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Standort mit hoher Bedeutung: Opel produziert wieder in Eisenach

| Autor/ Redakteur: Peter Weißenberg/SP-X / Sven Prawitz

Gerade läuft die erste Produktion eines Modells auf der PSA-Plattform in Deutschland an – und sie ist Zeichen für ein Schicksalsjahr bei Opel. Schon im kommenden Jahr folgen die nächsten wichtigen Neuheiten.

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Das Opel-Werk in Eisenach.
Das Opel-Werk in Eisenach.
(Bild: Opel PR)

Yann Vincent ist eindeutig ein Mann der klaren Worte: „Wir wollen bei allen Messgrößen für Erfolg am besten in der Produktion sein – in jedem einzelnen Werk. Wer da auf Dauer nicht mithalten kann, hat keine Zukunft”, sagt der Chef aller weltweiten Fertigungen bei PSA (Peugeot, Citroen, DS und Opel). Das Werk in Eisenach hat die Prüfung bestanden. Ab dieser Woche wird hier der Opel Grandland X produziert – als erstes Modell auf einer PSA-Plattform, das aus Deutschland kommt.

Die Fertigung soll nach den Wünschen von Vincent und Opel-Chef Michael Lohscheller sehr zackig hochgefahren werden. Aus Eisenach kamen bisher bis zu 130.000 Fahrzeuge vom Typ Corsa und Adam. Die Modelle aus der früheren Produktion unter GM-Regie entfallen nun – der Grandland muss also allein das Werk auslasten. Vor allem aber ist das viereinhalb Meter lange SUV ein Erfolgsmodell für Lohscheller. Allein im ersten Halbjahr sind die Verkäufe des Grandland X (ab 24.700 Euro) im Vorjahresvergleich um mehr als 30 Prozent auf fast 59.000 gestiegen. Das vor allem erklärt, warum Opel erstmals seit 18 Jahren wieder nachhaltige Gewinne erwirtschaftet.

Lohscheller: „Eisenach ist ein Signal“

„Eisenach ist schon ein Signal”, sagt Lohscheller. Dem Aufbruch muss nämlich jetzt Schlag auf Schlag die ganz große Erneuerung der Modellpalette folgen. Unter PSA-Herrschaft setzen alle neuen Opel allein auf zwei Plattformen auf: CMP heißt die kleinere, EMP2 die große. Unter GM-Ägide konnte sich die Opelaner noch auf neun derartigen Kombinationen von Achsen, Antrieben oder Bodengruppen austoben. „Jetzt konzentrieren wir uns auf das, was die Leute wirklich wollen”, so Lohscheller. Und das heißt vor allem: Was viele Menschen wollen.

SUV stehen da weit vorn. Darum kommt schon 2021 der Nachfolger des Bestsellers Mokka X – auf der kleinen Plattform CMP, auf dessen Vorgänger auch der Opel Crossland aufbaut. Der wird noch eine Weile mitproduziert. Der nächste Mokka allerdings bekommt wieder Allradantrieb und kann wie der neue Corsa neben Benzinern und Dieseln auch reine Elektroantriebe verwenden. Anders als VW ist der Multimotoren-Ansatz die Strategie der PSA-Macher. „Niemand weiß ja, wie viele Elektroautos in den nächsten Jahren nachgefragt werden; so können wir in der Produktion flexibel reagieren”, erklärt Vincent. Das macht die Fahrzeuge günstiger als bei einem reinen Elektroauto.

„Bis 2024 jedes Opel-Modell elektrifiziert“

Lohscheller kündigt an, dass „bis 2024 jedes unserer Modelle auch in einer elektrifizierten Variante verfügbar sein” wird. Neben dem Grandland, der ab Anfang kommenden Jahres auch als Plug-In-Hybrid mit maximal 52 Kilometer elektrischer Reichweite aus Eisenach kommt, sei „der neue Corsa in einer rein-elektrischen Version der Startschuss für die große Elektrifizierungsoffensive unserer Marke.” Opel wird gezielt in die nachfragestarken Segmente gehen – und nicht wie andere zunächst einmal in Marktnischen zu hohen Preisen Stromer anbieten.

Diese Strategie fährt PSA schon mit dem Corsa und seinem Bruder Peugeot 208; sie sind elektrisch angetrieben für rund 30.000 Euro zu haben. Auch beim nächsten Astra soll ab 2021 Elektro-, Benziner- und Dieselvariante aus derselben Hülle fahren. Die Umstellung des ewigen Golf-Konkurrenten im Stammwerk Rüsselsheim wird die nächste große Herausforderung für Opel.

Opel rüstet als nächstes Werk Rüsselsheim um

Auch dort wird die Produktion wohl wie jetzt in Thüringen viele Wochen ganz ruhen, bevor der Astra startet. Der bisher in Rüsselsheim gebaute Van Zafira ist bereits ausgelaufen – und durch eine Variante des Transporters Vivaro ersetzt, die aus Frankreich kommt. Diese Modelle wird es übrigens ab dem kommenden Jahr auch als rein elektrische Varianten geben. „Gerade im Wohnmobil- und Kleingewerbe-Bereich ist das Interesse daran groß”, so Lohscheller.

Auch der letzte Wagen aus dem Verbund mit GM steht vor der Ablösung: das Flaggschiff Insignia rollt ungefähr 2023 ebenfalls aus. Der Nachfolger auf Basis der EMP2-Plattform wird aber wieder aus Rüsselsheim kommen. „Ein wichtiges Signal”, so Lohscheller – auch dafür, dass die deutschen Werke so effizient wie Yann Vincents Vorgaben sein können.

Opel expandiert auf dem Weltmarkt

Wenn die Kunden die neuen Mokkas, Corsas, Astras, Grandlands oder Insignias auf PSA-Basis annehmen, kann Opel auch endlich einen Traum in Angriff nehmen, den die früheren GM-Herren den Rüsselsheimer acht Jahrzehnte lang verwehrt haben: den großen Angriff auf dem Weltmarkt. Schon jetzt startet Opel wieder mit Verkäufen in Chile, Namibia, Marokko und vor allem Russland. Aus früheren Zeiten gibt es dort noch 400.000 Opel-Fahrer, so Lohscheller. Geht der weitere Umbau glatt, ist auch der Start in China möglich – und Opel das, was Lohscheller schon heute beschwört: „eine Gewinnermarke”.

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