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Opel Grandland-X: Große Ziele

| Autor/ Redakteur: Jens Rehberg / Lisa Marie Waschbusch

Fast 3.000 Euro liegt das neue Opel-C-SUV unter dem Basispreis des Segment-Königs VW Tiguan. Marketing-Direktor Christian Löer erklärt, warum der Grandland gute Chancen hat.

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Nach dem kleineren Crossland-X bringt Opel im C-SUV-Segment jetzt den Grandland-X. Am 21. Oktober startet er offiziell bei den Opel-Händlern.
Nach dem kleineren Crossland-X bringt Opel im C-SUV-Segment jetzt den Grandland-X. Am 21. Oktober startet er offiziell bei den Opel-Händlern.
(Bild: Opel)

Kurz nach dem Crossland-X bringt Opel im Herbst eine weitere Peugeot-Koproduktion im SUV-Bereich an den Start: Den etwas größeren Grandland-X. Obwohl der Boom im Hochbeinersegment nun schon eine geraume Zeit anhält, erwartet Marketing-Direktor Christian Löer auch weiterhin eine fortschreitende „SUVisierung“ des deutschen Pkw-Marktes: „Sowohl an Stückzahlen als auch am Umsatz gemessen hat das SUV-Segment seit kurzem den größten Anteil am Gesamtmarkt“, sagte Löer am Rande einer Fahrzeugpräsentation für die Presse am Mittwoch (20. September) im Gespräch mit unserem Schwestermagazin »kfz-betrieb«.

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Großes Wachstumspotenzial

Vor allem im B-SUV-Segment, wo Opel mit dem Mokka und dem Crossland vertreten ist, sieht der Manager auch künftig hohes Wachstumspotenzial, aber auch das Kompakt-SUV-Segment wachse nach wie vor. Da hier das Angebot gerade mit vielen neuen Produkten im Crossover-Bereich noch vielfältiger und dadurch auch zusätzliche Nachfrage erzeugt werde, ist Löer sich sicher, mit dem neuen Grandland zur richtigen Zeit in das Segment einzutreten. Nichtsdestotrotz räumt er angesichts des starken und fest etablierten Wettbewerbs ein, „relativ spät“ zu kommen. „Wir glauben aber, dass wir als deutsche Marke mit dem Grandland-X vielen Kunden eine Heimat geben können, die wir bisher in diesem Segment einfach nicht bedient haben.“ Besonders bei den SUVs gebe es eine ausgeprägte Wechselbereitschaft der Kunden zwischen Importmarken und deutschen Fabrikaten. „Mit dem Grandland-X haben wir ein Produkt, das technisch gesehen mit seinen Wettbewerbern auf Augenhöhe – bei einigen auch ein Stück darüber – ist.“

Besonders in Sachen Design und Proportionen könne das neue Auto punkten. Zudem gebe es unter den in Deutschland gefertigten C-SUVs in der Grandland-Preiskategorie nicht allzu viel Auswahl – „das Gesamtpaket stimmt einfach.“ Als weiteren großen Pluspunkt sieht Christian Löer das im Verhältnis zu den kompakten Gesamtabmessungen sehr großzügige Innenraumangebot. Außerdem ist er sich sicher, dass der kleine 1,2-Liter-Turbobenziner seine Fangemeinde finden wird.

Schweigen über Volumenziele

Zu Volumenzielen für das neue Fahrzeug wollen sich die Opelaner wie gewohnt nicht äußern. Nach den Reaktionen auf entsprechende Nachfragen darf aber wohl angenommen werden, dass ein deutsches Volumen unter 20.000 Einheiten im ersten vollen Verkaufsjahr bei den Vertriebsverantwortlichen keine Feierlaune auslösen würde. Zur Einordnung: Der Mokka-X hatte zuletzt zwei Jahre mit jeweils über 30.000 Verkäufen. Unter seinen direkten Wettbewerbern dürfte sich der Grandland – so alles nach Plan läuft – hinter VW Tiguan (2016: Rund 64.000 Einheiten), Ford Kuga (35.000) und dem Hyundai Tucson (25.500) einreihen. Es folgen, gemessen an den letzten Jahresabsatzzahlen in Deutschland, der Renault Captur (21.000), Kia Sportage (18.000) und der Mazda CX-5 (17.000).

