Fahrbericht

Seat Tarraco: Flaggschiff-SUV mit Premiumambitionen

| Autor: Jens Scheiner

Seat schickt den Tarraco mit neuer Formensprache, moderner Konnektivität und viel Platz auf den Markt. Wir haben das Flaggschiff mit dem größten Diesel und in der sogenannten Xcellence-Ausstattung getestet.
Seat schickt den Tarraco mit neuer Formensprache, moderner Konnektivität und viel Platz auf den Markt. Wir haben das Flaggschiff mit dem größten Diesel und in der sogenannten Xcellence-Ausstattung getestet. (Bild: »Automobil Industrie«/Jens Scheiner)

Nach dem Ateca und dem Arona hat Seat mit dem Tarraco sein bislang größtes SUV auf den Markt gebracht. Der Siebensitzer kommt mit neuer Formensprache, moderner Konnektivität und viel Platz. Wir haben das Flaggschiff mit dem größten Diesel und in der „Xcellence“-Ausstattung getestet.

Es scheint, dass Seat im heißumworbenen Segment der SUV keine Zeit verlieren will. Bereits seit 2016 rollt der Ateca, seit 2017 der Arona und Anfang 2019 nun auch der Tarraco auf den Straßen. Typisch für Seat ist, dass auch der Neue nach einer Stadt in Spanien benannt ist, genauer gesagt ist Tarraco der antike Name der heutigen Stadt Tarragona. Untypisch für Seat ist die Namensfindung: Unter dem Hashtag „SEATseekingName“ haben sich von 146.124 Teilnehmern 51.903 für diese Modellbezeichnung entschieden. Der Name Tarraco setzte sich damit gegen die anderen Vorschläge Avila, Aranda und Alboran durch.

Plattformbruder von Tiguan Allspace und Kodiaq

Nicht ganz untypisch für den VW-Konzern ist, dass unterschiedliche Modelle auf der gleichen Plattform aufbauen. So auch der Tarraco: Er teilt sich die Bodengruppe mit der Bezeichnung MBQ-A mit dem VW Tiguan Allspace und dem Skoda Kodiaq, ist allerdings mit einer Länge von 4,74 Metern rund vier Zentimeter länger als seine Brüder. Mit 1,66 Meter Höhe und 1,84 Meter Breite liegt der Seat allerdings auf dem Niveau des VW oder Skoda.

Bei der Formensprache hingegen ist der Seat wieder als solcher erkennbar, obwohl die Designer Hand angelegt haben: Zwar behalten die Voll-LED-Scheinwerfer ihre charakteristische dreieckige Lichtsignatur – genau wie die Heckleuchten – , sitzen jedoch tiefer in der Karosserie und ziehen sich auch weit in die glattgebügelte Motorhaube hinein. Neu ist der markante, sechseckige Kühlergrill mit Chromelementen, der von einer breiten Chromspange umrandet wird.

Obwohl die Front des Tarraco mächtig erscheint, wirkt die Linienführung insgesamt ruhig und harmonisch. Ein Grund dafür ist die lange Seitenlinie, die sich vom vorderen Kotflügel bis zu den Heckscheinwerfern zieht und als angedeutetes Leuchtenband endet. Aber anders als bei Porsche oder Audi leuchtet dieses Element leider nicht, verleiht dem Heck aber deutlich mehr Präsenz. Gleiches gilt für die angedeuteten Endrohre in Alu-Optik, die eigentlich gar keine sind. Mehr Schein als Sein, sieht dennoch sehr gut aus.

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Riesiger Kofferraum und Platz für fünf Erwachsene

Nach dem Öffnen der wuchtigen Heckklappe per Knopfdruck, zeigt der Tarraco was in ihm steckt: reichlich Platz. Das Kofferraumvolumen beträgt 700 Liter beim Siebensitzer (760 Liter beim Fünfsitzer). Insgesamt schluckt der Kofferraum satte 1.920 Liter. Die Rückbank lässt sich ganz einfach mit Hebeln vom Laderaum aus umklappen, sowie nach vorne und hinten verschieben, um Zugang zur dritten Sitzreihe zu erhalten. Diese lässt sich ebenfalls sehr einfach über eine Lasche herausfahren, dann schrumpft allerdings das Kofferraumvolumen auf nur noch 230 Liter. Die Kofferraumabdeckung lässt sich praktischerweise unter der Laderaumabdeckung verstauen.

Trotz aller Variabilität ist der Einstieg in die letzte Reihe allerdings sehr mühselig. Und an Sitzkomfort ist als Erwachsener nicht zu denken, zumindest ab einer Körpergröße von 1,60 Meter: Bein-, Schulter und Kopffreiheit sind hier Fremdwörter. Anders sieht es in der zweiten Reihe aus. Hier haben sogar drei Erwachsene keine Platzprobleme auf der Rückbank. Lediglich die Kopffreiheit ist bei Personen über 1,90 Metern etwas eingeschränkt, aber den Kopf stößt man sich dennoch nicht an. Insgesamt lässt sich die Rückbank um bis zu 23 Zentimeter verschieben, ist neigungsverstellbar und sogar beheizt.

Der Komfort ist gut: Die Sitze sind bequem und geben ausreichend Seitenhalt. Die Sitze vorne sind ebenfalls gut konturiert und erweisen sich auch auf längerer Strecke als bequem. Durch die hohe Sitzposition fällt nicht nur der Einstieg leicht, der Überblick über das Flaggschiff und auf das Armaturenbrett samt Einheiten ist auch gut. Das Dashboard präsentiert sich mit aufgeschäumtem Kunststoff (Softtouch). Insgesamt macht der Tarraco einen ordentlichen Eindruck in Sachen Materialauswahl und Verarbeitung: Die Kombination aus weichem Kunststoff, Kunstleder- und Stoffbezug steht dem Innenraum ausgesprochen gut. Und auch die Verarbeitung wirkt solide und hochwertig. Außerdem sind alle Oberflächen, mit denen die Arme während der Fahrt in Kontakt kommen, ausreichend gepolstert. Sogar das Ablagefach für Flaschen in der Beifahrertür ist gepolstert und verhindert so das Klappern der Wasserflasche während der Fahrt.

