Digitalisierung

Susi & James: Künstliche Intelligenz für die Autoindustrie

| Autor: Svenja Gelowicz

Susi & James sitzt in Mannheim. Dort entwickeln die Mitarbeiter schlaue Sprachassistenten.
Susi & James sitzt in Mannheim. Dort entwickeln die Mitarbeiter schlaue Sprachassistenten. (Bild: Susi & James)

Die schlaue Sprachassistentin des Start-ups Susi & James haben schon Premiumhersteller wie Porsche oder Daimler in Projekten eingesetzt. Die Mannheimer wollen jetzt mit einem neuen Produkt in die Breite – und vor allem auch den Mittelstand digitalisieren.

Eigentlich wollte Jonas Moßler nur seiner Großmutter helfen. Digital kann die nämlich nicht so gut, sie braucht Unterstützung. Dass daraus am Ende ein Sprachassistent entsteht, der bei Porsche Einsatz findet, damit hat er nicht gerechnet. Jonas Moßler ist einer der beiden Gründer der KI-Firma Susi & James, die in Mannheim rund 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Er und sein Mitgründer Axel Ganter haben gemeinsam technische Informatik studiert. Von ihnen stammt Susi. Sie ist eine schlaue Helferin. Susi besteht aus vielen Modulen und kann dank künstlicher Intelligenz (KI) so einiges: Sie beherrscht die Rolle als Chatbot und kann telefonieren. Sie kann Fragen von Endkunden beantworten. Sie führt Gespräche und löst Prozesse aus; zum Beispiel Bestellungen. Und auch im Hintergrund nimmt die Assistentin Arbeit ab – sie ordnet und klassifiziert Dokumente, leitet E-Mails weiter oder macht Ähnlichkeitsanalysen, beispielsweise für Angebote. „Susi bringt Struktur und Ordnung in chaotische Kommunikation“, fasst Moßler zusammen.

Entwicklungsprojekte mit Porsche

Zum Beispiel für Porsche. Das Start-up hat die Betriebsanleitung für die Zuffenhausener digitalisiert. Wenn ein Porsche-Fahrer Fragen hat, kann er die per Spracheingabe an Susi stellen – und erhält von der smarten Helferin umgehend eine Antwort.

Die Basis für all das ist eine KI-Plattform. Sie heißt James. In diese Plattform haben die Gründer von Anfang an viel Geld gesteckt. „Wir investieren nicht nur in das Produkt Susi, sondern vor allem in unsere KI-Plattform“, erklärt Moßler. James ist das Herzstück. Dort laufen die gesamten Teilintelligenzen und Daten zusammen. Das Start-up entwickelt die Plattform ständig weiter. „Uns war klar: Wir brauchen erst mal eine saubere technologische Ausgangslage“, so der Chef des Start-ups.

Susi Basic soll den Mittelstand digitalisieren

Sein Unternehmen baut Projekte wie Produkte auf James auf, die skalieren dadurch besser. Je nachdem, ob Assistentin Susi die Inhalte einer Betriebsanleitung ansagen soll oder einen Inhalt weiterleitet, aktivieren die Entwickler die richtigen Module, trainieren sie darauf und integrieren Unternehmensdaten. Der Clou, so Moßler, ist eine hohe Spezifikation: „Die ist unser Geschäftsmodell. Unsere Kunden haben einen genauen Prozess, für den sie Unterstützung brauchen.“ Das erfordere eine hohe Präzision: Welche Begriffe haben welche Bedeutung für das Unternehmen? Wie ist die Logik dahinter? Susi kann weiter lernen und einen bestimmten Anwendungsfall besser beherrschen. Diese Software nutzt die Industrie.

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Doch auch für kleine Unternehmen gibt es bald ein neues Produkt. Massentauglich soll es sein, Moßler spricht von einer Killerapplikation: Susi Basic. Eine fertige Software, in die man nur noch einen Firmennamen eintragen kann. Damit will Susi & James eine neue Zielgruppe erschließen. „Mit Susi Basic wollen wir eine Sprachsteuerungssoftware schnell auf die Straße bringen“, erklärt der Gründer. „Wir wollen eine ganz einfach gestrickte Assistenzfunktion für jeden zugänglich machen.“ Also eine Helferin, die Anrufe entgegennimmt, Inhalte weiterleitet, Termine vereinbart.

Susi & James: Künstliche Intelligenz aus Mannheim

Susi & James gibt es seit 2014. Anfangs halfen Familie und Freunde, dann stiegen zwei ehemalige Gesellschafter des Engineering-Dienstleister Formel D als Investoren ein. Susi & James wurden in Acceleratoren aufgenommen, etwa Daimlers Startup Autobahn, und lenkte schnell die Aufmerksamkeit auf sich – gerade, weil „echte“ KI in Deutschland rar ist. Ein Chatbot, der regelbasiert antwortet und lediglich Wissen aus Datenbanken abgleicht, hat wenig mit der Dynamik einer künstlichen Intelligenz zu tun. Eine KI muss autonom Entscheidungen treffen können, sich verbessern und menschliche Tätigkeiten übernehmen können.

Diese Technologien werden vor allem von Start-ups befeuert – doch Deutschland liegt im weltweiten Vergleich auf Platz 8 mit nur 106 KI-Start-ups. Davor: Die USA (fast 40 Prozent der KI-Start-ups sind hier ansässig), China, Israel, UK, Kanada, Japan und Frankreich. Das sind Ergebnisse der Studie „Artificial Intelligence – A strategy for European startups“, für die das Beratungsunternehmen Roland Berger und die Venture Capital-Firma Asgard rund 3.500 Unternehmen und Start-ups im KI-Bereich analysiert haben. Ein weiterer Befund: Die Autobranche macht nur ein Prozent der KI-Start-ups in Europa aus.

Moßler: „Zusammenarbeit mit Mittelstand unglaublich spannend“

Szenenwechsel Berlin: eine Branchenveranstaltung im Juni, Jonas Moßler diskutiert auf einer Bühne über Start-ups und ihre Zusammenarbeit mit Konzernen. Danach wird er von einem Vertreter eines mittelständischen Autozulieferers angesprochen. Der hat Fragen. „Der Mittelstand braucht Start-ups. Er profitiert stark von ihnen“, sagt Moßler. Mittelständler hätten in puncto Digitalisierung häufig Schwierigkeiten. „Die Zusammenarbeit finden wir unglaublich spannend“, erzählt der Susi & James-Chef, sie sei eine ganz andere als mit Konzernen – Entscheidungen fallen schneller, die Umsetzung läuft zügiger als im Umfeld der Großindustrie.

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Aktuell ist das KI-Start-up in einigen Vorprojekten mit Mittelständlern: Denn vor der Implementierung müssen häufig erst Prozessanalysen stattfinden, die gesamte IT erst mal abgeprüft werden. Nichtsdestotrotz steht wieder ein Projekt mit einem großen Nfz-Hersteller an: Gemeinsam mit Daimler Buses hat das Start-up auf der diesjährigen Nutzfahrzeug-IAA gezeigt, wie Sprachassistentin Susi Einzug in Busse halten kann.

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