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Wirtschaft Studie: Autoindustrie in Deutschland wächst kaum noch

| Autor / Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young ist die deutsche Automobilindustrie im vergangenen Jahr kaum noch gewachsen. Immerhin: Einem Umsatzminus der Hersteller steht ein Plus der Zulieferer gegenüber.

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Die Autoindustrie wächst kaum noch, lautet das Fazit einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young.
Die Autoindustrie wächst kaum noch, lautet das Fazit einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young.
(Bild: Daimler )

Die Automobilindustrie in Deutschland ist einer Studie zufolge im vergangenen Jahr kaum noch gewachsen. Trotzdem haben Hersteller und Automobilzulieferer weiter Tausende neue Mitarbeiter eingestellt. Insgesamt erwirtschaftete die Branche hierzulande 2018 einen Umsatz von knapp 425 Milliarden Euro, wie aus einer Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) hervorgeht, die am Mittwoch (27. Februar) veröffentlicht wurde. Das war – nach einem deutlichen Sprung im Jahr davor – nur noch ein Plus von 0,4 Prozent. Beim Export stand am Ende des Jahres sogar ein Minus. Die Zahl der Beschäftigten hingegen wuchs laut der Studie um 1,7 Prozent binnen Jahresfrist auf rund 834.000 und damit abermals auf einen neuen Höchststand.

Dass angesichts der widrigen Rahmenbedingungen – wie dem Handelsstreit zwischen China und den USA oder den Problemen mit der WLTP-Umstellung – der Umsatz etwa auf Vorjahresniveau gehalten werden konnte, sei durchaus als Erfolg zu werten. Doch das sei nur dank der guten Entwicklung des chinesischen Absatzmarktes gelungen. Laut EY stiegen die Ausfuhren von Autos und Autoteilen nach China im letzten Jahr gegen den Trend um 14 Prozent, wodurch China zum zweitwichtigsten Exportmarkt der deutschen Automobilindustrie aufstieg.

Andere wichtige Absatzmärkte entwickelten sich hingegen schwach: Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten – nach wie vor der wichtigste Auslandsmarkt – sanken um fünf Prozent. Noch stärker rückläufig waren die Ausfuhren nach Großbritannien, vor einem Jahr noch der zweitwichtigste Exportmarkt für deutsche Hersteller und Zulieferer: Die Ausfuhren gingen um zehn Prozent zurück.

Basis für die Berechnungen sind Daten des Statistischen Bundesamtes sowie der Bundesagentur für Arbeit zum Automobilstandort Deutschland. Umsatz, den die deutschen Konzerne im Ausland machen, oder Produkte, die sie von dort in weitere Länder liefern, fließen somit nicht ein.

Zulieferer stärker als Hersteller

Im vergangenen Jahr verzeichneten die deutschen Automobilhersteller einen Umsatzrückgang von 0,2 Prozent – das erste Minus seit dem Krisenjahr 2009. Der in der Grafik dargestellte Umsatzrückgang im Jahr 2016 ergibt sich aus revidierten Betriebsmeldungen, die nicht für die Vorjahre angepasst wurden. Die Zulieferer konnten hingegen auch 2018 weiter zulegen.
Im vergangenen Jahr verzeichneten die deutschen Automobilhersteller einen Umsatzrückgang von 0,2 Prozent – das erste Minus seit dem Krisenjahr 2009. Der in der Grafik dargestellte Umsatzrückgang im Jahr 2016 ergibt sich aus revidierten Betriebsmeldungen, die nicht für die Vorjahre angepasst wurden. Die Zulieferer konnten hingegen auch 2018 weiter zulegen.
(Bild: Ernst & Young/Destatis )

Betrachtet man die Autohersteller und die Zulieferer getrennt, zeigt sich laut Studie gar eine gegenläufige Entwicklung. Einem Umsatzminus der Hersteller von 0,2 Prozent steht ein Plus der Automobilzulieferer von 2,1 Prozent gegenüber – ausschließlich in Deutschland, wohlgemerkt. Auch die Zahl der Beschäftigten stieg bei den Zulieferern stärker.

EY-Experte Peter Fuß hält auch 2019 für ein schwieriges Jahr, nicht nur, weil große Absatzmärkte schwächeln. US-Sonderzölle und ein ungeordneter Brexit dürften, wenn sie denn kommen, erhebliche Einbußen am Standort Deutschland nach sich ziehen, sagte Fuß. Zudem sei das derzeitige Beschäftigungswachstum wohl nicht nachhaltig.

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