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Modern wirkendes Cockpit

Das Lederlenkrad ist manuell längs- und höhenverstellbar, liegt gut in der Hand und ist mit den üblichen Schaltern und Knöpfen ausgestattet. Dahinter befindet sich das 10,25 Zoll große voll digitale Display. In Kombination mit dem acht Zoll großen Touchscreen, der leicht auf dem Armaturenbrett sitzt, wirkt das Cockpit modern. Gesteuert wird das Infotainmentsystem über eine Touch-Bedienung mit zwei Dreh-Knöpfen sowie teils mit berührungslosen Wischgesten. Die Navigation lässt sich auch über den Sprachassistenten bedienen. Dieser hat seine Arbeit nach einigen Anläufen gut gemacht, uns allerdings hin und wieder etwas umständlich navigiert.

Daneben warten weitere Assistenten an Bord: Serienmäßig ist der Taracco mit dem Notbremsassistent mit Abstands- und Kollisionswarnung, einem adaptiven Tempomaten, Geschwindigkeitsbegrenzer, Spurhalteassistenten und einem Müdigkeitswarner ausgestattet. Unser Testwagen hatte zudem einen Spurwechselassistent samt Querverkehrerkennung beim rückwärtigen Ausparken, einen Stauassistent und einen Emergency-Assist an Bord. Alle Assistenten haben ihren Dienst zuverlässig verrichtet. Lediglich beim rückwärtigen Ausparken griff der Querverkehrerswarner etwas ruppig ein, hat das Fahrzeug so aber rechtzeitig zum Stillstand gebracht. Gefühlvoll hat hingegen der Spurhalteassistent gearbeitet: Er hat das SUV immer wieder dezent in die Spur zurückgeführt und sanft korrigiert.

Ein Dreh-Rad in der Mittelkonsole dient für die Wahl der Fahrmodi, woraufhin sich Lenkung, Gasannahme, Stabilitätsregelung und die adaptive Fahrwerksregelung anpassen. Im normalen Modus lässt sich der Tarraco überraschend agil bewegen, die Wankbewegungen halten sich in Grenzen und das Abrollverhalten ist tadellos. Er bügelt Unebenheiten auf der Straße, wie Schlaglöcher oder Kopfsteinpflaster, gekonnt weg. Die Lenkung ist fein abgestimmt und gibt eine gute Rückmeldung, wirkt aber nie zu schwammig. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) schaltet die Gänge sanft und zum richtigen Zeitpunkt hoch und runter, ohne dass der Eindruck eines Leistungsverlusts entsteht.

190-PS-Diesel teilweise überfordert

Im Sport-Modus hingegen ist die Lenkung etwas strammer, das Fahrwerk spürbar straffer und die Gasannahme deutlich gieriger. Dann fährt das DSG die Gänge weiter aus und die Automatik legt die nächste Stufe später ein, schaltet aber auch deutlich früher runter, teilweise etwas ruppig. Dennoch wird das SUV kein Sportwagen. Das wird spätestens beim Blick auf die Motorisierung klar: Zwar fuhren wir den großen 2,0-Liter-Turbodiesel mit 140 KW/190 PS, dennoch war das Aggregat mit dem knapp zwei Tonnen schweren SUV teilweise überfordert. Gleiches gilt für die Bremsen, die für unser Empfinden nicht richtig zupacken. Der Motor wirkt vor allem beim Zwischenspurt sehr angestrengt, ist zwar vernehmbar aber durch die gute Dämmung nicht störend. Erst ab Tempo 160 meldet sich der Fahrtwind etwas lauter zu Wort. Dennoch sind Gespräche mit den hinteren Passagieren problemlos möglich.

Lange Aufpreisliste

Je nach Fahrweise pendelt der Verbrauch zwischen 6,6 Liter (bei gemütlicher Fahrweise) und 11,9 Liter (bei sportlicher Fahrweise) auf 100 Kilometern. Im Mittel hat der Tarraco 7,8 Liter verbraucht. Kein schlechter Wert für ein SUV dieser Größe, dennoch weit vom angegebenen Normverbrauch von 5,6 Litern entfernt. Immerhin erfüllt das Dieselaggregat die Euro 6d-Temp-Norm und darf auch künftig in den Innenstädten rollen, obwohl das SUV dort aufgrund seiner Größe etwas fehl am Platze ist.

Der Tarraco startet bei rund 33.500 Euro und kommt in der getesteten Xcellence-Ausstattung deutlich höher: mit grünem Metallic-Lack (920 Euro), Standheizung inklusive Fernbedienung (1.050 Euro), Beats-Soundsystem (550 Euro), Navigationssystem Plus (1.140 Euro), 20-Zöllern (980 Euro), Adaptiv-Fahrwerk DCC (940 Euro), 360-Grad-Kamera (575 Euro), weitöffnendem Panorama-Glas-Schiebedach (1.145 Euro), dritter Sitzreihe (800 Euro) sowie einigen Assistenten sind es am Ende 55.085 Euro. Ein deutlicher Aufpreis. Aber: Die Qualität der Verarbeitung, die Materialauswahl und die Technik stimmen. In seiner Klasse setzt der Tarraco den Maßstab bei den Siebensitzern.

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