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Leichtbau-Gipfel 2015 Semcons Aikido-Vorderwagen: Vom Kampfsport inspiriert

| Redakteur: Christian Otto

Die Anforderungen an die Sicherheit bei Frontalunfällen nehmen weiter zu. Deshalb stellte Dr. Stephen Rudzewski von Semcon eine Lösung vor, die nicht nur mehr Sicherheit bietet, sondern auch den Leichtbauaspekt abdeckt.

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Dr. Stephen Rudzewski von Semcon stellte mit dem Aikido-Vorderwagen eine Lösung vor, die Sicherheit und Leichtbau verbindet.
Dr. Stephen Rudzewski von Semcon stellte mit dem Aikido-Vorderwagen eine Lösung vor, die Sicherheit und Leichtbau verbindet.
(Foto: Stefan Bausewein)

Rudzewski, Leiter Technik & Innovationen beim Entwicklungsdienstleister (EDL) Semcon nahm die Zuhörer mit auf „eine angstbefreite Reise“ zu einem neuen Vorderwagenkonzept, das den Namen Aikido trägt. Hintergrund für diesen Ansatz waren die verschiedenen Lastfälle, die infolge immer aufwendigerer Crashtests, wie den Small Overlap Crash, auf Fahrzeuge wirken. Allerdings bezieht sich der Semcon-Ansatz in erster Linie auf Fahrzeuge die keinen Frontmotor verbaut haben.

Bei der Namensgebung hat sich der EDL von der japanischen Kampfsportart Aikido beeinflussen lassen. Ziel des Sports sei es nämlich, „die Kraft des generischen Angriffs abzuleiten“, so Rudzewski. Und wenn man, wie beim Small Overlap Crash, schwächer ist als sein Gegner, weiche man ihm aus. Konkret besteht der Aikido-Vorderwagen aus drei Hauptbaugruppen: Beim Schälträger orientierte sich Semcon an dem Prinzip des Schälens. Der Ansatz biete eine stabile, leicht abstimmbare Energiewandlung in Längsrichtung. Die Rahmenstruktur als zweite Baugruppe übernimmt die Führung der Schälträger und ermöglicht die Vertikal- und Querkraftübertragung. Zuletzt dient die Balkenwaage zur Anpassung auf die Aufprallsituation und bindet die Räder in den Lastpfad ein.

Endkappen fahren aus

Dr. Rudzewski fasste in seinem Vortrag nochmals die Merkmale und Vorteile des Aikido-Vorderwagens zusammen. So erfolge mit diesem eine adaptive Anpassung an jedes Front-Crash-Szenarium, eine Crashpulsregelung sei möglich, die dort eingesetzten Stoßstangen verfügen über ausfahrende Endkappen und die Energiewandlung erfolge durch Schälen statt durch Faltbeulen. Der letzte Punkt führe insbesondere zu einem gleichmäßigen Crashpuls.

Aber auch den ausfahrenden Endkappen in den Stoßstangen komme laut dem Ingenieur eine wichtige Rolle zu: „Das ist ein Highlight, denn wir brauchen keine Elektronik.“ Die Endkappen-Technik bringt den Vorteil, dass trotz gewisser Designvorgaben (es sind keine seitlich überstehenden Stoßstangen gewollt) die Stoßstange sich auf das Rad legen kann und dieses auch dreht. Die Endkappen können dabei bis zu 150 Millimeter ausgefahren werden.

Das Ausfahren erfolgt durch Typschadenelemente mit einer Fluidfüllung. Diese bilden laut Rudzewski einen Pumpenzylinder mit einer exakt definierten Losbrech-„Sensorik“. Der dem Pumpenzylinder entgegenstehende Nehmerzylinder hat eine Druckbegrenzung und betätigt die Endkappen. Auch diese Lösung habe klare Vorteile: Sie sei fehlersicher und ohne Elektronik, praktisch beliebig schnell, und die Verkleidung und Abdeckung können frei gestaltet werden.

Auch für Frontmotor-Fahrzeuge

Dr. Rudzewski ging zum Abschluss seines Vortrags nochmals auf die Crashpulsregelung ein, die unter anderem die geringstmögliche Insassenbelastung biete und im Sinne des Leichtbaus ein geringes Gewicht bringe: „Hier steckt das größte Leichtbaupotenzial“, betonte der Semcon-Mann. Und er hatte für die Zuhörer noch eine gute Nachricht: „Der Aikido-Vorderwagen geht auch mit einem Frontmotor“, und könnte somit eine Lösung der Zukunft werden.

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