgesang auf Deutschlands Schlüsselindustrie ist trotzdem völlig unangemessen, kommentiert Claus-Peter Köth, Chefredakteur von »Automobil Industrie«.

Claus-Peter Köth, Chefredakteur von »Automobil Industrie«.
Claus-Peter Köth, Chefredakteur von »Automobil Industrie«.
(Bild: Stefan Bausewein)

Zum Jahresauftakt war die Welt für Daimler-CEO Ola Källenius noch voller Glanz: Auf der CES präsentierte er zusammen mit Regisseur James Cameron das Showcar „VISION AVTR“ – inspiriert vom Film Avatar und ein weiter Blick darauf, wie sich Mercedes-Benz die nachhaltige Mobilität der Zukunft vorstellt. Inzwischen ist Källenius wieder im Alltag angekommen:Die vorläufigen Geschäftsergebnisse für 2019 musste er abermals nach unten korrigieren.

Die Ursachen: höhere Aufwendungen für Rückrufe oder Strafen im Zuge des Dieselskandals, Ausstieg aus dem Carsharing-Geschäft in Nordamerika, Konsolidierung des Produktportfolios, verzögerte Modellanläufe sowie anhaltend hohe Investitionen in die Zukunftsfelder E-Mobilität, automatisiertes Fahren, IT und Software.

Källenius und Daimler stehen exemplarisch für die Herausforderungen der deutschen Automobilindustrie. Der Transformationsdruck und viele politische Unwägbarkeiten sind nach wie vor groß, die Frage nach dem Antriebsmix der Zukunft ist weiterhin ungeklärt. Hinzu kommt der Konjunktureinbruch mit weltweit etwa 5,5 Millionen weniger produzierten Fahrzeugen im Jahr 2019.

„Die Lage ist bei Weitem nicht so schlecht“

Dennoch: Ein Abgesang auf Deutschlands Schlüsselindustrie – den so mancher Experte gerne anstimmen würde – ist völlig unangemessen. Felix Mogge, Senior Partner bei Roland Berger, bringt es auf den Punkt: „Die Automobilbranche macht aktuell keine einfache Zeit durch. Aber die Lage ist bei Weitem nicht so schlecht, wie es teilweise kolportiert wird“.

Richtig ist: Die Umstellung weg vom Verbrenner hin zu elektrifizierten Fahrzeugarchitekturen hat für die Branche gravierende Folgen. Und die deutschen OEMs haben den Hebel zu spät umgelegt. Jetzt aber starten sie die Aufholjagd auf Tesla & Co. – nicht nur in der Batterietechnik, sondern auch in der Softwareentwicklung. Schließlich gelten die Autos der Zukunft auch als Computer auf Rädern.

Automobil Industrie 1-2/2020

Die neue Ausgabe von »Automobil Industrie« erscheint am 6. Februar. Darin spricht unter anderem Felix Mogge, Senior Partner bei Roland Berger, im Interview über radikale Kostensekungen als „Gebot der Stunde“.

Zu den Ausgaben

Der damit verbundene Bedeutungsgewinn von IT und Elektronik wird die Hersteller zu neuen Kooperationen zwingen und das Zusammenspiel mit den Zulieferern noch einmal massiv verändern. Zunächst jedoch heißt das Gebot der Stunde „strikte Kostendisziplin“.

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 Claus-Peter Köth

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Chefredakteur