Während sich der kleinere Mokka in erster Linie an tendenziell wertkonservativere Männer über 55 Jahren richtet, die auch vorwiegend im ländlichen Raum leben, sieht Opel die Kernzielgruppe für den Grandland in Männern zwischen 40 und 50 Jahren, die einen „urban-progressiven Lifestyle“ pflegen. Dagegen spreche der Crossover Crossland aufgrund seines verspielteren Designs vorwiegend Frauen an, ergänzt der Marketingchef hinsichtlich der Ausdifferenzierung innerhalb der SUV-Palette der Rüsselsheimer.

Fehlende Allrad-Option soll kein Kritikpunkt sein

Dass der Grandland, ebenso wie sein technischer Zwilling, der Peugeot 3008, keine Allrad-Option anbieten kann, hält der Opel-Manager nicht für kritisch. Die Leute kauften SUVs in erster Linie aufgrund der höheren Sitzposition und dem damit verbundenen besseren Sicherheitsempfinden. Die im Grandland angebotene elektronische Traktionskontrolle reiche den allermeisten Kunden für eine gelegentliche Nutzung abseits der Straße völlig aus. „Sicherlich ist Allrad ein profitables Feature, aber es ist nun mal eine Tatsache, dass vier von fünf Kunden den Vierradantrieb eigentlich nicht brauchen", so Löer.

Dass trotzdem vereinzelte Wettbewerbsmodelle häufiger mit Allrad-Option geordert werden, könnte dann wohl mit entsprechenden Marketingmaßnahmen zu tun haben. Aber auch perspektivisch hat der Marketingchef das Allrad-Thema wegen sinkender Ausstattungsquoten im Segment nicht auf dem Wunschzettel. Schließlich müsse da ein vernünftiger Business Case zugrunde liegen.

3.000 Euro günstiger als Segment-König

Mit einem Basispreis von 23.700 Euro startet das neue Opel-SUV knapp 3.000 Euro billiger als der Segment-König VW Tiguan. Angesichts der aktuellen aggressiven Marktbearbeitung sind beide Preise allerdings nicht mehr als grobe Anhaltspunkte. Reimportierte Tiguan-Modelle werden derzeit schon für 21.000 Euro angeboten. Und Opel wird seine intensiven taktischen Aktivitäten in nächster Zeit nach Aussage des Herstellers kaum herunterfahren.

Punkten kann der Grandland jedenfalls zusätzlich mit stark auf Preis/Leistung abgestimmten Paketen. Dabei bringt er auch schon in der Grundausstattung einige Bonbons mit wie LED-Tagfahrlicht, -Rückleuchten und -Blinker, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, ein Start-Stop-System oder auch einen Geschwindigkeitsbegrenzer, der sich an der Verkehrsschilderkennung orientiert.

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Moderates Gewicht und großer Radstand

Gegen den breiten Wettbewerb abheben kann sich der Grandland außerdem mit seinem vergleichsweise moderaten Gewicht (1,35 bis knapp 1,4 Tonnen) und seinem großen Radstand (2,68 Meter), der für bemerkenswerte Platzverhältnisse im Fond sorgt. Und auch im Kofferraum gibt es reichlich Luft (514 bis 1.652 Liter). Der Grandland kann zum Start lediglich mit dem bereits erwähnten Dreizylinder-Turbobenziner (130 PS) oder einem 1,6-Liter-Turbodiesel (120 PS) – beide von PSA – bestellt werden. Nächstes Jahr sollen allerdings ein 180-PS-Diesel sowie ein kleiner Einstiegs-Benziner hinzukommen. Am 21. Oktober wird der Grandland offziell in den Schauräumen der Opel-Partner vorgestellt.

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